
Oslo, 19. Februar 2026. Die EU-Kommission plant, den Einsatz öffentlicher Gelder in der Wirtschaft an eine Produktion in Europa zu knüpfen. In einem neuen Gesetz, dem „Industriebeschleunigungsgesetz“, das in der kommenden Woche vorgestellt werden soll, will sie öffentliche Aufträge und Fördergelder nur dann vergeben, wenn die Unternehmen unter dem Motto „Made in Europe“ wesentliche Teile der Produktion oder Dienstleistungen innerhalb der EU erbringen. Ziel ist es, die europäische Industrie im Wettbewerb mit China und den USA zu stärken. Bei einem Besuch des EU-Ratspräsidenten António Costa in Oslo waren EU-Wettbewerbsbedingungen Teil der Gespräche mit Norwegens Premierminister Jonas Gahr Støre.
Norwegen ist über das Abkommen zum Europäischen Wirtschaftsraum (EWR), zu dem auch die Schweiz und Liechtenstein gehören, Teil des europäischen Binnenmarktes, aber nicht Teil der europäischen Zollunion. Im November vergangenen Jahres hatten die EU-Mitgliedstaaten beschlossen, globale Schutzmaßnahmen für verschiedene Ferrolegierungen einzuführen, die auch Norwegen betrafen.
Vor diesem Hintergrund will Norwegen nun sicherstellen, dass das Land bei „Made in Europe“ oder „Buy European“ nicht ausgeschlossen wird. Gegenüber der norwegischen Nachrichtenagentur erklärte Støre vor einigen Tagen: „Ich habe auf der Sicherheitskonferenz in München mit Ursula von der Leyen darüber gesprochen. Und sie hat ganz klar gesagt, dass Norwegen mit einbezogen ist, wenn wir über Europa sprechen.“ Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem EU-Ratspräsidenten unterstrich er, dass Norwegen ganz klar Teil Europas ist. „Der Binnenmarkt ist unser Markt. Der EWR bringt Verpflichtungen und Rechte mit sich. Wir werden einen Mechanismus finden, damit die Hauptpartner der EU keine Wettbewerbsnachteile haben werden. Wir müssen das Problem tatsächlich ansprechen, inwieweit Europa auf seine Wettbewerbsfähigkeit, seine Innnovationskapazitäten und seine Rolle im globalen Markt achtet.“ Norwegische Unternehmen würden in strategisch wichtigen Sektoren zur europäischen Widerstandsfähigkeit beitragen. „Daher ist es ist wichtig, dass alle EWR-Staaten einbezogen werden, wenn wir die europäische Industrie schützen und Wertschöpfungsketten sichern wollen. Dies liegt in unserem gemeinsamen Interesse“, so der Premierminister.
Themen des Gesprächs mit Costa waren auch die Unterstützung der Ukraine, die Vertiefung der Zusammenarbeit zwischen Norwegen und der EU, wirtschaftliche und sicherheitspolitische Herausforderungen der EU, gemeinsame Verteidigungsinitiativen, die transatlantischen Beziehungen und die neue Arktis-Strategie der EU. Costa unterstrich, dass Norwegen nicht nur ein verlässlicher Partner ist, sondern auch Teil der europäischen Familie und ein guter Freund. Besonders betonte er die Rolle Norwegens als verlässlichen Energielieferanten. Gefragt nach den Perspektiven der EU-Mitgliedschaft der Ukraine, erklärte der EU-Ratspräsident, dass die Erweiterung der EU eine der wichtigsten Initiativen sei. Die EU wolle formal die Verhandlungen eröffnen. Es sei wichtig, nicht das Momentum zu verpassen. Allerdings könne jetzt noch kein Zeitpunkt der EU-Mitgliedschaft genannt werden. Letztlich hänge eine Mitgliedschaft von der Erfüllung spezieller Kriterien ab.
Präsident Costa besuchte außerdem das Ullevål-Krankenhaus und das Norwegische Verteidigungsforschungsinstitut in Kjeller, wo ihn der Minister für Entwicklungszusammenarbeit Åsmund Aukrust bzw. der Außenminister Espen Barth Eide vonseiten der Regierung empfingen.
Im Krankenhaus Ullevål konnte Costa sich von der norwegischen Expertise im Bereich der Notfallvorsorge überzeugen. Das sogenannte CBRNE-Zentrum ist für die Behandlung von Verletzungen durch besonders gefährliche chemische Substanzen, giftigen Rauch, radioaktive Strahlung und biologische Infektionserreger gerüstet.
In Kjeller wurden dem EU-Ratspräsidenten norwegische Verteidigungsinnovationen vorgestellt. Darüber hinaus besichtigte er ein EU-finanziertes Projekt zur Entwicklung der weltweit größten autonomen Militärdrohne zur Minenräumung (Eurosweep).
