Norwegen als Studienland „rekordverdächtig beliebt“

Zahl der ausländischen Vollzeitstudenten in Norwegen im Zeitraum 2013 bis 2022 nach Herkunftsländern©DBH

Oslo, 16. Mai 2023. Noch nie gab es mehr internationale Studenten im Austausch nach Norwegen als im Jahr 2022. Im vergangenen Jahr kamen 10.211 internationale Austauschstudenten nach Norwegen – ein Wachstum von 16 Prozent im Vergleich 2019, dem Jahr vor der Pandemie. Die meisten Austauschstudenten kommen nach Angaben des jetzt vorgelegten Landesberichtes für die Hochschulbildung aus Deutschland und Frankreich, während die Zahl der Austauschstudenten aus Russland und China stark zurückgegangen ist (siehe hier). Beim Studentenaustausch geht es um einen begrenzten Studienaufenthalt im Ausland, in der Regel ein Semester. Die meisten Vollzeitstudenten kamen 2022 aus dem Iran, gefolgt von Deutschland.

Aus Deutschland verbachten 2022 knapp 2.300 Studenten ein Austauschsemester in Norwegen – 22 Prozent aller Austauschstudenten in Norwegen. Deutschland verzeichnete in den letzten zehn Jahren nahezu eine Verdoppelung der Austauschstudenten an norwegischen Bildungseinrichtungen. Die zweitgrößte Gruppe kam mit knapp 1.500 Studenten aus Frankreich. Auch hier kam es innerhalb von zehn Jahren zu einer Verdoppelung.

Im vergangenen akademischen Jahr nahmen über 7.000 Norweger am Austausch teil. Das entspricht etwa dem Niveau vor der Pandemie. Allerdings absolvieren immer weniger Norweger ein komplettes Studium im Ausland. Seit dem Spitzenjahr 2015 ist der Anteil um 19 Prozent gesunken, von rund 17.400 auf 14.000 Studenten im Studienjahr 2021/22.

Zahl der Austauschstudenten nach Norwegen und aus Norwegen©DBH

Auf der Beliebtheitsskala norwegischer Austauschstudenten liegen Großbritannien, Dänemark, die USA und Polen ganz vorn. Deutschland befindet sich nicht unter den zehn beliebtesten Ländern. Allerdings hat sich das Ranking während der Pandemie verändert. Bis 2020 wurden die USA und Australien am häufigsten besucht, ab 2021 gingen die meisten Austauschaufenthalte jedoch in europäische Länder, nach Italien, Frankreich, Großbritannien, Spanien und Dänemark. Der Wandel ist im Zusammenhang mit geschlossenen Grenzen und strengen Einreisebestimmungen für die beliebtesten ausländischen Studienziele zu sehen, heißt es in dem Statusbericht. Darüber hinaus gebe es Grund zu der Annahme, dass die anhaltende Unsicherheit im Zusammenhang mit der Pandemie dazu geführt hat, dass das Studium außerhalb der Heimat deutlich weniger attraktiv geworden ist.

Zahl der Austauschstudenten aus Norwegen nach Ländern.©DBH

Auch im Jahr 2022 gehörten die USA und Australien wieder zu den fünf beliebtesten Austauschländern, nachdem die internationalen Reisebeschränkungen aufgehoben sind und die Pandemie unter Kontrolle ist. Allerdings hatte Australien 2022 halb so viele Austauschstudenten aus Norwegen wie vor der Pandemie, während südeuropäische Länder wie Frankreich, Spanien, Portugal und Italien an Popularität gewonnen haben. Dies gilt insbesondere für Italien, das seit 2018 eine Verdoppelung des Zustroms norwegischer Austauschstudenten erfahren hat. Deutschland lag auf Platz acht der Beliebtheitsskala.

