Innovationsrede 2024: Norwegen muss Möglichkeiten in Europa voll ausschöpfen

Håkon Haugli, CEO von Innovation Norway, bei seiner Innovationsrede im Rahmen des „Innovation Talk„, eine Veranstaltung, bei der Innovation Norway Behörden und Unternehmen innovationspolitische Ratschläge präsentiert.©Kilian Munch/Innovation Norway

Oslo, 6. Mai 2024. In seiner diesjährigen Innovationsrede stellte Håkon Haugli, Geschäftsführer von Innovation Norway, das Verhältnis Norwegens zu Europa und Norwegens Platz in Europa in den Mittelpunkt. Die Rede soll eine Warnung für die Norweger sein, unterstrich Haugli gleich zu Beginn. In den europäischen Nachbarländern sei Norwegen als Partner willkommen – aber die Nachbarländer würden nicht auf Norwegen warten. Erste Notwendigkeit sei es, Europa für die norwegische Industrie voll auszuschöpfen. Norwegische Unternehmen würden einen ebenso guten Zugang zu Kapital brauchen wie ihre europäischen Konkurrenten. Das Tempo, das Europa vorlegt, erfordere von Norwegen eine erhöhte Geschwindigkeit der grünen Transformation. „Das norwegische Geschäft findet innerhalb Europas statt. Norwegische Unternehmen müssen dort sein, wo es passiert. Sie müssen offensiv sein – und kommerziell“, erklärte Haugli. „Wir brauchen einen Tritt in den Hintern.“

Haugli erinnerte daran, dass Norwegen in nächster Zeit sein profitabelstes Geschäft ersetzen müsse. Der CEO gibt vier Empfehlungen:

  • Erhöhte Geschwindigkeit für die grüne Transformation;
  • Engste europäische Zusammenarbeit bei Digitalisierung und künstlicher Intelligenz;
  • Mehrere Assistenten in wichtigen Exportmärkten und in der Ukraine und
  • eine norwegische Investition in die Skalierung.

Die EU habe den grünen Teppich ausgerollt. Aber das Tempo des grünen Übergangs in Norwegen sei immer noch zu langsam. Norwegen müsse sich für den grünen Teppich der EU fit machen, sagt Haugli.

Gesprächsrunde unter anderem mit norwegens neuer Industrieministerin Cecilie Myrseth (2.v.l.).©Screenshot Innovation Norway

Er kündigte an, dass Innovation Norway ein separates „Binnenmarktzentrum“ einrichten werde, um norwegischen Unternehmen bei der Navigation durch EU zu helfen. Hier sollen Unternehmen Antworten auf praktische Fragen rund um den Handel mit der EU, dem EWR und Europa erhalten.
Es sei nicht immer klar, welche EU-Regeln gelten oder ob Regelungen unter das EWR-Abkommen fallen.
Das eigene „Binnenmarktzentrum“ soll norwegischen Unternehmen helfen, sich in der EU zurechtzufinden.

Dem Startplan müsse ein neuer Skalierungsplan folgen. „Wir wissen, dass viele gute Unternehmer in der Skalierungsphase keinen Erfolg haben. Viele gute Unternehmen erhalten keine Unterstützung vom European Innovation Council, dem Beschleuniger der EU. In Norwegen sollten wir selbst die Verantwortung dafür übernehmen, Unternehmen zu skalieren, die alle Voraussetzungen für den Erfolg haben. Norwegen braucht ein Beschleunigungsprogramm“, sagte Haugli.

In den letzten drei Jahren hat die EU über acht Milliarden NOK für Forschung und Innovation in Norwegen bereitgestellt, davon 450 Millionen NOK über den Europäischen Innovationsrat EIC.

Norwegen verfüge über 120 Jahre Erfahrung mit Wasserkraft und 80 Jahre Erfahrung mit Öl und Gas und über eine weltweit führende Kraft im Solar- und Windbereich. Norwegen sei Weltmeister im Bereich Energiesystemen und sei am weitesten mit der Elektrifizierung des Land- und Seetransports. Aber: Laut dem European Innovation Scoreboard liegt Norwegen im europäischen Mittelfeld bei
Innovation.
Der niedrige Wert Norwegens hänge unter anderem mit dem Zugang zu Wachstumskapital und anderen Faktoren zusammen. Es fehle an der Kommerzialisierung der Forschung. „Wir sind besser darin, aus Geld Wissen zu schaffen, als umgekehrt. In Norwegen ist der Weg von der Recherche bis zur Rechnung noch zu lang.“ Wenn wir beim grünen Wandel Europas wirklich eine entscheidende Rolle spielen wollen, müssen wir aufstehen und das Tempo erhöhen.

