Statnett: 2021 – ein außergewöhnliches Stromjahr in Norwegen

2021 wurden in Norwegen rund 157 TWh elektrische Energie erzeugt wurden, etwas mehr als 2020©Statnett

Oslo, 6. Januar 2022. Norwegens staatlicher Netzbetreiber Statnett sieht das Jahr 2021 als ein außerordentliches Stromjahr. Es brachte den höchsten Verbrauch aller Zeiten, ungewöhnlich hohe Strompreise, die größte Stromproduktion aller Zeiten, einen stündlichen Rekord bei den Importen und enorme Preisunterschiede innerhalb des Landes. Das Stromjahr 2021 war von großen Gegensätzen geprägt, teilt Statnett mit. Gleichzeitig laufe die grüne Verschiebung in die Energieversorgung auf Hochtouren.

Der Jahresbeginn bot in Folge Rekordwerte bei Stromproduktion, Kälte und Verbrauch. Nie zuvor haben Norweger mehr Strom gleichzeitig verbraucht als am 12. Februar zwischen kl. 9.00 und 10.00 Uhr. In dieser Stunde erreichte der Stromverbrauch 25.230 Megawatt (MWh). Im April gab es einen Importrekord von Strom nach Norwegen. Am Montag, 5. April, wurden zwischen 3.00 und 4,00 Uhr 6.004.000 Kilowattstunden oder 6.004 Megawattstunden nach Norwegen importiert. Nie zuvor floss so viel Strom in einer Stunde nach Norwegen. Die Lieferländer waren Schweden, Dänemark und Deutschland.

Das Jahr 2021 war in vielerlei Hinsicht ungewöhnlich. Während 2020 starke Regenfälle, überfüllte Stauseen und sehr niedrigen Strompreise bot, war 2021 in vielerlei Hinsicht das Gegenteil. In der zweiten Jahreshälfte gab es sowohl in Norwegen als auch auf dem Kontinent rekordhohe Strompreise und große Preisunterschiede zwischen verschiedenen Landesteilen. Wind- und Niederschlagsmangel, historisch hohe Gas- und Kohlepreise sowie eine Verdoppelung der CO2-Quotenpreise führten 2021 dazu, dass die Strompreise in den nordischen Ländern und in Europa deutlich anstiegen. In einigen Teilen Norwegens wurde es eng mit der Stromversorgung. Dies habe daran gelegen, dass in einigen Gebieten zu wenig Wasser in den Stauseen der Kraftwerke die Stromversorgung in diesen Gebieten anfälliger für ausbleibende Niederschläge über einen längeren Zeitraum oder langfristige Störungen machte, analysiert Statnett. Am 7. Dezember wurde mit 28.170 MWh Strom in einer Stunde erneut ein Produktionsrekord aufgestellt.

Stromverbrauch und Produktion in Norwegen

©Statnett

„Es kann große Sprünge von einem Jahr zum anderen geben, und es gibt viele Faktoren, die sowohl die Betriebssituation als auch das Preisbild beeinflussen. Für uns bei Statnett ist es wichtig, dass wir über Systeme verfügen, die allen Schwankungen standhalten, erklärt Gunnar Løvås, Executive Vice President für Power System & Market bei Statnett. Auch Statnett betrachte die ungewöhnlich hohen Strompreise, die das letzte Halbjahr gekennzeichnet haben, mit Sorge.

Neues Rekordjahr bei Stromproduktion und -verbrauch

2021 wurden in Norwegen rund 157 TWh elektrische Energie erzeugt, etwas mehr als im Jahr 2020. Die Produktionskapazität ist gestiegen. Die jährliche Stromproduktion der letzten zehn Jahre liegt im Durchschnitt bei ca. 146 TWh. Ca 12 TWh wurden im Jahr 2021 aus Windkraft erzeugt.

Der Stromverbrauch betrug 2021 knapp 140 TWh, jeweils etwa sechs TWh höherer als in den zwei Jahren zuvor.

„Die Erfahrungen aus dem vergangenen Jahr, sowohl mit steigendem Verbrauch als auch mit hohen Preisen, unterstreichen die Notwendigkeit von mehr neuer Stromproduktion im Inland, wenn Norwegen weiterhin ein attraktives Land für neue elektrifizierte Wertschöpfung sein soll. Wir erhalten immer mehr Anfragen aus neuen Branchen, die sich an unser Stromnetz anschließen wollen. Unsere Aufgabe ist es, diese Entwicklung zu unterstützen“, sagt Løvås.