14.000 internationale Studenten absolvierten 2022 in Norwegen ein vollständiges Studium oder zumindest ein Studienjahr. Das ist eine Steigerung von sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr. In den letzten zehn Jahren ist die Zahl der internationalen Studenten in Norwegen um 18 Prozent oder fast 2.100 Menschen gestiegen. Fast die Hälfte davon, 45 Prozent, kommt aus Europa, während 38 Prozent aus Ländern Asiens kommen. In den letzten zehn Jahren hat sich der Zustrom internationaler Studenten aus Asien sowie Nord-, Süd- und Mittelamerika mehr als verdoppelt, während der Zustrom aus Europa im gleichen Zeitraum um etwa acht Prozent zurückgegangen ist.

Im Jahr 2022 kamen die meisten internationalen Studenten aus dem Iran (knapp 900 Studierende) und Deutschland (knapp 850 Studierende). Die Zahl der Studenten aus dem Iran ist seit 2017 jedes Jahr stark gestiegen, um jährlich rund hundert Personen, während in den letzten beiden Jahren ein besonderer Zuwachs aus Deutschland zu verzeichnen war. In den letzten zehn Jahren zusammengenommen verzeichnete jedoch Bangladesch das größte relative Wachstum mit viermal so vielen Studenten im Jahr 2022 wie zehn Jahre zuvor. Allein im vergangenen Jahr stieg die Zahl um 40 Prozent. 2022 gab es 550 Studenten aus Bangladesch in Norwegen. Studenten aus Pakistan verzeichnen mit einer Verdreifachung das zweithöchste Wachstum.
Zu den Ländern mit einem deutlichen Rückgang gehört Schweden, wo sich die Zahl der internationalen Studenten nach Norwegen in den letzten zehn Jahren nahezu halbiert hat, von fast 1.300 im Jahr 2013 auf knapp 700 im Jahr 2022. Im letzten Jahr war auch ein starker Rückgang zu verzeichnen.

Laut OECD-Statistik gehört Norwegen allerdings zu den OECD-Ländern mit dem niedrigsten Anteil internationaler Studenten. Die OECD gibt an, dass in Norwegen im Jahr 2019 knapp über vier Prozent der Studenten aus dem Ausland kam. In derselben Statistik gab es in Schweden sieben Prozent, in Finnland acht Prozent und in Dänemark elf Prozent (OECD, 2023). Es ist jedoch zu beachten, dass die Zahlen nicht unbedingt in allen Ländern auf die gleiche Weise berechnet werden, heißt es im Statusbericht zur

Der Statusbericht gibt einen Überblick über die zeitliche Entwicklung verschiedener Universitäts- und Hochschulbereiche aus dem Jahr 2022. Im vergangenen Jahr gab es in Norwegen 297.775 Studenten. Mit Ausnahme des Rekordjahres 2021 ist dies ein historischer Höchstwert. Die Entwicklung zeigt auch, dass immer mehr Bewerber qualifiziert sind, jedes Jahr mehr Studenten ihren Abschluss machen und ihr Studium in der Regelzeit abschließen.

„Im norwegischen Hochschulwesen läuft es gut. Mit unseren Bildungsangeboten erreichen wir immer mehr Menschen, immer mehr Menschen machen einen Abschluss und gehen nach dem Studium in relevante Berufe. Auf diese Weise schaffen wir Möglichkeiten für mehr Menschen und stellen Norwegens Zugang zu wichtigem Fachwissen sicher. Es ist auch sehr positiv, dass Norwegen ein attraktives Studienland für ausländische Studenten ist und dass mehr Norweger ins Ausland reisen“, sagt Forschungs- und Hochschulminister Ola Borten Moe. Studenten, die aufgrund von Vereinbarungen zwischen norwegischen und ausländischen Institutionen nach Norwegen kommen, seien das Ergebnis akademischer und strategischer Prioritäten. Dies ermögliche eine gezieltere und qualitätsgesicherte Rekrutierung.

„Der Studentenaustausch ist ein Bereich, in dem die Pandemie stark einschränkend wirkte. Aber jetzt sehen wir, dass Norwegen als Studienland rekordverdächtig beliebt ist“,sagt Sveinung Skule, Leiter der Direktion für Hochschulbildung und Qualifikationen.

Die Direktion für Hochschulbildung und Kompetenzen erstellt den Bericht im Auftrag des Bildungsministeriums.

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