
Oslo, 27. August 2024. Touristenschiffe und Fähren unter 10.000 Bruttotonnen dürfen ab 1. Januar 2026 nur noch in die Fjorde des Weltkulturerbes in Norwegen fahren, wenn sie keine Emissionen verursachen. Für größere Schiffe gilt die Null-Emissions-Anforderung erst ab dem 1. Januar 2032. Das teile das norwegische Umweltministerium mit. Die Regelung verärgert insbesondere die Unternehmen, die in den vergangenen Jahren bereits kräftig in den Einsatz neuer Antriebsform von großen Schiffen investiert haben.
Schon 2018 hat das norwegische Parlament Storting eine schrittweise Einführung der Anforderung an Null-Emissionen für die Einfahrt in die Fjorde des Weltkulturerbes beschlossen. Kurz danach wurde die Entscheidung aufgeweicht. Die norwegische Schifffahrtsdirektion Sjøfartsdirektoratet schlug eine Übergangsregelung vor, da die entsprechende Technologie zum emissionsfreien Fahren für Kreuzfahrtschiffe nicht bis 2026 vorhanden sei. Die Industrie belehrte die Politik eines Besseren:
Bereits 2022 absolvierte das Schiff Havila Castor die erste emissionsfreie Fahrt im Geirangerfjord. Möglich wurde das durch die Nutzung des größten Batteriepacks, das je auf einem Schiff dieser Größenordnung installiert wurde – geliefert von Corvus Energy Norway AS.
Dementsprechend scharf fällt jetzt auch die Kritik an der Entscheidung aus, der Kreuzfahrtbranche weitere Jahre zur Umstellung zu gewähren. Bent Martini, CEO von Havila Voyages, erklärte in einer Pressemitteilung, die Entscheidung der Regierung bevorzuge kommerzielle Interessen gegenüber echten Umweltschutzmaßnahmen und bezeichnete sie als „einen Sieg für diejenigen, die sich nicht trauten, in eine grünere Zukunft zu investieren“. Nach der Entscheidung des Storting im Jahr 2018 beschlossen die Eigentümer von Havila Kystruten, mehr als eine halbe Milliarde Kronen zusätzlich in ihre neu gebauten Küstenkreuzfahrtschiffe zu investieren, um künftigen Anforderungen und Vorschriften gerecht zu werden und die Emissionen weiter zu reduzieren. Der Batteriehersteller Corvus Energy nahm entsprechend Geld in die Hand, um die Batteriepakete bereitzustellen, die es großen Kreuzfahrtschiffen von fast 16.000 Bruttotonnen ermöglichen, mehrere Stunden ohne fossilen Treibstoff zu fahren.
Martini betonte, dass die Nutzung von Biogas, die von der Regierung jetzt empfohlen wurde, keine wirklich emissionsfreie Lösung, sondern klimaneutral sei. Er äußerte sich besorgt darüber, dass diese Verzögerung die erheblichen Investitionen von Unternehmen wie Havila Voyages untergräbt, die bereits erhebliche Mittel bereitgestellt hatten, um die ursprüngliche Frist von 2026 einzuhalten.
„Wir haben uns entschieden, den ursprünglichen Entscheidungen und Vorschriften der Behörden zu folgen und waren bereit, in umweltfreundliche Lösungen zu investieren. Die großen Verlierer sind in erster Linie die gefährdeten Gebiete des Welterbes und der Umwelt, zusätzlich zu den Unternehmen, die die Dringlichkeit erkannt und Entscheidungen für eine grünere Zukunft getroffen haben“, so Martini weiter. Darüber hinaus warnte Martini, dass die Entscheidung die Entwicklung künftiger grüner Technologien, etwa Wasserstoffprojekte, behindern könnte, da die unmittelbare Nachfrage nach solchen Innovationen wegfalle.
Klima- und Umweltminister Andreas Bjelland Eriksen begründete die Entscheidung, die Übergangszeit für Kreuzfahrtschiffe zu verlängern, damit, dass für die größten Schiffe noch keine ausreichende Technologie vorhanden sei.
Die westnorwegische Fjordlandschaft ist eines von acht norwegischen Gebieten auf der UNESCO-Welterbeliste, zu deren Bewirtschaftung Norwegen sich verpflichtet hat. Zu den Welterbe-Fjorden gehören die fünf Fjorde Nærøyfjorden, Aurlandsfjorden, Geirangerfjorden, Sunnylvsfjorden und Tafjorden. Die Kreuzfahrtindustrie trage zur Wertschöpfung entlang der Küste bei, verursache aber gleichzeitig große Treibhausgasemissionen und Umweltverschmutzung, die sich auf die Welterbe-Fjorde auswirken, teilt die Regierung mit. Die Einführung von Nullemissionsanforderungen werde sowohl die Technologie vorantreiben als auch zur Entwicklung emissionsfreier Lösungen beitragen, was der gesamten Branche zugute kommen werde. Außerdem soll sich der Staat am Bau einer Landstromversorgung in Flåm beteiligen.
Weitere Informationen finden Sie auf den Websites von Riksantikvaren und dem UNESCO-Welterbezentrum. Westnorwegische Fjordlandschaft – UNESCO-Welterbezentrum Riksantikvaren – Welterbeliste
