Private Eisenbahngesellschaft Onrail ohne Zugang zu staatlichen Werkstätten in Oslo

Henning Aandal, Geschäftsführer von Onrail AS, neben seinen wartungsbedürftigen Tragwagen für Container und LKW-Auflieger, die seit über einem Jahr in Oslo Alnabru nutzlos rumstehen, weil der Mitbewerber Cargonet AS sämtliche Kapazitäten seiner Reparatur- und Wartungswerkstatt Mantena aufgekauft hat.©Onrail

Oslo, 2. Januar 2024. Die staatliche norwegische Güterbahn Cargonet AS, Besitzer der Mantena AS, die Werkstätten zur Wartung und Reparatur von Lokomotiven und Wagen an mehreren norwegischen Orten betreibt, kämpft mit unfairen Methoden gegen einen missliebigen Konkurrenten: das Privatunternehmen Onrail AS. Onrail bekommt seit eineinhalb Jahren keinen Zugang mehr für seine Tragwagen für Container und LKW-Auflieger in den Montana-Werkstätten, weil Cargonet vor einem Jahr die gesamten Wartungskapazitäten der Werkstätte von Mantena in Oslo aufgekauft hat. Sobald die Wartungsfristen für die Waggons von Onrail abgelaufen sind, müssen diese nun aus dem Verkehr gezogen werden. Im Rangierbahnhof Oslo Alnabru sind inzwischen zig Wagen auf einer Länge von einem Kilometer abgestellt. Als Ersatz muss Onrail immer mehr Wagen anmieten. Das kostet Onrail sehr viel Geld. Zuweilen müssen Güterzüge infolge Wagenmangel verkürzt geführt werden oder fallen sogar zur Verärgerung der Kunden gänzlich aus.

Die norwegische Eisenbahnverordnung besagt, dass jeder Bahngesellschaft der Zugang zu den Wartungskapazitäten von Mantena zu gewährleisten ist. Dennoch wird Onrail von Mantena bisher abgewiesen. Onrail hat nun Klage bei der Eisenbahnbehörde eingelegt. Darauf hat die Statens jernbanetilsyn das Recht auf den diskriminierungsfreien Zugang zur Werkstätte von Mantena bestätigt. Die Beteiligten zeigen angesichts der Vorwürfe gegenseitig mit den Fingern aufeinander. Die Statens jernbanetilsyn hat angekündigt, für Onrail den Zugang zur Werkstätte von Mantena endlich durchsetzen zu wollen. Hoffentlich nicht zu spät.

Onrail startete im Jahr 2021 mit dem Güterzugverkehr zwischen Oslo und Åndalsnes am Endpunkt der Raumabanen. Mehrere Gesellschaften hatten diesen Verkehr vorher aufgegeben, so die privaten Güterbahnen Ofotbanen AS, Cargolink und Green Cargo Norge.

Um Kosten zu sparen, beschränkt sich Onrail auf ein Minimum von administrativem Personal. Im Jahr 2023 gewann Onrail immer mehr Transportaufträge hinzu und fährt heute auch Güterzüge von Oslo nach Stavanger, Bergen und Trondheim. Ein großer Triumpf für Onrail war die Übernahme des North Rail Express zwischen Narvik und Oslo. Um diese Strecke hatte sich auch die staatliche Cargonet beworben. Überraschend hat der Infrastrukturbetreiber Bane Nor den gesamten Transportauftrag von Green Cargo Norge an Onrail vergeben.

Die Mantena AS ist eine der über zehn Gesellschaften, welche aus der zerschlagenen NSB hervorgegangen sind. Sie gehört heute zum Infrastrukturbetreiber Bane Nor. Die staatlichen Werkstätten in Norwegen besitzen quasi ein Monopol für die Reparatur und die Wartung von Güterwagen. Zahlreiche Unternehmen sind auf die Mantana -Werkstätten angewiesen. Lediglich die Güterbahn Grenland Rail betreibt eine eigene Werkstätte.

Jürg Streuli, Fachjournalist
juerg.streuli@hispeed.ch 

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