Norwegens Eisenbahndirektion legt Strategie für Fernverkehr, Güterverkehr und öffentlichen Nahverkehr in Ostnorwegen vor

Die norwegische Eisenbahndirektion hat drei neue Berichte vorgelegt, die sich mit der Entwicklung der Eisenbahn bis zum Jahr 2050 befassen.
Die norwegische Eisenbahndirektion hat drei neue Berichte veröffentlicht, die sich mit der Entwicklung des Eisenbahnnetzes bis 2050 befassen.©Øystein Grue / Norwegische Eisenbahndirektion

Oslo, 8. April 2026. Norwegens Bedarf an Personen- und Gütertransport wird in Zukunft im Einklang mit dem erwarteten Bevölkerungswachstum bis 2050 steigen. Ambitionierte Klima- und Umweltziele erfordern zudem eine Reduzierung der Emissionen und der Flächennutzung im Verkehrssektor. Das sind die Kernpunkte der Strategien für den Fernverkehr, den Güterverkehr und den öffentlichen Nahverkehr in Ostnorwegen, die die norwegische Eisenbahndirektion Jernbanedirektoratet vorgelegt hat.

„Bis Mitte des Jahrhunderts werden wir mehr Einwohner haben, insbesondere in und um die Großstädte. Das erfordert mehr Transportkapazität für Personen und Güter. Ohne die Eisenbahn werden wir diese Herausforderungen nicht bewältigen können“, erklärt die Eisenbahndirektorin Anne Iren Fagerbakke.

Die drei Berichte bilden die Grundlage für die Arbeit am nächsten nationalen Verkehrsplan, der im Jahr 2028 vorgelegt werden soll.

Bahn statt Flugzeug

Die Strategie für den Fernverkehr basiert darauf, dass Reisen mit dem Flugzeug auf die Bahn verlagert werden, um mit dem Ausbau langer Strecken zur Erreichung der Klimaziele und zum Übergang zu einer emissionsarmen Gesellschaft beizutragen.

„Kürzere Reisezeiten und häufigere Abfahrten seien die wirksamsten Instrumente im Wettbewerb um Fahrgäste zwischen den Großstädten. Aber auch ein besseres Reiseerlebnis und der Einsatz von Preisinstrumenten wirken sich positiv aus. Die Kombination mehrerer Instrumente stärkt die Rolle der Fernzüge und trägt zur Emissionsreduzierung bei“, erklärt Fagerbakke.  

Um mehr Menschen für die Bahn statt für das Flugzeug zu gewinnen, empfiehlt die Eisenbahndirektion, Maßnahmen und Instrumente vorrangig auf den Strecken mit dem größten Marktpotenzial zu konzentrieren. Das größte Potenzial für mehr Reisende bestehe zwischen Oslo und Bergen, wo eine Kombination aus verbessertem Reiseerlebnis, höherem Komfort und Preisvorteilen mit kürzeren Reisezeiten und mehr Abfahrten einen positiven Effekt erzielen kann.   

Schwerlastfahrzeuge und militärische Ausrüstung

Die Güterverkehrsstrategie untersucht die Rolle der Eisenbahn im Güterverkehrssystem mit einer Perspektive bis 2050. Die Eisenbahn verfüge derzeit über einen klaren Wettbewerbsvorteil beim Transport von Containern über lange Strecken und beim Transport großer Gütermengen wie Erz oder Holz. Gerade auf diesen langen Strecken und bei großen Transportmengen sieht die Norwegische Eisenbahndirektion das größte Wachstumspotenzial bis 2050.  

In enger Abstimmung mit dem norwegischen Verteidigungsministerium und der Direktion für Zivilschutz und Katastrophenvorsorge (DSB) wurden bei der Güterverkehrsstrategie auch die militärischen und zivilen Katastrophenschutzbedürfnisse berücksichtigt. Für die militärische Mobilität sind die Strecken Ofotbanen und Meråker sowie die grenzüberschreitenden Strecken in Ostnorwegen von zentraler Bedeutung. Für die zivile Katastrophenvorsorge haben die Verbindungen zwischen Nord und Süd für die Versorgungssicherheit Priorität.

Neuen Nationaltunnel von Oslo S nach Lysaker

Ostnorwegen weist die höchste Bevölkerungsdichte des Landes auf, und die Hälfte aller Arbeitsplätze Norwegens befindet sich in dieser Region. Täglich pendeln rund 185.000 Fahrgäste in die Osloer Innenstadt, Tendenz steigend. Die Transportkapazität des bestehenden Schienennetzes ist während der Hauptverkehrszeiten bereits voll ausgelastet. Daher soll die Bahn in Verbindung mit dem Busverkehr den steigenden Transportbedarf bis 2050 decken. Ein deutlicher Kapazitätsausbau im gesamten Stadtgebiet von Oslo ist erforderlich.

Um die Kapazität in Ostnorwegen zu erhöhen, hat die Eisenbahndirektion bereits eine Reihe von Maßnahmen geplant. Um langfristig mehr Kapazität zur Verfügung zu stellen, erwägt die Direktion den Bau eines neuen Tunnels von Oslo S nach Lysaker. Es handele sich um ein langfristiges Projekt mit hohen Investitionskosten, das frühestens 2052 abgeschlossen sein wird. Die Planungsphase sollte daher in Kürze beginnen, so die Eisenbahndirektorin.

Die drei Strategien werden den Akteuren des Eisenbahnsektors, den Provinzverwaltungen und anderen Interessengruppen zur Konsultation vorgelegt. Der Konsultationszeitraum erstreckt sich von Mitte April bis Mitte Juni.

Laden Sie hier die Strategie für Fernzüge, den Frachtverkehr und den öffentlichen Nahverkehr herunter.

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