Wintershall Dea will mit CCS und Wasserstoff bis 2030 Klimaneutralität erreichen

Das Förderprogramm der norwegischen Regierung für die Öl- und Gasindustrie beschert Wintershall Dea in Norwegen in diesem Jahr eine vorzeitige Steuerrückzahlung. Damit steht mehr Liquidität für weitere Investitionen zur Verfügung. Im Bild: Das Projektes Ærfugl©Aker BP

Kassel/Hamburg, 23. November 2020. Der Öl- und Gaskonzern Wintershall Dea setzt sich klare Klimaziele. Ab 2030 will das Unternehmen keine CO2-Emissionen mehr verursachen, teilt Wintershall Dea anlässlich der Präsentation der Ergebnisse des 3. Quartals mit. Bis 2030 soll die routinemäßige Abfackelung des Begleitgases vollständig eingestellt werden. Die Methanintensität der eigenen Erdgasproduktion soll bis 2025 auf 0,1 Prozent zurückgehen. Rund 400 Millionen Euro will Wintershall Dea in den nächsten zehn Jahren für diese Ziele in Energieeffizienz, striktes Emissionsmanagement, Technologieentwicklung, Portfoliooptimierung und naturnahe Ausgleichlösungen investieren. 


„Für E&P-Unternehmen kann es kein reines ‚Business as usual‘ geben“, sagt Mario Mehren, Vorstandsvorsitzender von Wintershall Dea. Dabei setzt das Unternehmen nicht wie andere große Öl- und Gaskonzerne auf neue Geschäftsfelder im Bereich Erneuerbare Energien, sondern weiter auf die Produktion von Öl und Gas – allerdings kohlenstoffarm. Vor allem Erdgas, aber auch Erdöl würden als Energieträger und Rohstoff für die chemische Produktion weiterhin eine wichtige Rolle spielen. Erdgas ermögliche die Energiewende, weil es Kohle ersetzen kann. Außerdem könne Gas zur Produktion von Wasserstoff in den kommenden Jahren und Jahrzehnten eingesetzt werden. Ein entsprechendes Wasserstoff-Projekt realisiert Wintershall Dea mit dem Karlsruher Institut für Technologie im Bereich der Methanpyrolyse. Für die Speicherung von Kohlenstoff habe das Unternehmen Zugang zu einer Reihe bereits ausgeförderter Felder in der südlichen Nordsee sowie zu einer bedeutenden Pipeline-Infrastruktur in Europa, die für CCS und für den Wasserstofftransport genutzt werden kann, so Mehren weiter.

Um bis zu 40 Prozent niedrigere Rohstoffpreise als im Vorjahr haben die Ergebnisse des Konzerns im dritten Quartal stark beeinträchtigt. Während die Produktionsmengen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um drei Prozent gestiegen ist, sank der Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Explorationskosten (EBITDAX) gegenüber dem Vorjahresquartal von 708 Millionen Euro auf 397 Millionen Euro. 

In Norwegen profitiert die Tochter des in Kassel und Hamburg beheimateten Öl- und Gaskonzerns von den Steuervergünstigungen, die die norwegische Regierung speziell den Öl- und Gasunternehmen des Landes kürzlich als Folge der Corona-Krise gewährte. “Wir ziehen in verschiedener Bereichen einen signifikanten Vorteil aus diesem Hilfspaket, das die norwegischen Behörden geschnürt haben, um die Öl- und Gasindustrie vor den schlimmsten Corona-Folgen zu schützen. Wir sind zum einen in der guten Position, dass wir unsere Investitionen von der Steuer früher abschreiben können als gewöhnlich, also noch im selben Jahr, in dem sie getätigt wurden. Wir profitieren in diesem Jahr von einer Steuerrückzahlung in Höhe von 420 Millionen Euro, was unsere Liquidität beträchtlich stärkt. Insofern funktioniert dieses Hilfspaket tatsächlich als Treiber”, erklärt Paul Smith, CFO von Wintershall Dea. “Darüber hinaus lassen uns diese kurzfristigen Vergünstigungen insgesamt vertrauensvoll auf das Investitionsklima in Norwegen schauen und damit auf unsere Investitionspläne im nächsten Jahr einschließlich einiger zukünftiger Projekte. Insofern funktioniert dieses Programm hervorragend.”

Nach diesen Vergünstigungen können Öl- und Gasunternehmen ihre Investitionen im selben Jahr von der Steuer abschreiben, in dem sie getätigt wurden, anstatt wie üblich über sechs Jahre. Das steuerfreie Einkommen ändert sich von 5,2 Prozent jährlich in den ersten vier Jahren auf zehn Prozent im ersten Jahr. Die Vorschläge betreffen Investitionen in den Jahren 2020 und 2021 sowie Investitionen, die bis 2021 eingereicht und 2022 genehmigt werden sollen. 

In Norwegen hat Wintershall Dea Norge Mitte November Phase 1 der Produktion des Projektes Ærfugl pünktlich und innerhalb des Budgets aufgenommen – ein Meilenstein für die Unterwasserentwicklung in der norwegischen See, wie das Unternehmen mitteilt. Das Feld wird von AkerBP betrieben, Wintershall Dea hält einen Anteil von 28 Prozent. „Wir haben eng mit unseren Lizenzpartnern zusammengearbeitet, um dieses Projekt so effizient wie möglich durchzuführen. Zusammen mit AkerBP und dem Rest des Konsortiums profitieren wir jetzt von den Vorteilen des laserscharfen Projektmanagements für diese Entwicklung“, sagte Synnøve Helland, Vizepräsident für nicht betriebene Vermögenswerte bei Wintershall Dea Norge.

Die Gründung von Ærfugl stärke die Position von Wintershall Dea in diesem Bereich der norwegischen See, in dem das Unternehmen bereits eine starke Position als Hauptaktionär im Bereich Skarv hat. Ærfugl wird dem Skarv-Produktionsschiff eine zusätzliche wirtschaftliche Lebensdauer von fünf Jahren hinzufügen, die produzierte Menge verdoppeln und die Emissionen pro produziertem Barrel erheblich reduzieren, teilt das Unternehmen mit. Ærfugl ist ein Gas- / Kondensatfeld mit rund 300 Millionen BOE an erzielbaren Reserven nach AkerBP. 

Kurz zuvor hat Wintershall Dea mit dem Bohren des ersten von sechs Bohrlöchern auf dem betriebenen Nova-Feld in der norwegischen Nordsee begonnen.

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