
Oslo, 12. August 2026. Norwegen ist weltweit führend bei elektrischen Fähren und Passagierschiffen. 16 neue Schiffe, die mit Wasserstoff und Ammoniak betrieben werden, sind in Planung. Die norwegische Klimastiftung geht in ihrem Quartalsbericht davon aus, dass Norwegen am Beginn des nächsten Technologiesprungs auf See steht. Gleichzeitig sieht sie es als unwahrscheinlich an, dass die Klimaziele für 2030 und 2035 allein durch Emissionsreduzierungen in Norwegen erreicht werden. Die Schifffahrt ist einer der Sektoren, in denen der Übergang nur schleppend vorangeht, obwohl Norwegen weltweit führend bei der Elektrifizierung von Fähren und Passagierschiffen ist. Vor allem Kreuzfahrtschiffe verursachen nach wie vor hohe Emissionen.
Zwar besuchten 2025 weniger Kreuzfahrtschiffe norwegischen Gewässern – doch die Emissionen waren 2025 so hoch wie noch nie. Die Emissionen im Jahr 2025 stammten von 154 Kreuzfahrtschiffen, die 2.578 Mal an einem der 15 größten norwegischen Kreuzfahrthäfen anlegten. Die Zahl der Kreuzfahrtanläufe in Norwegen ist damit seit 2015 um 113 Prozent gestiegen. Nur 543 Mal wurden die Schiffe im vergangenen Jahr an Landstrom angeschlossen.
Anzahl der Kreuzfahrtschiffe in norwegischen Gewässern 2016 bis 2025

Fünf von Norwegens 15 größten Kreuzfahrthäfen, die zwischen Kristiansand im Süden bis Ny-Ålesund im Norden liegen, machten 2025 über 65 Prozent aller Kreuzfahrtanläufe aus. Fünf dieser Häfen – Bergen, Haugesund, Ålesund, Oslo und Kristiansand – bieten heute Landstrom für Kreuzfahrtschiffe an.
Mit Ausnahme von Longyearbyen und Ny-Ålesund geben alle Häfen an, Kreuzfahrtschiffe zu bevorzugen, die niedrigere Emissionen nachweisen können. Zwölf der Häfen nutzen dafür den Environmental Port Index (EPI). Inzwischen haben einzelne Häfen wie Flåm und Bergen lokale Umweltauflagen eingeführt. Flåm hat die weltweit strengsten Umweltauflagen.
Normalerweise sollten bereits seit diesem Jahr nur noch nur noch emissionsfreie Kreuzfahrtschiffe in die Welterbefjorde Norwegens einfahren dürfen. Allerdings wurde diese Maßnahme aufgeweicht. Diese Vorgabe gilt aktuell nur für Schiffe unter 10.000 Bruttotonnen. Große Schiffe haben Zeit zur Umstellung bis 2032.
Emissionen der Kreuzfahrtschiffe 2016 bis 2025

Technologisch sieht die Klimastiftung die Schifffahrt auf gutem Weg. Im Jahr 2023 fuhr die Autofähre MF Hydra erstmals mit flüssigem Wasserstoff. Sechs neue Produktions- und Bunkeranlagen für Wasserstoff oder Ammoniak wurden genehmigt. Sollten diese Projekte erfolgreich sein, könnte dies den Weg dafür ebnen, dass Wasserstoff und Ammoniak als Kraftstoffe in der Schifffahrt verfügbarer und wettbewerbsfähiger werden.Der Bericht beleuchtet außerdem den Stand der Klimaziele, die Energiewende und Verhaltensänderungen. Die Emissionen aus Schifffahrt und Fischerei sind heute noch 40 Prozent höher sind als 1990. Es gibt jedoch Grund zu vorsichtigem Optimismus.
