Schwedisches Unternehmen Grangex übernimmt historische Sydvaranger Mine in Nordnorwegen

Wieder einmal wechselt die Sydvaranger Mine nahe Kirkenes den Besitzer. Nun will das schwedische Unternehmen Grangex die Erzmine zu neuem Leben erwecken.©GRANGEX

Stockholm/ Kirkenes, 6. Mai 2024. Das schwedische Bergbauunternehmen GRANGEX AB hat die Übernahme des norwegischen Unternehmens Sydvaranger Mining AS abgeschlossen. Damit ist GRANGEX 100-prozentiger Besitzer der historischen Mine Sydvaranger und der Dannemora-Mine. Das Unternehmen will mehrere Milliarden Kronen in die Eisenerzgewinnung im Norden Norwegens investieren. Die erklärte Strategie von GRANGEX besteht darin, die Produktion von hochgradigem Direktreduktions-Magnetitkonzentrat in beiden Minen wieder aufzunehmen und ein führender Zulieferer für die europäische und globale Stahlindustrie zu werden, die sich gerade in der aktuellen „Grünen-Stahl-Revolution“ befinde, teilt das Unternehmen mit. Gegenüber der Zeitung Barents Observer räumt Christer Lindquist, CEO von Grangex, ein, dass es bis zur Wiedereröffnung noch ein langer Weg sei und vor 2027 kaum etwas passieren werde. 

Die steigende Nachfrage und Preise für Eisenerz hätten dieses Projekt wieder sehr attraktiv gemacht. Sydvaranger ist Norwegens größte und bekannteste Bergbauanlage und die drittgrößte in Europa. Die Mine liegt nahe der russischen Grenze.

Grangex hat mit dem britischen Bergbaukonzern Anglo American eine Lizenzvereinbarung zur Teilfinanzierung der Übernahme sowie der zukünftigen Entwicklung und des Betriebs der Sydvaranger-Mine geschlossen. Im Rahmen einer exklusiven Lizenzvereinbarung werde Anglo American Grangex 17.500.000 US-Dollar als Gegenleistung für eine Lizenzgebühr für die Produktion der Sydvaranger-Mine über die gesamte Lebensdauer der Mine zahlen. Anglo American werde außerdem die Fertigstellung einer neuen bankfähigen Machbarkeitsstudie unterstützen, um die Wiederinbetriebnahme und den langfristigen Betrieb der Sydvaranger-Mine zu optimiere, heißt es auf der Website von Sydvaranger. Weitere Informationen zur Vereinbarung finden Sie hier.

Wenn Sydvaranger zu 100 Prozent in Betrieb genommen wird, sollen dort 450 Mitarbeiter beschäftigt sein, was einen erheblichen Aufschwung in der Grenzgemeinde zu Russland bedeuten werde. Bei der Umsetzung der „Grünen Stahlrevolution“ bezeichnet Grangex das in Sydvaranger geförderte Eisenerz als „das beste der Welt“.

Eng verbunden mit diesem Projekt ist die Eisenbahnlinie Bjørnevatn-Kirkenes, die nördlichste Eisenbahnlinie der Welt ohne Anschluss an andere Bahnstrecken. Unser Autor Jürg Streuli hatte diese Eisenbahn vor der erneuten Stilllegung besucht. Wie er erklärt, bestehe ein Problem der Sydvaranger Mine im fehlenden Pelletswerk. Die Kunden wollen das Eisenerz in der Form von Pellets erhalten. In der kurzen Zwischenzeit, in der der Betrieb wieder hochgefahren wurde und die Züge und Schiffe wieder fuhren, kam es zu einer Blockade der Bahnstrecke durch eine norwegische Umweltorganisation, weil das Erz in Kirkenes vor dem Verladen auf die Schiffe gereinigt und das Schmutzwasser ungereinigt in einen fischreichen Fluss geleitet wurde. Das könnte bei einer erneuten Wiederinbetriebnahme wieder zum Problem werden, so Streuli. Es gab sogar einen Versuchstransport, das Erz aus Bjørnevatn nach Japan über die Nordostpassage entlang der sibirischen Küste zu transportieren.

Erztransport auf der Eisenbahnlinie Bjørnevatn-Kirkenes©Jürg Streuli

GRANGEX ist ein schwedisches Mineralentwicklungsunternehmen mit der Vision, aktiv zu einer nachhaltigen Gesellschaft in Europa beizutragen. Das Unternehmen strebt danach, die führende Mineralentwicklungsgruppe in Europa zu werden und eine verantwortungsvolle Gewinnung und Wiederverwertung von Mineralien, vor allem Eisenerzprodukten und anderen wichtigen Mineralien für den grünen Wandel, zu entwickeln und durchzuführen. Im Rahmen dieser Aktivitäten sei GRANGEX bestrebt, seine Klimaauswirkungen zu minimieren.

Das Bergbauunternehmen Sydvaranger wurde 1906 in Kirkenes mit deutschem und norwegischem Kapital gegründet. Es war von 1910 bis 1997 und dann noch einmal von 2009 bis 2015 in Betrieb. Im Jahr 2016 kaufte die Osloer Reederei Tschudi Shipping Company das gesamte Sydvaranger-Projekt. Im Jahr 2021 wurde Sydvaraganger von dem amerkianischen Konzern Tacora Resources Inc. übernommen, um die Minen neu zu betreiben. Im Februar vergangenen Jahres teilte Tacora Resources Inc. mit, dass es die Sydvaranger Mining AS und seine Tochtergesellschaften an Orion Mine Finance, einen Finanzpartner, der seit 2018 an dem Projekt beteiligt ist, übertragen hat.
Joe Broking, Präsident und CEO von Tacora, kommentierte: „Nach Abschluss einer internen Überprüfung des Projekts sind wir zu dem Schluss gekommen, dass Tacora nicht wie zuvor geplant bis Mitte 2023 mit der Wiederaufnahme des Betriebs in Sydvaranger beginnen wird. Wichtig ist, dass die Übertragung von Sydvaranger es Tacora ermöglichen wird, erstens Management- und Finanzressourcen auf den Ausbau und die Wertschöpfung seines Kernvermögens, der Scully-Mine in Wabush, zu konzentrieren und zweitens erhebliche Kosten im Zusammenhang mit der Finanzierung von Pflege und Wartung in Sydvaranger einzusparen.“

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