Wintershall Dea erlebt in Norwegen “sehr intensive Phase” im Corona-Jahr

CEO Mario Mehren (Mitte) und CFO Paul Smith (rechts) stellten am 24. Februar die Jahresergebnisse von Wintershall Dea auf einer Pressekonferenz vor. In Norwegen ist der Öl- und Gaskonzern dank der Steuererleichterungen der Regierung im vergangenen Jahr gut durch die Krise gekommen. Links: Michael Sasse, Senior Vice President Corporate Communications©Screenshot

Kassel/Hamburg, 24. Februar 2021. Der Öl- und Gaskonzern Wintershall Dea fühlt sich in Norwegen sehr wohl. Das unterstrich CEO Mario Mehren auf der diesjährigen Online-Pressekonferenz zur Vorstellung der Jahresergebnisse. Paul Smith, CFO des Unternehmens, fügte hinzu: “Norwegen stellt einen wesentlichen Teil unseres Portfolios dar, und das wird auch so bleiben.” Von den Gesamtinvestitionen in Höhe von 1,2 Milliarden Euro, die im vergangenen Jahr in die Produktion und Feldesentwicklung geflossen sind, entfielen eine Milliarde auf Norwegen, im Wesentlichen auf die Projekte Nova, Dvalin, Njord und Ærfugl. “Wir hatten eine sehr intensive Phase in Norwegen”, sagte Summers. Mehrere Projekte wurden in Betrieb genommen.

Die Steuererleichterungen, die die norwegische Regierung im vergangenen Jahr der Öl- und Gasindustrie gewährte, hätten dazu beigetragen, dass das Unternehmen in Norwegen gut durch die Corona-Krise gekommen sei, erklärte Summers. Diese Maßnahmen hätten vor allem Vertrauen geschaffen, in die Projekte in Norwegen zu investieren. Der Konzern erhielt im August, September und Dezember von den norwegischen Steuerbehörden Steuerrückzahlung von insgesamt 431 Millionen Euro. Für das Geschäftsjahr 2021 werden weitere Zahlungseingänge für den Ausgleich der steuerlichen Verluste des Jahres 2020 in Höhe von ca. 2,9 Milliarden NOK erwartet. Diese Steueranreize würden 2021 fortsetzt und führten sicher zu weiteren Investitionen, so Summers. Die Bohrungen in Brage seien unter anderem durch diese Steuererleichterungen möglich gewesen. 

Bei den Entwicklungsprojekten habe der Konzern gute Fortschritte gemacht. In den Feldern Ærfugl und Snorre wurde die Produktion  im vierten Quartal 2020 aufgenommen. Die Inbetriebnahme der Infrastruktur des Wiedererschließungsprojekts Njord-Future wird in der ersten Jahres- hälfte 2022 erwartet. Im Nova-Feld soll voraussichtlich ab der zweiten Jahreshälfte 2022 produziert werden. In dem eigenoperierten Dvalin-Feld startete die Gasförderung ebenfalls gegen Jahresende. Weil der im geförderten Gas enthaltene Anteil von Quecksilber aber höher als erwartet ist, ruht die kommerzielle Förderung bis in die zweite Jahreshälfte 2022. Wie Mehren betonte, werde hierfür eine technische Lösung gesucht, im zweiten Halbjahr 2022 könne die Produktion voll starten. 

Auf die Frage von BusinessPortal Norwegen, wie Wintershall Dea mit seinen zugewiesenen Lizenzen in der Barentssee umgehen werde, erklärte Mehren, dass sich das Unternehmen in Norwegen auch weiterhin auf seine Kernregionen konzentrieren werde. Wintershall Dea habe in der letzten APA-Runde 16 Lizenzen gewonnen. Der Großteil der Lizenzen befinde sich in Kerngebieten von Wintershall Dea, so dass bestehende Infrastruktur genutzt werden könne. An der 25. APA-Runde habe das Unternehmen nicht teilgenommen, weil diese vorrangig Flächen angeboten hat, die in nicht oder wenig erschlossenen Gebieten liegen. Diese entsprächen nicht den Schwerpunkten der Tätigkeit von Wintershall Dea in Norwegen. 

Eigenoperierte Felder von Wintershall Dea in Norwegen©Wintershall Dea

Nachhaltigkeit sei eine Grundlage für alle Aktivitäten von Wintershall. Im vergangenen November hat das Unternehmen seine Klimaziele veröffentlicht. Bis 2030 will Wintershall Dea die CO2-Emissionen auf Null senken. CCS spiele in der Strategie zur Erreichung dieses Ziels eine große Rolle. Für das Brage-Feld hat das Unternehmen eine Machbarkeitsstudie zur Speicherung von CO2 gestartet. “Wir beobachten die Chancen für CCS in Norwegen sehr genau, da CCS für die Erreichung der Klimaziele sehr wichtig sein wird”, sagte Mehren. Momentan gebe es aber keine Pläne, am Longship-Projekt teilzunehmen. Allerdings, so fügte er hinzu: “Sag niemals nie”.  

Wintershall Dea teile die Ambitionen der Behörden und der Industrie, den CO2-Fußabdruck auf dem norwegischen Festlandsockel zu verringern. “Im Jahr 2020 hat unser Unternehmen Klimaziele als Grundlage für einen nachhaltigeren Betrieb festgelegt und bereits mehrere Projekte durchgeführt, insbesondere im Hinblick auf die Vermeidung von nicht routinemäßigem Abfackeln und die Steigerung der Energieeffizienz durch den Einsatz neuer Technologien”, teilt das Unternehmen mit. Der Elektrifizierung von Plattformen stehe Wintershall Dea positiv gegenüber, wenn sie sozioökonomisch ist und in globaler Perspektive eindeutig Auswirkungen auf die Umwelt hat. Die Elektrifizierung der eigenen und von Partnern betriebenen Plattformen in Norwegen sei im Gange.

Insgesamt will Wintershall Dea in den kommenden zehn Jahren 400 Millionen  Euro investieren, um seine Klimaschutzziele zu erreichen. Ambitionen, in erneuerbare Energien einzusteigen, gebe es allerdings nicht. “Wir sind ein Öl- und Gasunternehmen”, erklärte Mario Mehren. 

Die Jahresproduktion von Wintershall Dea betrug 2020 im Gesamtjahr 623.000 boe/Tag, fast 25 Prozent davon wurde in Norwegen aus dem Meeresboden geholt. Niedrige Rohstoffpreise beeinträchtigten das Finanzergebnis: Der Free Cashflow betrug 159 Millionen Euro, der Operative Cashflow 1,604 Milliarden Euro, der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Explorationsaufwand (Ebitdax) fiel um 41 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro. Die Produktionskosten konnten auf ein Rekordtief von 3,5 Euro/Barrel gesenkt werden.

Für dieses Jahr rechnet der Konzern mit einer Produktion von 620.000 bis 640.000 boe/Tag. Im kommenden Jahr will das Unternehmen wieder eine Dividende zahlen.

Finden Sie hier Zahlen und Fakten zu Wintershall Dea in Norwegen.

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