
Oslo, 3. März 2026. Der norwegische Infrastrukturbetreiber Bane Nor stoppt und verschiebt mehrere Ausbauprojekte, wie das Unternehmen in seiner Pressemitteilung vom 3. März 2026 mitteilte – nachdem die Regierung das Investitionsvolumen im Staatshaushalt von 13 Milliarden 2025 auf zehn Milliarden Kronen im Jahr 2026 gekürzt hat. Das steht im Widerspruch zum Nationalen Verkehrsplan 2025 – 2036. Allerdings wurde bisher nicht präzisiert, welche Projekte betroffen sind.
„Das sind schwierige Entscheidungen für uns“, so Bettina Sandvin von Bane Nor Utbygging. „Ohne Finanzierung können wir Projekte weder beginnen noch fortsetzen. Als Verantwortliche für die staatliche Eisenbahn-Infrastruktur müssen wir im tatsächlich zur Verfügung stehenden Rahmen des Budgets bleiben“.
Die Pressemitteilung hat großen Wirbel ausgelöst. Nicht zuletzt, weil die betroffenen Projekte noch nicht benannt werden. Nach der Veröffentlichung hat Bane Nor die Pressemitteilung zurückgezogen und durch eine etwas abgeschwächte Mitteilung ersetzt. Darin wird die Reduzierung des Investitionsrahmens bestätigt. Laufende Bauarbeiten würden aber noch fortgesetzt. Einmal mehr zeigt sich, dass die Regierung der Eisenbahn, allen wohl klingenden Schalmeien zum Trotz, keine Priorität einräumt.
Die Eisenbahn als umweltfreundliches Verkehrsmittel wird seit der missglückten „Jernbane-Revolusion“ im Jahr 2016, nämlich der Zerschlagung der ehemaligen NSB in mittlerweile 15 Gesellschaften, sträflich vernachlässigt. Und das in einem reichen Land mit schwieriger Topographie, wo sich Streckenunterbrechungen als Folge von Naturereignissen häufen. Davon immer wieder und über Monate betroffen sind die Dovrebanen und die Nordlandsbanen. Letztere bleibt wegen eines Erdrutsches bei Levanger am 30. August 2025 noch bis im Juni unterbrochen. In bedenklichem Zustand ist auch die Sørlandsbanen zwischen Kristiansand und Egersund. Dort, im von Hangrutschungen bedrohten Abschnitt, befinden sich dauerhafte Langsamfahrstellen für 20 km/h. Die gefährdete Strecke müsste schon längst umfassend saniert werden. Bei der Infrastruktur zu sparen ist der größte Fehler.
In Norwegen sind unpünktliche Züge und Zugsausfälle zum Alltag geworden. „Buss for tog“ ist ein stehender Begriff. Es mehren sich genervte Stimmen, man solle in Norwegen mit der Eisenbahn gänzlich aufhören. In vielen Ländern Europas werden die Investitionen in die Eisenbahn gegenwärtig erhöht.
Jürg Streuli, Fachjournalist
juerg.streuli@hispeed.ch
