Analyse der norwegischen Sicherheitsdienste: Russland und China als größte Bedrohung

Verstärkte militärische Aktionen der russischen Marine in der Barentssee sieht Norwegen als gefährliche Bedrohung. Im Bild: Am 9. Februar stach der Raketenkreuzer der Nordflotte “Marschall Ustinov” für ein Kampftraining in See©Russisches Verteidigungsministerium

Oslo, 8. Februar 2021. Norwegen sieht sich einer zunehmend komplexeren Bedrohung gegenüber. Im kommenden Jahr würden die Geheimdienste mehrerer Länder große Ressourcen für Geheimdienstaktivitäten in Norwegen ausgeben, schätzt der Auslands-Geheimdienst des Landes in seiner aktuellen Risikobewertung “Focus 21” ein. Ihr Ziel sei es, Informationen zu sammeln und Entscheidungen zu beeinflussen. Russische und chinesische Dienste stellten die größte Bedrohung dar. Auch ausländische Investitionen könnten nur getätigt werden, um Informationen und Technologie zu erhalten.

Verteidigungsminister Frank Bakke-Jensen und Leiter des norwegischen Auslandsg-Geheimdienstes, Vizeadmiral Nils Andreas Stensønes, während der Pressekonferenz. Der Minister hält den Bericht “Focus 2021” in der Hand.©Regjeringen

In einer gemeinsamen Pressekonferenz am Montag stellten die Nationale Sicherheitsbehörde (NSM), der Polizeisicherheitsdienst (PST) und der Ausland-Geheimdienst Norwgens jeweils ihre jährlichen Risiko- und Bedrohungsbewertungen vor.

Als wichtigste Herausforderung betrachtet die  Nationale Sicherheitsbehörde NSM 

  • die Verschärfung des digitalen Risikos;
  • die Erhöhung des Risiko durch die Pandemie, mit der digitale Lösungen wie Fernzugriff und Home Offices umfassend eingeführt wurden, was mehrere Schwachstellen hervorbrachte;
  • die erhöhte Anfälligkeit des Landes durch die Komplexität der Bedrohung. 

Konkret sieht die NSM die Sicherheit des Landes durch die Aktivitäten Russlands im hohen Norden gefährdet. “Russland legt großen Wert auf die Stärkung der nationalen Kontrolle über die natürlichen Ressourcen der Arktis und die strategisch wichtige Nordostpassage. Die Verteidigung der strategischen U-Boote in der Nordflotte und der Zugang zum Atlantik bleiben daher absolut entscheidend. Die militärischen Einrichtungen auf der Kola-Halbinsel und die Nutzung der Barentssee durch die Nordflotte als Trainings- und Übungsgelände sollen vor Bedrohungen aus dem Westen und Norden schützen. Um die Kampffähigkeit der Nordflotte zu unterstützen, baut Russland seine arktische Infrastruktur weiter aus”, heißt es in dem Bericht. 

Der Auslandsgeheimdienst PST erwartet, dass Geheimdienste ausländischer Staaten in diesem (Wahl)-Jahr die norwegische Infrastruktur kartieren werden. Russische Geheimdienstoffiziere würden viel Zeit damit verbringen, den Kontakt zu Menschen in Norwegen aufrechtzuerhalten. Außerdem könnten ausländische, vor alle staatliche Unternehmen versuchen, durch Akquisitionen norwegischer Unternehmen Zugang zu Informationen zu erhalten und Technologien zu erwerben, die sie aufgrund der Exportkontrollbestimmungen und westlicher Sanktionen nicht kaufen können. Darüber hinaus würden einige Staaten norwegische Bildungs- und Forschungseinrichtungen durch illegalen Wissenstransfer ausbeuten. Russland, China, Iran und Pakistan stellen nach Ansicht der Sicherheitsdienste hier die größte Bedrohung dar.

“Negative wirtschaftliche Folgen und mögliche Insolvenzen im Unternehmenssektor können anderen Staaten mehr Möglichkeiten bieten, strategische Akquisitionen in Norwegen durchzuführen”, heißt es in der Bedrohungsanalyse.

Gegenüber der Nachrichtenagentur NTB erklärte PST-Chef Hans Sverre Sjøvold, dass der Sicherheitsdienst eine Reihe von Beispielen für strategische Akquisitionen von Grundstücken aus dem Ausland bemerkt habe. “Dies können Immobilien sein, die sich in einem strategischen Bereich befinden, wie Flughäfen, Häfen oder in der Nähe von Verteidigungsanlagen.”, Die Herausforderung bestehe darin, dass es nur wenige Maßnahmen gebe, um solche Akquisitionen zu verhindern.

Auch die Bedrohung durch den internationalen Terrorismus bleibe hoch.

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