
17. Mai 2024. Das Gebiet Rjukan-Notodden ist wohl die bekannteste Industriemuseums-Region Norwegens. Nicht einzelne Museen, sondern ein ganzes Industrieensemble wurde 2015 in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen. Es erstreckt sich über eine Länge von 93 Kilometer vom Mosvatn in Vinje bis zum Heddalsvannet bei Notodden. Hier befinden sich Kraftwerke, zwei Städte und zwei Industrieparks, die alle in den ersten beiden Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts angelegt wurden. Unter dem Dach des Industrie- und Arbeitermuseum Norsk Industri- Arbeidermuseum in Rjukan in der Telemark kann man sieben einzigartige Zeugen des Industriezeitalters besichtigen: Das Industriemuseum Vemork, das Telemark Kunstmuseum, die Rjukanbanen, die Freilichtmuseen Heddal Bygdetun, Tinn Museum, Tuddal Bygdetun und Norwegens erste Touristenhütte Krokan, wobei Vemork das wohl bekannteste Industriedenkmal Norwegen ist.

Der Wasserfall Rjukanfossen bildete die Grundlage für das Kraftwerk Vemork, das 1911 das größte Kraftwerk der Welt war. In Vemork, heute ein Industriemuseum mit einer imposanten Maschinensammlung aus vergangenen Zeiten, spielte sich während des zweiten Weltkrieges eine der spektakulärsten Militäroperationen der Welt ab, die Nazideutschland daran hinderte, die Atombombe zu bauen. Seit 2022 gibt es in Vemork hierzu eine eigene interaktives Ausstellung „Der Wettlauf um die Atombombe“ im Tungtvannkjelleren.
Auch Dämme, Tunnel, Kraftwerke, Eisenbahnen und Fähren sind als Überreste des industriellen Abenteuers in der Telemark erhalten geblieben.
Zum Industriekomplex gehörte auch die „Rjukanbanen„, eine 16 km lange Bahnstrecke von Mæl nach Rjukan, die noch heute an Wochenenden zu touristischen Zwecken befahren wird. Der historische Zug führt durch norwegische Geschichte, Kriegsgeschichten und Ingenieurskunst. Sam Eyde, Gründer des Unternehmens Norsk Hydro, und seine Mitstreiter benutzten die Rjukanbahn zum Aufbau des Städtchens Rjukan mit einem Kraftwerk und Fabriken.

Die Rjukanbahn nimmt auch eine Sonderstellung wegen der Tinnsjø-Fähren ein, den einzigen Eisenbahnfähren, die es jemals auf einem norwegischen Binnengewässer gab. Auf dem See Tinnsjøen fand der Kampf um das schwere Wasser statt. Dieser endete mit der Versenkung der D/F Hydro, die nun in 460 m Tiefe liegt. Die 1929 gebaute Fähre Ammonia kann heute am Kai des historischen Mæl, Endstation der Rjukan-Linie, besichtigt werden.

Nicht verpassen sollten Sie beim Besuch von Vemork eine Fahrt mit der Seilbahn „Krossobanen„, die älteste und ursprünglichste Zweiseilbahn Nordeuropas und die einzige auf der Welt, die noch im regulären Verkehr ist. Sie wurde im Januar 1928 als ein Geschenk von Hydro an die Einwohner von Rjukan eröffnet. Die Fahrt von Rjukan zum Fuße der Hardangervidda dauert fünf Minuten. Oben auf dem Gvepseborg gibt es ein kleines Café, viele Wanderwege und beste Bedingungen für Kletterer. Die Bahn ist vom 22. Mai bis 3. Juni wegen Sanierungsarbeiten geschlossen.

Einzigartig in Rjukan ist auch ein Sonnenspiegel, der auf einem Berg 742 Meter über dem Meeresspiegel gebaut wurde. Er taucht im Winter, wenn kein Sonnenstrahl den Ort erreicht, eine kleine Fläche im Zentrum von Rjukan ins Licht. Der Spiegel, den Bilfinger Industrial Services Norway 2013 installierte, besteht aus drei Heliostaten mit einer Größe von jeweils 17 Quadratmetern.
Wenn Sie sich auf den Besuch in Rjukan einstellen wollen, empfehlen wir den britischen Film „Kennwort Schweres Wasser“ (Originaltitel: The Heroes of Telemark) aus dem Jahr 1965. Er handelt von der Sabotage norwegischer Widerstandskämpfer, die die Produktion und den Transport von schwerem Wasser zum Bau der Atombombe durch Nazideutschland verhinderten.

Das Museum ist von 11.00 bis 18.00 Uhr geöffnet.
Såheimsveien 30
3660 Rjukan
Vom Bahnhof Rjukan fährt ein Shuttelbus zum Industriemuseum Vemork.
