Norwegens Pläne für Offshore-Wind: Von zwei Anlagen auf 1.500

Auf einer Pressekonferenz stellte die Regierung die Pläne zum Ausbau der Offshore-Wind in Norwegen vor. V.l.: Handels- und Industrieminister Jan Christian Vestre, Finanzminister Trygve Slagsvold Vedum, Premierminister Jonas Gahr Støre und Minister für Erdöl und Energie Terje Aasland©Screenshot, regjeringen.no

Oslo, 11. Mai 2022. Norwegens Regierung will bis 2040 Lizenzen für rund 30 Gigawatt Offshore-Windkraft vergeben. Ziel ist es, so viel Strom aus Offshore-Wind zu erzeugen wie heute insgesamt in Norwegen produziert wird. Auf einer Pressekonferenz stellten Premierminister Jonas Gahr Støre, Finanzminister Trygve Slagsvold Vedum, Handels- und Industrieminister Jan Christian Vestre und der Minister für Erdöl und Energie Terje Aasland eine neue Windkraft-Offensive vor, die den Einsatz von 1.500 Offshore-Windkraftanlagen vorsieht. Der Premierminister bezeichnet die Initiative als Meilenstein in der norwegischen Industrie- und Energiegeschichte.

“Heute starten wir eine groß angelegte Investition in Offshore-Wind. Unser Ziel ist es, bis 2040 Flächen für 30.000 MW Offshore-Windenergie in Norwegen zuzuweisen. Das ist eine Summe, die fast so viel Strom entspricht, wie wir heute produzieren. Mit diesem Ehrgeiz gehen wir von den zwei Offshore-Windenergieanlagen, die heute in Betrieb sind, auf etwa 1.500 Offshore-Windenergieanlagen. Der Bau wird in den nächsten 20 Jahren erfolgen”, sagt Gahr Støre.

Vier Monate nach dem Antritt der neuen Regierung hat das Kabinett die Rahmenbedingungen für die Vergabe der ersten großen Offshore-Windgebiete – Utsira Nord und Südliche Nordsee II – auf den Weg gebracht. Gleichzeitig wurde damit begonnen, mögliche neue Gebiete entlang der Küste zu kartieren, die für Offshore-Wind vorbereitet werden können.

Wie die Regierung mitteilt, soll eine groß angelegte Offshore-Windentwicklung den Einsatz verschiedener Netzlösungen ermöglicht. Kabel mit bidirektionalem Stromfluss, Radialkabel nach Europa und Radialkabel nach Norwegen sollen dabei berücksichtigt werden. 

Bei der Auswahl einer Offshore-Netzlösung mit Anschluss an das norwegische Stromnetz müsse die technische Auslegung der Anlage nationale Interessen gewährleisten, darunter Versorgungssicherheit und angemessene Strompreise für Haushalte, Industrie und Unternehmen.

Ziel sei es, Menschen und Unternehmen große Mengen an bezahlbarem Strom zur Verfügung zu stellen, der Arbeitsplätze im ganzen Land schaffen kann, sagt Finanzminister Trygve Slagsvold Vedum. Diese Investition sei auch die Antwort auf die Elektrifizierung des norwegischen Festlandsockels. Außerdem werde man untersuchen, wie eine künftige Erbbauzinssteuer auf Offshore-Windenergie eingerichtet werden kann, um sicherzustellen, dass ein größerer Anteil der Gewinne in der Branche in die Kommunen fließen, so Vedum.

Die nächste Vergaberunde von Lizenzen für Offshore-Wind in neuen Gebieten ist für 2025 geplant. Das Energieministerium soll prüfen, wie die Lizenzbearbeitung rationalisiert werden kann, indem die Lizenz und die Genehmigung des detaillierten Plans als Ganzes bewertet wird.

Für die Aufstellung der 1.500 Windkraftanlagen ist die Erschließung einer Gesamtfläche von etwa einem Prozent der norwegischen Meeresgebiete erforderlich, 5 bis 6 mal so viel wie die jetzt ausgewiesene Fläche für das Projekt  Südliche Nordsee II.

Ein erheblicher Teile des produzierten Stroms soll ins  Ausland geliefert werden, da das norwegische Stromnetz so große Strommenge von 30.000 MW Offshore-Windenergie nicht bewältigen kann. Das Windprojekt südliche Nordsee II soll lediglich mit Stromkabeln nach Norwegen verbunden werden

Windkraft hatte im März 2022 einen Anteil von 9,5 Prozent an der norwegischen Stromproduktion. 89,4 Prozent des Stroms wurden mit Wasserkraft produziert. Windparks gibt es in Norwegen bisher lediglich an Land. Im Meer stehen nur zwei Testanlagen. Hywind Tampen wird Norwegens erster Offshore-Windpark sein und soll im dritten Quartal dieses Jahres in Betrieb gehen. Elf 8-MW-Turbinen werden in der Nordsee installiert, um die Ölfelder Gullfaks und Snorre mit Strom zu versorgen. Außerhalb Norwegens sind norwegische Unternehmen am Bau verschiedener Offshore-Windparks beteiligt. Der norwegische Energiekonzern Equinor baute damals noch unter dem Namen Statoil vor der der schottischen Küste den ersten schwimmenden Windpark weltweit.

Das Interesse am Bau von Windanlagen mit einer Leistung von insgesamt 4,5 GW Offshore-Wind in den kürzlich ausgewählten norwegischen Meeresgebieten Utsira Nord und Südliche Nordsee II ist groß. Eine Reihe von Unternehmen haben sich zusammengeschlossen, um Lizenzen zu erhalten. Unter anderem will das deutsche Energieunternehmen RWE gemeinsam mit Equinor und Hydro in der südlichen Nordsee II Windanlagen errichten.

Dänemark ist gegenwärtig Europameister im Bereich Offshore-Wind. Im dänischen Sektor in der Nordsee wird gegenwärtig eine künstliche Insel errichtet, die ein Knotenpunkt für Offshore-Windparks sein wird. Die EU-Kommission, die Niederlanden, Deutschland und Belgien wollen damit eine gemeinsame Vision für den Ausbau der Offshore-Windenergie in der Nordsee realisieren.

Lesen Sie hier das Statement des Energieministers auf der Pressekonferenz.

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