Versorgung des Stahlwerkes Duisburg mit blauem Wasserstoff technisch machbar

Das Stahlwerk Duisburg soll künftig mit blauem Wasserstoff versorgt werden. An den Vorbereitungen zum Aufbau einer entsprechenden Wertschöpfungskette ist auch der norwegische Energiekonzern Equinor beteiligt.©ThyssenKrupp

Duisburg/Essen/Oslo, 12. Januar 2021. Das Duisburger Stahlwerk der Thyssenkrupp Steel Europe AG soll in einigen Jahren mit blauem Wasserstoff versorgt werden und seine Emissionen damit beträchtlich reduzieren. Der norwegische Energiekonzern Equinor, der Gasfernleitungsnetzbetreiber OGE und der Stahlhersteller thyssenkrupp Steel Europe, die sich in der Initiative H2morrow steel zusammengeschlossen haben, um eine entsprechende Wertschöpfungskette aufzubauen, kamen nach Abschluss einer Machbarkeitsstudie jetzt zu dem Ergebnis, dass eine solche Lösung in Deutschlands größtem Stahlwerk technisch möglich ist. Allerdings sei mit dem Produktionsstart von klimaneutralem Stahl erst ab dem Jahr 2027 zu rechnen. Außerdem müssten für eine endgültige Investitionsentscheidung deutsche und EU-Behörden noch die entsprechenden Rahmenbedingungen schaffen, teilen die drei Unternehmen mit.

Ziel der Initiative ist es, durch den Einsatz von Wasserstoff, der mithilfe von dekarbonisiertem Erdgas hergestellt wird, kurz- und mittelfristig eine deutliche CO2-Reduktion und so eine nahezu klimaneutrale Stahlproduktion zu ermöglichen. Blauer Wasserstoff kommt dabei so lange zum Einsatz, bis andere Arten von Wasserstoff, vor allem grüner, in ausreichender Menge zur Verfügung stehen werden. Nun wollen die Partner weitere Details erarbeiten, um die Grundlage für mögliche Investitionsentscheidungen zu schaffen.

Grundannahme der Untersuchung war die Herstellung von Wasserstoff aus Erdgas und eine dauerhafte Offshore-Lagerung des im Verfahren anfallenden CO2. Unter diesen Voraussetzungen werden in der Studie verschiedene Optionen für den Bezug und den Transport von Wasserstoff zum Duisburger Produktionsstandort von thyssenkrupp untersucht sowie Optionen für den Transport und die Lagerung von CO2.

Drei mögliche Standorte für die Wasserstoffproduktion

Bei der Beurteilung möglicher Standorte für die Wasserstoffproduktion hat die Studie drei Standorte als prinzipiell geeignet für eine Wasserstoffproduktion bestätigt: Einen möglichen Produktionsstandort an der holländischen Küste in Eemshaven und zwei weitere mögliche Standorte an der deutschen Nordseeküste. Hinsichtlich der Produktionskapazität wurden zwei Szenarien untersucht: 1,4 GW und 2,7 GW. Für die ausgewählten Standorte bedarf es einer weiteren technischen Detaillierung sowie einer zusätzlichen Bewertung des verfügbaren Platzes für das 2,7-GW-Szenario. Für den Transport von Wasserstoff haben sich alle Optionen, die nicht auf Pipelines basieren, als unwirtschaftlich erwiesen. Die Kosten für den Pipelinetransport sind im Vergleich zu den Kosten für die Wasserstoffproduktion gering. Im Hinblick auf den Transport und die Lagerung von CO2, das bei der Herstellung von blauem Wasserstoff anfällt, wurden als mögliche CO2-Lagerstätten das Projekt „Northern Lights” in Norwegen sowie weitere Lageroptionen untersucht, u.a. das Porthos-Projekt vor der Küste von Rotterdam, wobei Northern Lights das am weitesten fortgeschrittene ist. Je nach Produktionskapazität kommen entweder der CO2-Transport per Schiff oder Pipeline in Frage kommen.

Auf Basis von Marktprognosen externer Marktanalysten schätzt die Studie den Preis für blauen Wasserstoff auf ca. 2,1 Euro/kg (entspricht 58 Euro/MWh) bei einem voraussichtlichen zukünftigen und langfristigen durchschnittlichen Erdgaspreis von 23 Euro/MWh.

Projekt erfordert Klärung regulatorischer Rahmenbedingungen

Als Basis für Investitionsentscheidungen müssten laut Studie auch die regulatorischen Rahmenbedingungen in Deutschland und der EU geklärt werden. Dies umfasse die Klärung bezüglich einer Umwidmung von Erdgaspipelines zu dedizierten Wasserstoffpipelines sowie des Wasserstofftransports unabhängig von der Produktionstechnik. Außerdem sei eine Abstimmung zwischen den Niederlanden und Deutschland über Netzausbau und Transportvereinbarungen erforderlich.

Zuletzt bedarf es eines EU-weit einheitlichen und systematischen Ansatzes beim Thema Wasserstoff, der alle Produktionstechnologien unter Berücksichtigung ihrer CO2-Bilanz umfasst, sowie einer Änderung der EU-Gesetzgebung für den CO2-Transport per Schiff, heißt es in der Pressemitteilung.

Nächste Schritte: Schaffung der Grundlage für zukünftige Investitionsentscheidungen innerhalb geeigneter politischer Rahmenbedingungen

Jetzt werden die Projektpartner Details zu möglichen Produktionsstandorten erarbeiten. Die Partner wollen außerdem ihre Gespräche mit potenziellen CO2-Lagerstätten weiterführen, darunter Northern Lights und Porthos. In den kommenden Monaten soll die Grundlage für mögliche Investitionsentscheidungen geschaffen werden.

Außerdem sei die Finanzierung für CAPEX- und OPEX-intensive klimarelevante Projekte und die Klimatransformation eine Voraussetzung zur Schaffung eines Marktes für klimaneutrale Produkte. Mögliche OPEX-Finanzierungsmechanismen könnten Carbon Contracts for Difference (CCfD, Differenzverträge) oder Anreize für Kunden für den Bezug klimaneutraler Produkte sein, teilen die beteiligten Unternehmen mit.

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