
Oslo, 24. Oktober 2024 (aktualisiert 28. Oktober, 8.00 Uhr). Am 24. Oktober um 14.15 Uhr entgleiste auf der Nordlandsbanen der Tageszug von Trondheim nach Bodø zwischen Bjerka und Mo i Rana. Auf der mit vielen engen Kurven unübersichtlichen Strecke fuhr der Reisezug von SJ Nord in einen Felssturz. Die Lokomotive der Reihe Di4 und die fünf Wagen des Zuges stürzten den Hang hinunter bis zur dem Finneidfjord entlang führenden Europastraße. Dabei ist der Lokomotivführer Rolf Henry Ankersen ums Leben gekommen.
Die rasch eintreffenden Rettungskräfte haben die 46 Reisenden und drei Mitarbeiter des Zugspersonals und Buffetwagens durch die Fenster evakuiert. Vier Reisende wurden mit schweren Verletzungen von einem Rettungshubschrauber ins Krankenhaus gebracht. Mit einem Dienstzug aus Mosjøen wurden die Reisenden evakuiert. In Mo i Rana und in Mosjøen wurden Aufnahmezentrum für Betroffene eingerichtet. Aus der Diesellokomotive austretender Treibstoff gelangte ins Fjordwasser, weshalb Schwimmbarrieren eingesetzt wurden. Auch über die Bergung hinaus werden die Nordlandsbanen und die Europastraße so lange gesperrt sein, bis die Gefahr von weiteren Felsstürzen geklärt und beseitigt ist. Zunächst droht die Gefahr, dass der Zug weiter hinunterstürzen könnte. Die Statens havarikommisjon und der Infrastrukturbetreiber haben begonnen, den Unfall zu untersuchen.
Inzwischen wurde bekannt, dass bereits am 3. Oktober 2016 ein Reisezug auf demselben wegen seiner Hanglage kritischen Streckenabschnitt in einen Erdrutsch fuhr und dabei entgleiste. Zwei Reisende erlitten dabei leichte Verletzungen. Wie Bane Nor nach dem Zugsunglück von letzter Woche erklärt hat, wurden im fraglichen Gebiet mehrfache bauliche Schutzmaßnahmen umgesetzt. Im Jahr 2018 wurden an der Stelle, an der sich letzte Woche die Entgleisung ereignete, umfangreiche Sicherungsarbeiten mit Netzen und Bolzen ausgeführt. Nach einem Lawinenabgang im Jahr 2015 wurde ein Geländegraben angelegt und im Herbst 2016 wurden Massnahmen zur Geländeräumung realisiert.
Zum ohnehin bestehenden Mangel an Diesellokomotiven der Reihe Di4 infolge häufigen Schadensfällen kommt nun dieser Verlust hinzu. Es ist fraglich, ob die verunfallte Lokomotive noch repariert werden kann. Die bestellten neuen Stadler-Triebzüge werden erst in drei Jahren abgeliefert. Die Nachtzüge der Nordlandsbanen haben Priorität und werden auch weiterhin gefahren werden. Doch für den Tageszug wird öfters „Buss for tog“ gelten. Eine ersatzweise Variante ist zwischen Trondheim und Mo i Rana einen Stadler-Flirt der Reihe 76 mit seiner Ausstattung für den Vorortsverkehr und ohne Buffetwagen einzusetzen. Weiter nach Bodø auf dem nördlichen Abschnitt dann mit einem Ersatzbus. Auf jeden Fall eine angenehmere Variante, statt wie auch schon praktiziert, über die gesamten 729 Kilometer mit einem Autobus fahren zu müssen.
Jürg Streuli, Fachjournalist
juerg.streuli@hispeed.ch