Jährliche Windkraftproduktion in Norwegen in TWh

©Statnett

Statnetts Analysen zeigt, dass der Stromverbrauch durch die weitere Elektrifizierung der Gesellschaft in den kommenden Jahren weiter steigen wird. Gleichzeitig kann der Stromüberschuss innerhalb von fünf Jahren verschwinden, da wenig Neuproduktion geplant ist.

Über vier Milliarden Einnahmen aus Kabelverbindungen in Nachbarländer

Im März 2021 wurde die neue Stromverbindung zwischen Norwegen und Deutschland eröffnet. Im Oktober begann der Probebetrieb des längsten Stromkabels der Welt zwischen Norwegen und England. Insgesamt haben die internationalen Verbindungen 2021 Rekordeinnahmen von knapp über vier Milliarden NOK erzielt. Diese sogenannten Engpasserlöse werden jedem Netznutzer zurückgezahlt, indem die Netzmiete niedriger gehalten wird, als es sonst der Fall wäre. Im Vergleich dazu ist die Grenze für die Höhe der Einnahmen, die Statnett insgesamt hat (die Einnahmengrenze), basierend auf den Kosten des Unternehmens, für 2021 auf 8,5 Milliarden NOK festgelegt.

Insgesamt exportiert Norwegen ca. 25 TWh Strom und importierte 8 TWh. Dies entspricht einem Nettoexport von ca. 17 TWh, etwas weniger als im Jahr 2020. Der Großteil des Austauschs für 2021 erfolgte mit Dänemark. Der Stromaustausch zwischen Ländern isei ein wichtiger Bestandteil des europäischen Stromsystems der Zukunft, wenn beim Übergang von fossilen zu erneuerbaren Energien ein zunehmender Anteil des Stromverbrauchs wetterabhängig wird. Zusammenarbeit sei der Schlüssel, wenn die Welt die Klimaziele erreichen will, sagt Løvås.

Norwegens Stromaustausch nach Land 2021

Strompreise bleiben 2022 vorerst hoch

Nach historisch hoher Reservoirfüllung im Jahr 2020 lag der Füllgrad der norwegischen Stauseen zu Beginn des Jahres 2021 weit über dem Normalwert und blieb während des gesamten ersten Quartals auf hohem Niveau, laut NVE-Übersicht. Allerdings trug ein trockener Sommer mit einer für die Saison niedrigen Füllrate von 64,8 Prozent zum Ende des dritten Quartals zu einer geringeren Reservoirfüllung in der zweiten Jahreshälfte bei. Die letzte Woche des Jahres endete mit einer Besetzungsquote von 56 Prozent gegenüber 82 Prozent in der letzten Woche des Jahres 2020.

2022 begann mit fallenden Strompreisen in den Ländern um uns herum, und die ersten Tage waren geprägt von Importen aus Großbritannien, Deutschland, Schweden und Dänemark und den Niederlanden. Bei gleichzeitig hohen europäischen Gas-, Kohle- und CO2-Preisen sei die Reservoirfüllung für norwegische Wasserkraftwerke noch gering und auch in diesem Winter sei mit hohen Strompreisen zu rechnen, teilt Statnett mit.

„Uns ist bewusst, dass die hohen Preise sowohl für normale Stromverbraucher als auch für die Geschäftswelt schwer zu handhaben sind, und wir müssen leider auch im Winter mit anhaltend hohen Preisen rechnen“, sagt Løvås. Etwas längerfristig zeigen die Analysen von Statnett jedoch niedrigere Preise. „Wir befinden uns in einer grünen Wende, bei der die Energieversorgung absolut erfolgsentscheidend ist. Dann sind wir auch darauf angewiesen, diesen großen Wandel hin zu einer klimafreundlicheren Energienutzung und -erzeugung so zu gestalten, dass eine sichere Stromversorgung zu vertretbaren Kosten gewährleistet ist.

Stromrekorde in Norwegen 2021

Volumen (MWh/h)Datum
Verbrauchsrekord                  25 23012.02.2021
Produktionsrekord                  28 170  7. Dezember 2021
Maximale Windstromproduktion                    3 604  21. Okt 2021
Max Nettoexporte                    7 517  8. November 2021
Max. Nettoimport                    6 004  05.04.2021 *

* Der maximale Bruttoimport war der 30. Dezember mit 6.129 MWh

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