Norwegen verschärft Bedingungen für Bau von Windkraftanlagen an Land

Oslo, 19. Juni 2020. Norwegen will den Umgang mit Windenergie verbessern und für alle Akteure vorhersehbare Bedingungen beim Bau von Windkraftanlagen schaffen. In einem heute von der Regierung vorgelegten Bericht an das norwegische Parlament Storting wurden unter anderem die Anforderungen an Lizenzen für Windkraftanlagen an Land verschärft. Lokale und regionalen Behörden erhalten mehr Mitspracherecht beim Bau von Windkraftanlagen. Die von der Regierung vorgeschlagenen Änderungen der Konzessionsvergabe sollen die Vorhersehbarkeit für Kommunen, Anwohner und Bauherren verbessern.

Unter anderem wollen die Behörden den Mindestabstand zu Gebäuden ändern. Der Abstand sollte das Vierfache der Turbinenhöhe oder mindestens 800 Meter betragen.Darüber hinaus muss Lärm gründlich dokumentiert werden.

Auf einer Pressekonferenz erklärte Energieministerin Tina Bru: “Wir brauchen eine klare und aktuelle Windkraftpolitik, die alle Akteuren vorhersehbaren Rahmenbedingungen bietet. Nach einer gründlichen Überprüfung der heutigen Konzessionsbehandlung unter Einbeziehung verschiedener Akteure schlagen wir eine historische Straffung mit mehreren Maßnahmen und Verbesserungen der derzeitigen Praxis vor.”

Windenergie versorgt in Norwegen 500.000 Menschen mit Strom. Die einstellbare Wasserkraft werde weiterhin die Grundlage unserer Stromversorgung bilden, aber das Potenzial für neue Wasserkraft ohne größere natürliche Eingriffe sei begrenzt, teilt das Energieministerium mit. Windenergie sei daher in den kommenden Jahren die Quelle erneuerbarer Energie, die das größte Potenzial und die niedrigsten Entwicklungskosten aufweist. 

Negative Auswirkungen von Windkraftanlagen auf die Umwelt will die Regierung durch eine moderate und begrenzte Entwicklung der sozioökonomisch rentablen Windenergie begrenzen, bei der wichtige ökologische und soziale Bedingungen besser berücksichtigt werden.

“In jüngster Zeit hat die Windenergie großes Engagement und große Debatten ausgelöst. Ein verstärkter lokaler Ankerplatz, an dem die Kommunen eine größere Rolle bei der Konzessionsvergabe spielen, ist in Zukunft wichtig. Wir müssen aus den Erfahrungen lernen, die wir gesammelt haben. Wir werden die Anforderungen an Umweltstudien stärken, damit Landschaft und Natur mehr Bedeutung erhalten. Ich glaube immer noch, dass es Raum für weitere Entwicklungen geben sollte, aber wir müssen die Entwicklungsrate verlangsamen”, so Bru weiter.

Die Ankündigung enthält mehrere Änderungen am Lizenzierungsprozess:

  • Bessere lokale und regionale Verankerung
  • Eigene regionale Behandlung
  • Verschärfter Zeitverlauf mit immer strengeren Fristen
  • Möglichkeit einer vorzeitigen Ablehnung von Windkraftanlagen
  • Bessere Koordination von Produktion und Netzwerk
  • Bessere Ermittlungen, an denen der County Governor teilnehmen wird
  • Bessere Folgenabschätzungen
  • Stärkere Betonung der Umwelt, zum Beispiel auf Geländeinterventionen
  • Anforderungen an die maximale Höhe der Turbinen
  • Strengere Mindestabstandsanforderungen zu den Turbinen
  • Bessere Beteiligung der Rentierhaltung
  • Verstärkte Überwachung während des Baus und des Betriebs
  • Klarere Bedingungen für die Schließung
  • Neue Anforderungen an die Eigentümer hinsichtlich Fachwissen und Präsenz während des Baus
  • Weiterentwicklung der Wissensbasis – bessere Zusammenarbeit zwischen Regierungsbehörden
  • Bessere Informationen für alle Beteiligten
  • Berücksichtigung lokaler Entschädigung

In den letzten Jahren gab es in Norwegen immer wieder Proteste gegen die Onshore-Windenergie. Neben norwegischen Unternehmen spielen ausländische Investoren beim Bau von Windkraftanlagen eine große Rolle. Die Organisation Motvind, Initiator zahlreicher Proteste, hat gegenwärtig etwa 11.000 Mitglieder. 

Finden Sie hier den Bericht zur Entwicklung der Windenergie in norwegischer Sprache.

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