Norwegen verschärft Maßnahmen gegen Fischereikriminalität

Alle Fischerboote in Norwegen müssen künftig über ein digitales Nachverfolgungssystem verfügen. Das ist eine von mehreren Maßnahmen, mit denen die Regierung verschärft gegen die illegale Fischerei vorgehen will.©Anne Bro/Visit Norway

Oslo, 13. Januar 2020. Norwegens Minister für Fischerei und Meeresfrüchte Odd Emil Ingebrigtsen will die Kontrolle über den Fisch zurückgewinnen. Die Regierung hat jetzt strenge Maßnahmen beschlossen, die die Fischereikriminalität bekämpfen sollen. So müssen alle Fischereifahrzeuge, unabhängig von ihrer Größe, ein digitales Nachverfolgungssystem (Vessel Monitoring System VMS) an Bord haben. Außerdem sollen alle Fänge künftig mit automatisierten Wiegesystemen dokumentiert werden. 

“Wir müssen völlig neu denken, wenn es um die Kontrolle der Fischerei geht. Es muss eine effizientere und intelligentere Ressourcenkontrolle mit neuen Technologien und neuen digitalen Lösungen geben, um den Kampf gegen diejenigen aufzunehmen, die unsaubere Spiele betreiben”, sagt Ingebrigtsen. Der illegale Handel mit Fisch sei ein Verbrechen, das bekämpft und bestraft werden muss. 

Die Maßnahmen konzentrieren sich auf vier Hauptbereiche: Digitalisierung und Dokumentation, eine wirksamere Fischereikontrolle, Stärkung der Arbeit der Polizei im Bereich der Fischereikriminalität und Überprüfung der bisherigen Strafmaßnahmen.

Bisher sei es in Norwegen einfach, illegal zu fischen. In den letzten Jahren habe die norwegische Fischereidirektion etwa ein halbes Prozent der insgesamt 240.000 jährlichen Fischanlandungen kontrolliert, teilt das Ministerium mit. 

Kontrolle an den Kais und an anderen Landeplätzen sei wichtig, aber nicht genug. “Wir können die Kontrolle nicht darauf stützen, dass öffentliche Angestellte die Händler jedes Mal, wenn sie Fische entladen, überwachen. Stattdessen müssen wir die Technologie dokumentieren lassen, dass alles reibungslos verläuft”, so Ingebrigtsen. Daher werden  alle Fischereifahrzeuge unabhängig von ihrer Größe mit einem digitalen Verfolgungssystem ausgerüstet. Heutzutage muss nur die Flotte über 15 Meter über eine Ausrüstung zur VMS-Verfolgung und zur elektronische Aktivitäts- und Fangberichterstattung (ERS) verfügen. Boote mit weniger als 15 Meter ohne Nachverfolgungssystem fangen etwa 20 Prozent des gesamten Fangwerts. Darüber hinaus müssen alle Fischerboote ihre Aktivitäten elektronisch bei den Behörden melden.

Diese Maßnahme soll der erste Schritt zu einem zuverlässigen Dokumentationssystem sein. Danach sollen automatisierte Wägesysteme bei der Entladung genutzt werden. Darüber hinaus hat die Polizei ein System entwickelt, mit dem Straftaten im Zusammenhang mit illegaler Fischerei, zum Beispiel Winterfischen, schnell zur Anzeige gebracht werden können.                       

Langfristiges Ziel ist es, mehr zu automatisieren, sowohl die Registrierung von Fängen auf See als auch die Registrierung von Arten und Größen bei der Landung. Die Lösungen hierfür sollen in Zusammenarbeit zwischen Industrie und Verwaltung entwickelt werden. Seafood Norway und der norwegische Fischerverband wollen eine öffentlich-private Partnerschaft (PPP) zur digitalen Entwicklung in der Fischereiindustrie starten.

Übersicht der Maßnahmen:

Digitalisierung und Dokumentation

  • Aufbau einer neuen öffentlichen und privaten Partnerschaft, die die Arbeit mit digitalen Lösungen koordiniert. Die Zusammenarbeit wird zu einer einfacheren Erfassung und besseren Nutzung von Daten beitragen (PPP-Fischerei).
  • Einführung der Berichterstattung über Aktivitäts- und Positionsdaten aller Schiffe (beschlossen). 
  • Einführung automatisierter Wiegesysteme an Fischempfängen (2021).
  • Automatisierte Registrierung vom Meer aus (Automatisierung der Fangberechnung der Fischereifahrzeuge, Piloten und Entwicklungsprojekte über OPS Fiskeri).
  • Meldung von Krankenakten aus der Fischaufnahme (Lösungen werden in der PPP-Fischerei berücksichtigt)
  • Elektronische Frachtbriefe, Rückverfolgbarkeit, die im Rahmen der PPP-Fischerei untersucht und entwickelt werden.

Wirksamere Fischereikontrolle

  • Verbesserung der Informationsmanagement- und Analysearbeit in der Direktion für Fischerei;
  • Verbesserung der Organisation der Ressourcensteuerung;
  • Weiterentwicklung der Zusammenarbeit zwischen Agenturen;
  • Stärkung der Kompetenz durch Ernennungen und Kompetenzentwicklung;
  • Bewertung der Rolle der Verkaufsteams;
  • Vorbeugende Vorschriften; Räucheranforderungen, ein Verbot des mobilen Kaufs von Königskrabben.

Verstärktes Engagement für schwere Fischereikriminalität

  • Stärkung der Analyseumgebung durch Økokrim, der Behörde zur Bekämpfung von Wirtschafts-und Umweltkriminalität:
  • Stärkung der Zusammenarbeit zwischen Polizei und Ressourcenkontrolle;
  • Stärkung der internationalen Zusammenarbeit gegen Fischereikriminalität durch die Initiative Blue Justice;
  • Aufbau eines internationalen Kompetenzzentrums für die Schiffsverfolgung und Stärkung der Analyseeinheit in Vardø;
  • Dialog mit dem Justizsektor über die Organisation der Initiative für Fischereikriminalität.

Ein umfassender und flexibler Reaktionsapparat

  • Expertenausschuss, der die aktuellen Reaktions- und Strafmaßnahmen in der Gesetzgebung bewertet.

Finden Sie hier eine Präsentation der neuen Maßnahmen (in norwegischer Sprache).

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