Norwegens Energieminister: Enormer Strombedarf für Rechenzentren

Stromverbrauch von Rechenzentren in Norwegen vom 1. Januar 2022 bis 14. April 2026©Elhub.no

Oslo, 15. April 2025. Norwegen gilt aufgrund eines Anteils von 99 Prozent erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung, seines kühlen Klimas und der vergleichsweise niedrigen Strompreise als attraktiver Standort für Rechenzentren. Jüngste Entwicklungen bestätigen das wachsende Interesse: Innerhalb weniger Jahre ist der Bedarf an Netzanschlüssen von Rechenzentren laut einer Studie des Norwegischen Datencenter-Verbandes auf über 45 TWh gestiegen. Seit dem 1. Februar dieses Jahres habe es Anfragen nach einer Kapazität von bis zu 5.000 Megawatt im Stromnetz für Rechenzentren gegeben, erklärte Norwegens Energieminister Terje Aasland auf der Konferenz Kampen om Kraften (Kampf um den Strom) am 9. April in Oslo.

Prognostizierter Strombedarf von Rechenzentren in Norwegen

Der Stromverbrauch von Rechenzentren wird voraussichtlich von einem Prozent auf elf Prozent des gesamten Strombedarfs in Norwegen bis 2050 steigen.©Thema Consulting Group

„Was derzeit boomt, sind Rechenzentren. Die Nachfrage steigt enorm. Wir müssen das irgendwie in den Griff bekommen“, erklärte der Minister auf dem Podium. Über diese Zahlen wurde auf der Konferenz heftig diskutiert. „Es ist sehr gut, dass viele Menschen in Norwegen investieren wollen. Angesichts des explosionsartigen Wachstums der Nachfrage nach Rechenzentren liegt es im nationalen Interesse, dass wir die benötigten Investitionen anziehen können“, sagte Energieminister Terje Aasland gegenüber E24. Aasland erwägt, Rechenzentrumsbetreiber direkt zu akquirieren, anstatt Immobilienentwicklern, die Grundstücke vorbereiten und an Rechenzentren weiterverkaufen wollen, das Geschäft zu überlassen.

Reynir Johannesson, CEO des norwegischen Rechenzentrumsverbands, relativiert die Aussagen des Ministers. „Rechenzentren sind derzeit ein relativ kleiner Verbraucher. Wir schätzen, dass Rechenzentren um das Jahr 2040 vielleicht zehn Prozent des Stroms verbrauchen könnten, wenn dies von der Bevölkerung und den Politikern akzeptiert wird“.

Die Entwicklung der Rechenzentren in Norwegen wird kurzfristig durch mehrere komplexe Faktoren und langfristig durch begrenzte Netzkapazität und verfügbare Erzeugungskapazität eingeschränkt, schätzt der Verband der Rechenzentren ein. In seinem Entwicklungsszenario, erarbeitet von dem Unternehmen
THEMA Consulting, erwartet der Verband, dass der Strombedarf von Rechenzentren von 1,6 TWh im Jahr 2024 auf 18 TWh im Jahr 2040 steigen wird – mehr als das Zehnfache.

Erwarteter Strombedarf von Rechenzentren in Norwegen nach verschiedenen Prognosen

©Thema Consulting Group

Alle Prognosen stimmen darin überein, dass der Strombedarf von Rechenzentren in Norwegen in den kommenden Jahren deutlich steigen wird. Prognosen für die Zeit nach 2035 unterscheiden sich jedoch hinsichtlich des Wachstumsumfangs und -tempos erheblich. Diese Divergenz sei vor allem auf verschiedene Unsicherheiten und unterschiedliche Annahmen der Analysten zurückzuführen, heißt es in dem Bericht von Thema Consulting Group. Eine der wichtigsten Variablen sei die Geschwindigkeit des technologischen Fortschritts, insbesondere bei der Entwicklung und Verbreitung künstlicher Intelligenz. Die Geschwindigkeit der KI-Einführung und die Energieintensität zukünftiger KI-Modelle werden den Strombedarf beeinflussen.

Ein weiterer Schlüsselfaktor sei die Attraktivität Norwegens als Standort für internationale Rechenzentrumsbetreiber. Diese hänge nicht nur von der Kostenwettbewerbsfähigkeit ab, sondern auch von Faktoren wie Strompreisen, der Verfügbarkeit erneuerbarer Energien, dem Netzzugang und der regulatorischen Stabilität. Darüber hinaus spielten Annahmen über den zukünftigen Ausbau des norwegischen Stromnetzes und die Geschwindigkeit, mit der Infrastrukturengpässe behoben werden, eine zentrale Rolle in den langfristigen Prognosen. Weitere Unsicherheiten bestehen darin, wie viele Wasserstoff- und Ammoniakprojekte realisiert werden und ob diese mit Rechenzentren um Netzzugang und Strom konkurrieren. Zudem würden zukünftige politische Rahmenbedingungen und Genehmigungsverfahren Tempo und Umfang neuer Investitionen in Rechenzentren prägen.

Stromverbrauch von Rechenzentren in Norwegen 2022-2024

in TWh; ©Theme Consulting Group/Angaben: Elhub

Der tatsächliche Stromverbrauch von Rechenzentren hat sich zwischen 2022 und 2024 nahezu verdoppelt und ist von 0,8 TWh auf 1,6 TWh gestiegen. Gleichzeitig hat die Nachfrage nach neuen Netzanschlüssen stark zugenommen. Bis 2023 hatte Statnett Kapazitätsreservierungen in Höhe von insgesamt 17 TWh genehmigt, während weitere 27 TWh in der Warteschlange standen, bis die Kapazität verfügbar war. Dies impliziere einen Gesamtbedarf, der etwa 30-mal höher ist als der aktuelle Verbrauch, heißt es in dem Bericht.

Finden Sie hier den Bericht

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