Hoher Verbrauch natürlicher Ressourcen als größte Herausforderung für Norwegens Nachhaltigkeitsziele

Oslo, 23. Juni 2021. Jeder Norweger verbraucht pro Jahr 44 Tonnen natürliche Ressourcen. Damit liegt das Land bezüglich der Konsumtion pro Einwohner weltweit mit an der Spitze. Das bedeutet, dass 3,2 Erden benötigt würden, wenn alle Menschen so viel Ressourcen verbrauchen würden wie die Norweger. Dies geht aus dem am 23. Juni vorgestellten Bericht Voluntary National Review über die Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele in Norwegen hervor, den die Regierung zum zweiten Mal auf freiwilliger Basis erstellte. Er wird am 14. Juli auf dem hochrangigen UN-Forum zur Weiterverfolgung der Nachhaltigkeitsziele (HLPF) präsentiert. Das Ziel von Voluntary National Reviews besteht darin, den Austausch von Erkenntnissen zu unterstützen und das Engagement für grenzüberschreitende Nachhaltigkeitsziele zu stärken.

Der Bericht überprüft, wo das Land bei der Erreichung eines jeden Teilziels steht und beschreibt, wie die Arbeit mit den Nachhaltigkeitszielen in Norwegen organisiert ist. Ein statistischer Anhang zeigt die Zielerreichung anhand von Indikatoren der UNO.

Norwegen nimmt in vielen internationalen Indizes, die Wohlstand und Entwicklung messen, im Allgemeinen einen hohen Rang ein. Im Index der Sustainable Development Goals (SDG-Index) rangiert Norwegen derzeit auf Platz 6.
Laut SDG-Index schneidet Norwegen bei SDG 1 (keine Armut), SDG 3 (gute Gesundheit und Wohlergehen), SDG 5 (Gleichstellung), SDG 7 (erschwingliche und saubere Energie), SDG 10 (Reduzierung der Ungleichheit) und SDG 17 (Partnerschaften für die Ziele) besonders gut ab. In Bezug auf mehrere SDG-Ziele seien jedoch erhebliche Verbesserungen erforderlich. Dazu gehören die Ziele 6.5 und 6.6 zur Wasserbewirtschaftung und Wiederherstellung zerstörter Wasserökosysteme, Ziel 9.1 zur nachhaltigen Infrastruktur und die Ziele 12.2 und 12.5 zur nachhaltigen Bewirtschaftung und effizienten Nutzung natürlicher Ressourcen sowie zur Verringerung der Abfallerzeugung.

Norwegen gehört wie viele andere westliche Länder zu den 30 Ländern mit den höchsten Treibhausgasemissionen pro Kopf. Im SDG-Index schneidet Norwegen bei SDG 12 (verantwortungsvoller Konsum und Produktion) und SDG 13 (Klimaschutz) am schlechtesten ab. Im Jahr 2019 entsorgte der durchschnittliche Norweger 776 kg Siedlungsabfälle, was deutlich über dem europäischen Durchschnitt von 502 kg liegt. Norwegen hat keines der 20 Ziele zur Biodiversität für 2020 erreicht.

Verfehlt hat Norwegen ebenfalls die Ziele zur Angleichung von arm und reich. Im Gegenteil – die Schere klafft immer weiter auseinander. Der Anteil der Personen, die in Haushalten mit niedrigem Einkommen leben, ist in den letzten zehn Jahren von 8,1 Prozent auf 10,1 Prozent sukzessive gestiegen. Das Armutsrisiko aufgrund fehlender materieller Grundbedürfnisse bleibt auf einem stabilen und niedrigen Niveau. Eine hohe Erwerbsbeteiligung und Maßnahmen zur Förderung des Wirtschaftswachstums haben das Ausmaß und die Schwere der Armut gemindert. Universelle Wohlfahrtssysteme und ein umfassender Sozialstaat haben die allgemeinen Lebensbedingungen verbessert,
insbesondere für einkommensschwache und gefährdete Gruppen. Niedriges Einkommen bei älteren Menschen ist im Laufe der Zeit deutlich zurückgegangen.
Norwegens größte Herausforderung bei der Armutsbekämpfung besteht darin, die gleiche Einkommensverteilung aufrechtzuerhalten und die Erwerbsbeteiligung gefährdeter Gruppen zu erhöhen, um eine Übertragung von Armut auf die nächste Generationen zu verhindern. Die Zunahme der Kinderarmut, insbesondere bei Familien
mit Migrationshintergrund, ist besonders besorgniserregend, heißt es in dem Bericht.

Zusammenfassend kommt der Bericht zu folgenden Ergebnissen:

  • Norwegen schneidet besonders gut bei Nachhaltigkeitszielen ab, die sich mit Armut, Gesundheit, Geschlechtergleichstellung, erneuerbaren Energien, Ungleichheit und Zusammenarbeit befassen. Im SDG-Index liegt Norwegen auf Platz 6 der UN-Mitgliedstaaten.
  • Norwegen schneidet bei den Zielen von Verbrauch, Emissionen und biologischer Vielfalt weniger gut ab.
  • Die Covid-19-Pandemie hat Norwegens Bemühungen zur Erreichung der Nachhaltigkeitsziele beeinträchtigt und die strukturellen Herausforderungen erhöht. Diejenigen, die zuvor am stärksten exponiert waren, waren unter anderem am stärksten betroffen, unter anderem hat die häusliche Gewalt zugenommen, während die andere Kriminalität zurückgegangen ist.
  • Norwegen schneidet bei der digitalen Inklusion besonders gut ab und verfügt seit langem über einige der besten Gesetze der Welt, um sicherzustellen, dass jeder sowohl im öffentlichen als auch im privaten Sektor einbezogen wird.

Der Bericht wurde vom Ministerium für Kommunalverwaltung und Modernisierung und dem Ministerium für auswärtige Angelegenheiten erstellt, enthält aber auch Beiträge aus der Zivilgesellschaft, Wirtschaft, Wissenschaft und KS. Darüber hinaus haben Dänemark und Indonesien ihr Feedback im Rahmen einer gegenseitigen Peer-Review gegeben.

Die Nachhaltigkeitsziele der UN sind der weltweite gemeinsame Arbeitsplan zur Beseitigung der Armut, zur Bekämpfung von Ungleichheit und zum Stopp des Klimawandels bis 2030. 

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