Fünf Jahre Verspätung für Eisenbahn-Neubaustrecke nach Hamar in Norwegen

Über die in Bau befindliche Tangenvika-Eisenbahnbrücke werden noch mehrere Jahre keine Züge fahren. Die Modernisierung der Strecke nach Hamar wurde auf diesem Abschnitt gestoppt. Unter der Brücke die heutige gewundene einspurige Straße.©Implenia

Oslo, 20. Januar 2026. Eisenbahnprojekte haben es schwer in Norwegen. Während beim Erdrutsch bei Levanger in Trøndelag nach wenigen Wochen eine vierspurige Umgehungsstraße eröffnet wurde, bleibt die parallel verlaufende Nordlandsbanen bis Sommer 2027 unterbrochen. Noch in naher Erinnerung sind die schwerwiegenden Qualitätsmängel des Follo-Tunnels von Oslo nach Ski. Am 15. Januar hat Bane Nor eine neue Hiobsbotschaft verkündet: Der Ausbau der Dovrebanen auf Doppelspur von Kleverud nördlich von Minnesund über 30 Kilometer nach Hamar wird um nicht weniger als fünf Jahre auf 2032 verspätet – obwohl die Bauarbeiten schon längst im Gange sind.

Darunter die Tangenvika-Brücke südlich von Hamar – mit 1042 Meter künftig die längste Eisenbahnbrücke Norwegens. Wie das Schweizer Unternehmen Implenia im Dezember mitteilte, wurden die letzten von 130 Pfählen im Dezember gegossen. Der Streckenausbau auf Doppelspur ermöglicht größere Kapazitäten und höhere Geschwindigkeiten von bis zu 250 km/h. Die bestehende kurvenreiche Linienführung entlang der Mjøsa erlaubt nur eine geringe Zugdichte und bescheidene Geschwindigkeiten. Auf dem Abschnitt der Dovrebanen von Oslo nach Hamar verkehren die Schnellzüge und Güterzüge von Oslo nach Trondheim. Von Oslo bis Lillehammer ist der Fahrplan durch zusätzliche Reisezüge verdichtet.

Der Infrastrukturbetreiber begründet die große Verspätung schwammig mit der ungünstigen Entwicklung mehrerer Risikofaktoren. Als einzige konkrete Ursache wird die geplante Linienführung durch die Åkersvika genannt. Es handelt sich dabei um ein Süßwasserdelta und Naturschutzgebiet nahe Hamar, wo die unregulierten Flüsse Svartelva und Flakstadelva in den Mjøsasee münden. Das Naturschutzgebiet untersteht der internationalen Ramsar-Konvention. Bane Nor erklärt mehr Zeit zu benötigen, um die Risiken in dem Gebiet, das das Unternehmen zu Recht als sehr anspruchsvoll bezeichnet, zu minimieren. Dabei geht es jedoch um Gegebenheiten, die längst bekannt sind. Das Projekt muss darüber hinaus im Storting erneut geprüft werden. Zudem ist eine neue Lösung für die Querung der Åkersvika zu entwickeln. Tatsächlich ist der weitere Zeitplan damit völlig offen. Betroffen sein könnte auch der geplante Neubau des Bahnhofs Hamar. 

Die unerwartete Verschiebung hat bei Politik und Öffentlichkeit heftige Reaktionen ausgelöst. Von einem historischen Skandal ist sogar die Rede. Der an schlechte Mitteilungen gewohnte Verkehrsminister verspricht, das Projekt engmaschig zu begleiten. 

Jürg Streuli, Fachjournalist
juerg.streuli@hispeed.ch

About businessportalnorwegen

View all posts by businessportalnorwegen →

× Featured

Eine Fahrt mit dem Arctic Train auf der nördlichsten Bahn Norwegens