Norwegens Regierung berät mit Unternehmensvertretern über Stromkrise

Der Füllungsgrad der norwegischen Stauseen liegt weit unter dem Durchschnitt der vergangenen Jahre. Das bereitet Sorgen.©NVE

Oslo, 8. August 2022. Norwegen steckt in einer Energiekrise. Trotz hoher Produktion der Öl- und Gasindustrie und großer Potenziale bei Wasserkraft und Windenergie bereitet sich das Land auf eine Zeit vor, in der eine Stromrationierungsphase im Frühjahr nicht vollständig ausgeschlossen werden kann, der Strom auf alle Fälle aber sehr teuer wird. Am 8. Februar informierte die Regierung die Parlamentsvorsitzenden im Storting über die Stromsituation. Premierminister Jonas Gahr Støre, Öl- und Energieminister Terje Aasland, Finanzminister Trygve Slagsvold Vedum und Industrieminister Jan Christian Vestre trafen sich zudem mit dem Unternehmerverband NHO und dem Gewerkschaftsdachverband LO, um über die Notwendigkeit von Stromunterstützung für Unternehmen zu beraten.

In seinem Bericht zur aktuellen Energiesituation in Norwegen erklärte Energieminister Aasland vor den Parlamentsvertretern im Storting: „Der Stromexport erhält viel Aufmerksamkeit. Das ist verständlich. Gleichzeitig können wir nicht ignorieren, dass unsere wetterabhängige Stromversorgung genau das ist: wetterabhängig. Wir sehen große Schwankungen von Jahr zu Jahr und zu verschiedenen Jahreszeiten. Das wird auch in den kommenden Jahren so bleiben, obwohl wir in Norwegen normalerweise einen Stromüberschuss haben.“ Die Energiekooperation und unsere Übertragungsverbindungen waren und seien daher Teil der grundlegenden Sicherheit für die norwegische Stromversorgung, insbesondere in Zeiten geringer Zuflüsse. Norwegen sei darauf angewiesen, dass die Verbindungen nach Schweden, Dänemark, Deutschland, Großbritannien, Finnland und in die Niederlande gut funktionieren.

Es wäre kurzfristig und unklug, diese Energiekooperation zu beenden, auch wenn die Situation jetzt anspruchsvoll ist.“ Ein Verstoß gegen die Zusammenarbeit in diesem Rahmen sei auch ein Verstoß gegen die nordische Energiekooperation. Gleichzeitig sei es Aufgabe der Regierung, in unsicheren Zeiten die eigene Stromversorgung sicherzustellen. Wir brauchen Sicherheit, damit wir unseren eigenen Bedarf angesichts außergewöhnlicher und unvorhergesehener Ereignisse decken können. Es bedarf einer stärkeren Regulierung. Gegenüber N24.no sagte Aasland: „Bei Niedrigwasser, wenn wir unter den saisonalen Durchschnitt und auf ein niedriges Niveau absinken, kommt es zu Exportbeschränkungen. Ich denke, es ist ein sehr gutes Sicherheitsarrangement, gerade um die Versorgungssicherheit in Zukunft gut zu gewährleisten.“

Das Storting hat ein Förderprogramm für Stromkosten (regjeringen.no) eingeführt , das sich an Haushalte, den gemeinsamen gemessenen Verbrauch in Wohnungsbaugesellschaften und landwirtschaftlichen Betrieben richtet. Wenn der Marktpreis für Strom einen Monat lang durchschnittlich 70 Öre pro Kilowattstunde (ohne MwSt.) übersteigt, unterstützt der Staat die Stromkunden direkt. Die Förderung betrug im Dezember 2021 55 Prozent und ab Januar 2022 80 Prozent. Ab 1. September soll die Stromförderung auf 90 Prozent steigen, einen Monat früher als ursprünglich geplant. Die Förderung wird für einen monatlichen Stromverbrauch von bis zu 5.000 Kilowattstunden gewährt.

Aasland nennt in seinem Bericht ein Beispiel: Eine Familie in Sørlandet (NO2) mit einem Verbrauch von 20.000 kWh/Jahr hat bisher rund 19.800 NOK an Strom bezahlt. Ohne die Stromsubvention hätten sie 31.200 NOK zahlen müssen, das ist eine Differenz von 11.400 NOK.

Zu dem Treffen der Unternehmensvertreter äußerte sich Ole Erik Almlid, CEO der Unternehmerorganisation NHO: „Das war ein wichtiges Input-Meeting, was bedeutet, dass wir endlich mit der Arbeit an einem Förderprogramm beginnen. Wir haben das Gefühl, dass die Regierung zuhört, wenn wir über die schwierige Situation sprechen, in der sich viele Unternehmen in Südnorwegen derzeit befinden. Es geht um die Arbeitsplätze der Menschen und die Fähigkeit der Unternehmen, Produktion und Investitionen aufrechtzuerhalten.“

Niedrige Füllrate, ein Europa, das die Kernkraft- und Kohlekraft abgeschaltet hat, und ein Europa, das russisches Gas abschalten wird, besorge die Unternehmensvertreter. Die Summe aus all dem sorge auch für die Zukunft für eine düstere Strompreissituation, teilt NHO mit. Daher sei es wichtig, sowohl kurzfristige Maßnahmen durch Leistungsunterstützung als auch langfristige Maßnahmen durch gesteigerte Leistungsentfaltung zu ergreifen.

„Es muss ein Strompaket geschnürt werden, um unsere Unternehmen jetzt über den Berg zu bringen. Aber langfristig lösen wir das Problem nur, indem wir für eine höhere Stromproduktion sorgen. Dies ist eine Situation, die nicht vorübergehen wird, ohne dass wir langfristig mehr Strom in Norwegen durch mehr Ausbau der Wasserkraft, mehr Windparks an Land und deutlich mehr Offshore-Wind sichern. In Norwegen müssen wir deutlich mehr Entwicklung hinnehmen. Gleichzeitig erhöhen wir auf diese Weise das Angebot, müssen es aber auch schaffen, die Nachfrage durch deutlich mehr Energieeffizienz zu senken“, so Almlid weiter.

Lesen Sie hier den Bericht des Energieministers vor den Parlamentsvertretern im Storting über die Stromsituation in Norwegen.

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