EU-Gesetzentwurf zu “Fit for 55”: Wintershall Dea fordert technologieoffenen Pfad statt ausschließlich erneuerbare Energien

Das Gas- und Ölunternehmen Wintershall Dea hat in der norwegischen See in der Region Haltenbanken im ersten Halbjahr die bedeutendste Entdeckung von Gas, Kondensat und Öl in Norwegen gemacht.©Wintershall Dea

Brüssel, 14. Juli 2021.  Mario Mehren, CEO des Öl- und Gaskonzerns Wintershall Dea, geht davon aus, dass die EU-Klimaziele auf einem technologieneutralen Pfad deutlich günstiger zu erreichen sind als bei einem Politikansatz, der ausschließlich auf Erneuerbare Energie setzt. Laut Berechnungen der Hydrogen4EU-Studie könnten bis 2050 jedes Jahr 70 Milliarden Euro einsgespart werden – in Summe über zwei Billionen Euro. Als Reaktion auf das Gesetzespaket der EU-Kommission, das am 14. Juli vorgestellt wurde, erklärte Mehren: „Wir dürfen keine Zeit verlieren. Wie die Europäische Kommission sehen auch wir die dringende Notwendigkeit für rasches Handeln, um die Klimaziele zu erreichen. Das schließt den Einsatz von Erdgas statt Kohle zur Stromerzeugung und die Verwendung neuer Technologien ein.”

Rat, Kommission und Parlament sollten das Prinzip der Technologieoffenheit zum Leitsatz der weiteren legislativen Ausgestaltung machen. Dieses Vorgehen sollte durch den Maßstab der CO2-Vermeidungskosten flankiert werden, so Mehren weiter. Die entscheidenden Beiträge, die Gas zur Dekarbonisierung leisten kann, sollten immer mitbedacht werden. Gasförmige Energieträger seien neben Strom als zweites, flexibles Standbein einer europäischen Energiewende notwendig und zukunftsfähig.

Wintershall selbst will die Treibhausgasemissionen der gesamten Rohstoffförderung (Scope 1 und 2) bis 2030 auf Netto-Null senken. Dies gilt für eigenoperierte Projekte wie auch anteilig für die mit Partnern operierten Projekte – weltweit. Die eigene Methan-intensität will Wintershall Dea über 2025 hinaus auf unter 0,1 Prozent halten. Damit die Emissionen bei der Nutzung der geförderten Rohstoffe verringert werden, arbeitet Wintershall Dea intensiv an neuen Technologien im Bereich Wasserstoff und CCS (Carbon Capture and Storage).

Wintershall Dea-CEO Mario Mehren

Lesen Sie hier die Standpunkte von Mario Mehren zu einzelnen Bestandteilen des Paketes “Fit for 55”:

ETS: „Wir sehen in der Bepreisung von CO2 ein Schlüsselelement für eine erfolgreiche europäische Energiewende. Das europäische Emissionshandelssystem hat entscheidend zu einer kosteneffizienten CO2-Reduktion beigetragen – und vor allem einen Push für den sogenannten Coal-to-Gas-Switch geliefert. Diese Umstellung von Kohle- auf Gasverstromung kann auch in Zukunft noch wichtige Klimaschutzbeiträge leisten. Die weitere Stärkung dieses Systems kann die Funktion des ETS als Klimaschutzmotor weiter forcieren.“

Revision RED II: „Strom macht in Deutschland und Europa nur einen kleinen Teil am Endenergieverbrauch aus (20 Prozent in Deutschland). Daher sollte bei der Revision der RED II breiter gedacht und auch das Potenzial dekarbonisierter Gase berücksichtigt werden. Eine wesentliche Voraussetzung für die Erschließung dieses Potenzials ist die Einführung handelbarer Herkunftsnachweise auf Basis des „book-and-claim-Systems“. An diesem System müssen sowohl erneuerbare wie auch klimaschonende Gase teilnehmen können – eine Aufsplitterung würde den Aufbau eines starken und liquiden europäischen Wasserstoffmarktes verhindern.“

Revision Energieeffizienzrichtlinie (EED): „Maßnahmen zur weiteren Steigerung der Energieeffizienz sind von essenzieller Bedeutung, wenn wir die europäischen Klimaziele erreichen wollen. Aber eine erhöhte Energieeffizienz ist kein ‘Ziel an sich’, sondern ein Instrument zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes. Insofern steht es auch im Wettbewerb mit anderen Klimaschutzinstrumenten. Ein ‘efficiency-first’-Prinzip sehen wir daher kritisch. Energieeffizienz darf nicht ausschließlich als absolutes Einsparziel missverstanden werden. Sie muss unter anderem auch das übergeordnete Ziel der THG-Reduktion und die Notwendigkeit von Flexibilität aufgrund des steigenden Anteils erneuerbarer Energien berücksichtigen.“

CBAM: „Die Vermeidung von Carbon-Leakage ist wichtig für die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes Europa. Der Mechanismus sollte vor allem als wirksamer politischer Hebel in den internationalen Klimaschutzverhandlungen eingesetzt werden. Zuvor sollten sorgfältig alle damit verbundenen Chancen und Risiken abwogen und mit Alternativen verglichen werden. Eine zentrale Rolle muss dabei die WTO-Kompatibilität sein.“

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