Historische Investitionsentscheidung für Transport und Speicherung von CO2 in Norwegen

©Illustration Equinor

Oslo, 15. Mai 2020. Die Energieunternehmen Equinor, Shell und Total, Partner des Northern-Lights-Projektes, haben beschlossen, in die erste Nutzungslizenz für die CO₂-Speicherung auf dem norwegischen Festlandsockel zu investieren. Pläne für Entwicklung und Betrieb wurden dem Ministerium für Erdöl und Energie übergeben. Die Anfangsinvestitionen belaufen sich auf fast 6,9 Milliarden NOK. Wenn das Projekt 2020 von der norwegischen Regierung eine positive endgültige Investitionsentscheidung erhält, soll Phase 1 voraussichtlich 2024 in Betrieb gehen. Ein wichtiges Ziel des Projektes besteht darin, den Standort als Speicherort für CO2 aus anderen europäischen Ländern anbieten zu können.

Die Investitionsentscheidung schließt die Studienphase ab, in der Equinor, Shell und Total in Zusammenarbeit mit den norwegischen Behörden Ingenieurstudien und Projektplanung erarbeiteten, eine Probebohrung durchführten und die erforderlichen Vereinbarungen vorbereiteten. Nach der Investitionsentscheidung wollen die Partner ein gemeinsames Unternehmen gründen.

“Dieses einzigartige Projekt eröffnet Möglichkeiten zur Dekarbonisierung von Industrien, die CO2 auf anderem Wege nicht reduzieren können. Es kann die erste CO2-Speicherung für die norwegische und europäische Industrie sein und Ziele unterstützen, die Netto-Treibhausgasemissionen bis 2050 auf Null zu senken”, sagt Andders Opedal, Executive Vice President für Technologie, Projekte und Bohrungen bei Equinor. Das Projekt werde dringend benötigte Arbeitsplätze für die norwegische Industrie schaffen, teilt Equinor mit. Etwa 57 Prozent der Investitionen sollen norwegischen Auftragnehmer zugute kommen.

Northern Lights könnte der erste Schritt zur Entwicklung einer Wertschöpfungskette für die Kohlenstoffabscheidung und -speicherung (CCS) sein, die für die Erreichung der globalen Klimaziele des Pariser Abkommens von entscheidender Bedeutung ist. Die Entwicklung von CCS-Projekten werde auch neue Aktivitäten und industrielle Möglichkeiten für die norwegische und europäische Industrie, so Opedal weiter.

Das CO2-Empfangsterminal befindet sich auf dem Gelände des Industriegebiets Naturgassparken in der Gemeinde Øygarden in Westnorwegen. Die Anlage wird von Equinors Einrichtungen am Sture-Terminal in Øygarden und den Unterwasseranlagen von der Plattform Oseberg A in der Nordsee aus ferngesteuert.

Die Anlage kann je nach Bedarf erweitert werden. Die Betreiber gehen davon aus, dass Investitionen in nachfolgende Phasen durch die Marktnachfrage großer CO2-Emittenten in ganz Europa ausgelöst werden.

Equinor hat im Namen der Partner bereits mit mehreren europäischen Unternehmen unverbindliche Absichtserklärungen zur Entwicklung von Wertschöpfungsketten bei der Abscheidung und Speicherung von Kohlenstoff unterzeichnet. Verbindliche Handelsabkommen würden von einer positiven Investitionsentscheidung der norwegischen Behörden und von einzelnen Projekten Dritter abhängen. Diese neue Wertschöpfungskette und Infrastruktur für Projekte zur Kohlenstoffabscheidung und -speicherung könne nur in Zusammenarbeit zwischen Regierungen und Unternehmen entwickelt werden.

In der ersten Phase wird das CO2 aus dem Abfallaufbereitungsswerk von Fortum in Klementsrud in Oslo und dem Zementwerk von Norcem in Breivik, eine Tochter der Heidelberg Zement AG, in der Gemeinde Porsgrunn gewonnen und anschließend per Schiff zu einem Zwischenlager in Kollsnes in der Gemeinde Øygarden transportiert. Von dort wird das flüssige CO2 in einer 100 -Kilometer-langen-Pipeline auf dem Meeresboden transportiert und zur dauerhaften Speicherung in ein Reservoir in einer Tiefe von rund 2.700 Metern in der Nordsee gepumpt. Das Lager befindet sich in der Johansen-Formation südwestlich des Trollfeldes. In der ersten Phase sollen 1,5 Millionen Tonnen CO2 in die Johansen-Formation injizieren werden.

Wie das norwegische Petroleumdirektorat mitteilt, bedeute die Investitionsentscheidung der Projektpartner einen großen Fortschritt für das Bestreben der norwegischen Regierung, eine kostengünstiges CCS-Kette in vollem Umfang zu schaffen. Eine Entschließung zur teilweisen staatlichen Finanzierung eines norwegischen CCS-Großprojekts habe das Ziel, eine sichere Lagerung zu demonstrieren und zur Senkung der Kosten künftiger Projekte beizutragen. Staatliche Unterstützung sei jedoch Voraussetzung für das Vorhaben. Im Januar 2019 erhielt Northern Lights die erste Nutzungslizenz für die Injektion und Speicherung von CO2.

Schätzungen zufolge reicht das Reservoirvolumen im Regal theoretisch aus, um mehr als 80 Milliarden Tonnen Kohlendioxid aufzunehmen, ein Volumen, das 1.000 Jahren der derzeitigen norwegischen CO2-Emissionen entspricht, so die Eröldirektion.

Die Investitionsentscheidung der Unternehmen unterliegt der endgültigen Investitionsentscheidung der norwegischen Behörden und der Genehmigung durch die EFTA Surveillance Authority (ESA).

Kontakt:
Eldbjørg Vaage Melberg
Tel: +47 51 87 61 00

Finden sie hier weitere Informationen zum CCS-Projekt Northern Lights.

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