Kollaps des Reisezugverkehrs auf der Nordlandsbanen

Der bereits vorher bestehende Mangel an Lokomotiven für die Nordlandsbanen wird durch den Unfall bei Bjerka vollends zur Tragödie. Die stark nachgefragten Nachtzüge zwischen Trondheim und Bodø können auf unbestimmte Zeit nicht mehr geführt werden, die Tageszüge noch lediglich zwischen Trondheim und Mo i Rana. ©Jürg Streuli

21. November 2024. Auf der Nordlandsbanen von Trondheim nach Bodø werden auf unbestimmte Zeit keine Nachtzüge mehr fahren, weil ein prekärer Mangel an Lokomotiven der Baureihe Di 4 besteht. Es gibt keine alternative Reisemöglichkeit. Der schon bestehende Mangel an geeigneten Lokomotiven wird durch den Verlust der verunfallten Di 4 653 am 24. Oktober bei Bjerka noch verschärft. Der Lokomotivführer hat bei dem Unfall dabei sein Leben verloren. 

Gegenwärtig können alle Züge nach Norden lediglich bis Mosjøen verkehren. Der durchgehende Zugverkehr kann Ende November gemäß Bane Nor wieder aufgenommen werden. Doch auch danach verkehren die beiden Tageszüge lediglich zwischen Trondheim und Mo i Rana. Weiter nach Bodø muss auf dem nördlichen Abschnitt weiterhin auf Autobusse umgestiegen werden, während die beiden stark frequentierten Nachtzüge komplett ausfallen.  

Visit Norway wirbt auf seiner Website: „Fahren Sie über 293 Brücken, reisen Sie durch 154 Tunnel und überqueren Sie sogar den Polarkreis! Norwegens längste durchgehende Zugstrecke ist wirklich eine epische Reise“. Jetzt teilt die Tourismusagentur mit: „Der Zugverkehr ist vorübergehend eingestellt.“©Visit Norway

SJ Nord hat die staatliche Fahrzeugverwaltung Norske tog wiederholt auf die Notwendigkeit für mehr Lokomotiven als Reserve für die überalterten und störungsanfälligen Di 4 hingewiesen, bis dann erst im Jahr 2029 die neuen Stadler-Triebzüge abgeliefert werden. Beschlossen wurde kürzlich die Totalrevision der Di 4, was jedoch wegen der schwierigen Beschaffung von Ersatzteilen bis Mai 2025 andauern wird. Die meisten mietbaren Diesellokomotiven ziehen Güterzüge und besitzen keine Ausrüstung für die Versorgung von Reisezugwagen mit elektrischer Energie. Eine geeignet Ersatzmöglichkeit wäre die in Deutschland noch immer eingesetzte höchst bewährte in der Sowjetunion gefertigte „Ludmilla“.

Jürg Streuli, Fachjournalist
juerg.streuli@hispeed.ch

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