Norwegens Treibhausgasemissionen im Corona-Jahr 2020 gesunken

Seit 1990 sind die Treibhausgasemissionen in Norwegen um 2,9 Prozent gegenüber 1990 zurückgegangen. Bis 2030 sollen sie um 50 bis 55 Prozent Prozent fallen (Angaben in Millionen Tonnen CO2-Äquivalent).©SSB.no

Oslo, 8. Juni 2021. Die Treibhausgasemissionen betrugen in Norwegen im vergangenen Jahr 50 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente. Das ist ein Rückgang gegenüber 2019 um 3,2 Prozent. Gegenüber 1990 sanken sie um 2,9 Prozent. Ziel der norwegischen Regierung ist es, den CO2-Ausstoß bis 2030 um 50 bis 55 Prozent zu reduzieren. Die Öl- und Gasindustrie und der Auto- und Flugverkehr trugen nach Angaben der staatlichen Statistikbehörde SSB am meisten zum Rückgang bei. Die Produktion von Eisen, Stahl und Ferrolegierungen verursachte ein 5-prozentiges Wachstum der Emissionen gegenüber 2019.

Die Emissionen des Straßenverkehrs und des sonstigen Verkehrs wurden von 2019 bis 2020 um 3,9 bzw. 3,6 Prozent reduziert und trugen maßgeblich zum Rückgang bei. “Der Rückgang der Emissionen aus dem Straßenverkehr hängt wahrscheinlich damit zusammen, dass weite Teile des Jahres von Homeoffice und Reisebeschränkungen geprägt waren, wodurch wir weniger unterwegs waren”, sagt Trude Melby Bothner von Statistics Norway. Gleichzeitig sank die Menge Biokraftstoffe im Straßenverkehr durch das Verbot von Palmöl als Kraftstoff. Die Emissionen des inländischen Flugverkehrs wurden in der Kategorie “Sonstige Transporte und Elektrowerkzeuge” erfasst. Hier gingen die Emissionen 2020 gegenüber dem Vorjahr um 32 Prozent zurück. “Ausländische Luftfahrt ist in dieser Statistik nicht enthalten, daher wird der Effekt des Rückgangs internationaler Flüge im Jahr 2020 hier nicht gezeigt. Die norwegische Umweltbehörde, die kontingentierte norwegische Emissionen aus dem Flugverkehr berechnet, weist für 2020 auf einen Rückgang um 63 Prozent hin”, erklärt Trude Melby Bothner. Ebenso wird in dieser Kategorie die Schifffahrt erfasst. Der gestiegene Verkauf von Schiffsgasölen habe im Jahr 2020 zu höheren Emissionen aus Schifffahrt und Fischerei geführt. Diese Emissionen zusammen seien fünfmal höher als die inländischen Luftfahrt, teilt SSB mit.

Im Jahr 2020 hatte die Öl- und Gasförderung mit etwas mehr als vier Prozent im Vergleich zu 2019 die größte Reduzierung aller Quellen aufzuweisen. Dies ist auf längere Produktions- und Wartungszeiten und weniger Verbrennung von Gas auf dem Festlandsockel zurückzuführen. “Der Rückgang der Emissionen wurde trotz einer höheren Ölförderung im Jahr 2020 als im Jahr 2019 erreicht. Dies deutet darauf hin, dass die fortschreitende Elektrifizierung der Fördereinrichtungen auf dem Festlandsockel zu einer erhöhten Produktion mit geringeren Emissionen geführt hat”, so Bothner.

Durch die geringere Aktivität in den meisten Sektoren der Industrie und des Bergbaus wurden die Emissionen aus diesen Quellen ab 2019 um 1,5 Prozent gesenkt. Die Emissionen aus der Herstellung von Eisen, Stahl und Ferrolegierungen sind jedoch im Jahr 2020 um fast fünf Prozent gestiegen. Laut Norwegian Environment Norwegian Agency ist diesauf eine erhöhte Produktion nach der Kapazitätserweiterung im Jahr 2019 zurückzuführen.

Das Jahr 2020 war das wärmste jemals in Norwegen gemessene Jahr. Daraus ergab sich ein geringerer Heizbedarf sowohl für Industrie als auch für Haushalte. Die Emissionen in diesem Bereich gingen dementsprechend um 19 Prozent gegenüber 2019 zurück.

Eine geringere Fernwärmeproduktion im Jahr 2020 erklärt die Reduktion von zwei Prozent im Bereich Energieversorgung, da Schulen und Einkaufszentren geschlossen waren und viele Gewerbegebäuden nicht genutzt wurden.

Trotz geschlossener Grenzen und gestiegenem Absatz norwegischer Agrarprodukte sind die Treibhausgasemissionen in der Landwirtschaft ab 2019 leicht zurückgegangen. Dies ist auf einen leichten Rückgang der Viehbestände, insbesondere bei Schweinen, Rindern und Geflügel, zurückzuführen. Die gestiegene Nachfrage nach norwegischen Waren wurde unter anderem durch Fleisch- und Milchvorräte sowie eine erhöhte Milchproduktion im Jahr 2020 gedeckt. Es kann jedoch darauf hindeuten, dass dieser Effekt 2021 mit mehr Milch- und Mutterkühen besonders ausgeprägt sein wird.

Die Statistikbehörde teilt im Zusammenhang mit der Veröffentlichung der Entwicklung der Treibhausgase 2020 mit, dass aufgrund revidierter Verbrauchswerte für Mineralölprodukte im Zeitraum 2012-2019 die bisher veröffentlichten Emissionswerte in der Fischerei, im Küsten- und Straßenverkehr zu niedrig waren. Der Trend bei den Treibhausgasemissionen sei weiterhin rückläufig, jedoch auf leicht höherem Niveau. Trotz der Revisionen weisen die Treibhausgasemissionen 2019 die niedrigsten Emissionen seit 1995 auf.

Entwicklung der Treibhausgase in der EU

©Annual European Union greenhouse gas inventory 1990–2019 and inventory report 2021 Submission to the UNFCCC Secretariat/ Norwegen gibt für 2019 Treibhausgasemissionen in Höhe von 51,7 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent an (SSB.no).

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