Doppelstockzüge in Norwegen vorerst keine Option

In vielen Ländern wie in Schweden sind Doppelstockzüge zur Selbstverständlichkeit geworden, um die hohen Fahrgastzahlen bewältigen zu können. Diese Züge wären auch für die Kapazitätsprobleme im Vorortsverkehr von Oslo eine gute Lösung. Doch zeigt Norske tog dafür keine Begeisterung.©
Mälartåg

Oslo, 29. Juli 2024. Im Jahr 2017 war es fast soweit: Damals hatte der als Folge der Eisenbahnreform neu gegründete staatliche Infrastrukturbetreiber Bane Nor die Beschaffung von Doppelstockzügen für den Vorortsverkehr von Oslo ausgeschrieben und dabei auch die Möglichkeit von Leasingverträgen geprüft. Danach wurde über die eingegangenen Offerten jedoch Stillschweigen bewahrt und das ganze Unterfangen gestrichen. Der Grund dürfte in den notwendigen Investitionen für bauliche Maßnahmen in die Infrastruktur liegen. Denn für Doppelstockzüge müssten wie auf der Østfoldbanen teilweise Tunnel abgesenkt und Brücken sowie der Fahrdraht angehoben werden.

Doch haben zahlreiche andere Länder diese Maßnahmen auch bewältigt und fahren wie in Dänemark und Schweden längst auch mit Doppelstockzügen. Diese haben den großen Vorteil, bei gleicher Anzahl von Zügen und gleicher Zugslänge etwa 40 Prozent mehr Fahrgäste befördern zu können. Ein unschätzbarer Vorteil gerade auf einspurigen Strecken, wo die Kapazitäten für mehr Züge meistens fehlen. 

In den vergangenen Jahren ist die Anzahl der Fahrgäste im Vorortsverkehr von Oslo kontinuierlich angestiegen. Besonders auf der Østfoldbanen von Halden nach Oslo sind die Pendlerzüge notorisch überfüllt. Abgesehen vom fehlenden Komfort sind derartige Zustände mit Stehplätzen bei Unfällen auch ein Sicherheitsrisiko. Der Pendlerverband hält es für dringend notwendig, das Projekt für Doppelstockzüge zu beschleunigen. Dies dürfte allerdings ein frommer Wunsch bleiben. Denn Bane Nor hat sich anders entschieden und bei Alstom 55 einstöckige Regionalzüge des Typs Coradia Nordic bestellt, deren Lieferungen gegen Ende 2025 beginnen sollen. Obschon im neuen Nationalen Verkehrsplan finanzielle Mittel von 5,9 Milliarden Kronen für Doppelstockzüge bereitgestellt werden, kann es noch bis in die 2030er Jahre dauern, bis solche Züge in Norwegen eingesetzt werden können, um für die Fahrgäste endlich größere Kapazitäten bereitzustellen. 

Jürg Streuli, Fachjournalist
juerg.streuli@hispeed.ch

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