In offiziellen Treibhausgasstatistiken sanken die Emissionen aus Schifffahrt und Fischerei von 2023 auf 2024. In den Emissionszahlen der Küstenverwaltung dagegen stiegen sie im gleichen Zeitraum. Passagierschiffe, Kreuzfahrtschiffe, Offshore-Fahrzeuge und Fischerboote machen zusammen mehr als die Hälfte der Emissionen der Schifffahrt aus. Während es in norwegischen Gewässern über 4.600 Fischerboote gibt, besuchten im Jahr 2025 nur 154 Kreuzfahrtschiffe Norwegen. Diese legten allerdings 2.578 Mal in den 15 größten Häfen Norwegens an. Das Wachstum lässt sich teilweise durch den vermehrten Kreuzfahrtverkehr entlang der norwegischen Küste infolge von Krieg und Unruhen in anderen Gebieten erklären, allerdings haben die Emissionen stärker zugenommen als der Verkehr selbst.
Die Emissionen von Schnellbooten, Autofähren und anderen Linienfahrzeugen, die Passagiere befördern, sind seit 2016 um 20 Prozent gesunken. 2016 lagen die Emissionen von Passagierschiffen bei über 1,1 Millionen Tonnen. 2025 waren sie auf 850.000 Tonnen zurückgegangen. Gleichzeitig stieg die Zahl der Schiffe von 537 auf 872.
Nach zwei Jahren rückläufiger Emissionen von Offshore-Fahrzeugen hat sich der Trend umgekehrt. Die Emissionen sind in den letzten zwei Jahren wieder gestiegen. Der Anstieg der Emissionen von 2024 auf 2025 hängt mit einer erhöhten Aktivitäten zusammen. Die Zahl der Offshore-Fahrzeuge in norwegischen Gewässern stieg von 2016 bis 2025.
Fischerboote umfassen sowohl Küstenfischerei als auch Hochseefischerei. Die Emissionen erreichten 2021 ihren Höchststand und sind seither leicht gesunken. Seit 2016 ist die Zahl der Fischerboote in norwegischen Gewässern von 3.160 auf 4.621 gestiegen.
Enova hat den Bau von 29 Ammoniakschiffen gefördert. 14 Schiffe wurden storniert, 8 sind zum Bau beschlossen, während 7 auf eine Investitionsentscheidung warten.Klimastiftung-TIL_NULL_Kvartalsrapport_2_2026.pdf
Zu den beschlossenen Schiffen zählen: 6 Frachtschiffe und 2 Bulkfrachter. Zu den Schiffen, die auf eine Investitionsentscheidung warten: 5 Bulkfrachter und 2 Tankschiffe. Zu den stornierten Schiffen: 6 Offshore-Fahrzeuge, 3 Frachtschiffe, 2 Bulkfrachter, 1 Auto-Frachtschiff, 1 Tankschiff und 1 Spezialschiff.
Die Wirtschaftsförderagentur Enova hat den Bau von 31 Wasserstoffschiffen gefördert. Ein Schiff ist gebaut, acht befinden sich im Bau oder der Bau ist beschlossen, 14 sind storniert und für acht liegt noch keine Investitionsentscheidung vor.
Das gebaute Schiff ist ein Arbeitsboot für die Aquakultur. Zu den Schiffen im Bau oder mit Bau-Beschluss zählen: 2 Frachtschiffe, 4 Bulkfrachter und 2 Passagierschiffe. Storniert wurden 8 Bulkfrachter. Bei 7 Lastschiffen, 2 Containerschiffen, 3 Bulkfrachtern, einem Fischerboot und einem Aquakultur-Schiff steht die Investitionsentscheidung noch aus.
Per Juni 2026 hat Enova 10 Produktions- oder Bunkeranlagen für Wasserstoff oder Ammoniak gefördert, während die EU sechs Anlagen finanziell unterstützte. Bei sechs der von Enova geförderten Projekte wurde bisher ine positive Investitionsentscheidung getroffen.
Es gibt bereits heute eine gewisse Produktion von grünem Wasserstoff, jedoch vorläufig in kleinen Mengen. Beispielsweise produziert Norwegian 1,3 Tonnen Hydrogen pro Tag aus der Anlage in Hellesylt, während Hyds 0,4 Tonnen pro Tag in Kaupanes produziert.
Lesen sie hier den ganzen Bericht.