Hauglis erste Empfehlung an Industrieministerin Cecilie Myrseth:
„Die Geschwindigkeit des grünen Übergangs in Norwegen ist immer noch zu langsam. Es geht in die richtige Richtung – mit Offshore-Wind, Wasserstoff und anderen grünen Industrien. Aber es funktioniert langsam. Norwegische Unternehmen benötigen einen ebenso guten Zugang zu Kapital wie ihre europäischen Konkurrenten.“
Die EU lege die Bedingungen für norwegische Unternehmen und auch für viele andere fest – beim
Zugang zu Kapital, bei der künstlichen Intelligenz und für Kunstrasen. Er erläuterte als Beispiel das
Rogaland-Unternehmen Goe-Production, das Kunstrasen aus norwegischer Birke herstellt.
Das sei ein fantastisches Beispiel für das Potenzial der Bioökonomie. Die Regeln der EU würden neue Chancen schaffen. Wenn es nach Goe-Produktion gehe, würden norwegische Birke den Kunststoff auf Fußballplätzen in Europa komplett ersetzen.

Künstliche Intelligenz werde noch größere Veränderungen bewirken, erklärte Haugli. Norwegen habe auch hier die Chance, die Führung zu übernehmen.

Die nächste Empfehlung richtete Haugli an die Ministerin Karianne Tung:
„Die größte Herausforderung in Norwegen besteht darin, die Möglichkeiten zu nutzen, die KI für eine höhere Wertschöpfung und Produktivität bietet. Norwegen ist bereits Teil des Digitalprogramms der EU.
Jetzt müssen wir uns an die gesamte digitale Agenda der EU anschließen.“

Eingehend auf die Teilnahme Norwegens als Partnerland der Hannover Messe erklärte Haugli: „Dort habe ich gesehen, wie groß das Interesse an norwegischer Technologie in Deutschland ist. Es ist ein Interesse, das wir aktiver pflegen müssen.“
Seine erste Empfehlung diesbezüglich ging an die Unternehmen: Fokus auf europäische Märkte, in denen Norwegen Kooperationsvereinbarungen hat. Nutzen Sie die Branchenpartnerschaften.
Die zweite Empfehlung ging an die norwegischen Behörden: Stärken Sie die Instrumente, die norwegische Unternehmen für ihren Erfolg benötigen:
a) Norwegen braucht mehr Türöffner auf internationalen Märkten.
b) Über norwegische Exporte wissen wir eines ganz sicher: Es geht um Verträge.

Haugli hob weiter hervor, dass mit dem Überfall Russlands auf die Ukraine Geschäftspolitik zur Sicherheitspolitik geworden ist. Und umgekehrt.
„Wir sehen, dass Wertschöpfungsketten unter Druck stehen: bei Lebensmitteln, Energie und mehr.
Wir sehen, dass Europa sich den Herausforderungen einer stärker polarisierten Welt stellen muss, in der die USA und China um die Kontrolle über Rohstoffe und neue Wertschöpfungsketten kämpfen: Seltene Erden, Mikrochips, Batterien. Und wir sehen, dass dies Auswirkungen auf Norwegen hat.“
Gleichzeitig könne Norwegen eine entscheidende Rolle für die Unabhängigkeit Europas spielen:
Als Energienation, als Lieferant von Lebensmitteln, als Technologieentwickler. Norwegen leistet für die Ukraine umfangreiche militärische und humanitäre Unterstützung.
Aber die Ukraine bitte auch um geschäftliche Zusammenarbeit – sowohl um die Räder während des Krieges am Laufen zu halten als auch für den Wiederaufbau, der bereits gestartet. „Wir wissen, dass norwegische Unternehmen bereit sind, einen Beitrag zu leisten. Mit einfachen Maßnahmen könne dieser Wille in noch stärkere norwegische Bemühungen umgesetzt werden.
Innovation Norway sei bereit, diese Aufgabe zu übernehmen.

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