Norwegisches Forschungsinstitut SINTEF leitet EU-Projekt zur autonomen Schifffahrt

Im Hafen Trondheim wird der Einsatz kleiner autonomer Schiffe zum Be- und Entladen von Containern getestet.©SINTEF

3. Juni 2020. Das norwegische Forschungsinstitut SINTEF OCEAN AS wird das Programm Advanced efficient and green intermodal systems (AEGIS)  aus dem EU-Forschungsprogramm Horizon 2020 koordinieren, das am 1. Juni gestartet wurde. Hauptziel von AEGIS ist die Entwicklung eines neuen Wassertransportsystems für Europa, das die Vorteile von Schiffen und Lastkähnen nutzt und gleichzeitig die herkömmlichen Probleme wie die Abhängigkeit von Terminals, hohe Umschlagkosten, niedrige Geschwindigkeit und Häufigkeit sowie geringe Automatisierung bei der Informationsverarbeitung überwindet. Das Gesamtbudget des dreijähriges Forschungs- und Innovationsprojektes beträgt 7,5 Millionen Euro. 40 Prozent der Forschungsgelder gehen an norwegische Teilnehmer.

AEGIS beabsichtigt, Innovationen aus dem Bereich des vernetzten und automatisierten Transports zu nutzen, darunter kleinere und flexiblere Schiffstypen, automatisierter Frachtumschlag, autonome Schiffe, neue Frachteinheiten und neue digitale Technologien, um die Position wiederzugewinnen. 

Die Anforderungen an einen umweltfreundlicheren Transport, die Belastung der Straßensysteme und Staub- und Staubgeräusche machen den See- und Flussverkehr als Alternative zu einem LKW interessant. Der Warentransfer von der Straße zur See ist jedoch sowohl in Norwegen als auch im übrigen Europa geringer als gewünscht. In Norwegen und Europa gibt es ein klares Ziel, den Ferngüterverkehr stärker von der Straße auf das Meer zu verlagern. 

Gemäß dem EU-Verkehrsweißbuch sollten 30 Prozent des Straßengüterverkehrs über 300 Kilomter bis 2030 auf andere Verkehrsträger wie den Schienen- oder Wasserverkehr und bis 2050 auf mehr als 50 Prozent verlagert werden. Bisher ist dieses Ziel spektakulär gescheitert, teilt die EU-Kommission mit. Im Zeitraum 1995 bis 2016 stieg die Gesamtfracht um ca. 30 Prozent. Der Anteil des Straßenverkehrs in Tonnenkilometern innerhalb der EU nahm zu, während der Anteil der Kurzstreckenseeschifffahrt (SSS) zurückging. Im Landesinneren war ein leichter Rückgang zu verzeichnen.

Durch die Verwendung einer Kombination aus größeren Schiffen in der Schnellschifffahrt und vielen kleinen Fähren soll AEGIS ein neues Transportsystem mit geringem Lärm und Emissionen sowie einer Flexibilität schaffen, die sowohl kleine Kais entlang der Fjorde als auch in Innenstädten bedienen kann. AEGIS wird auch ähnliche Lösungen für den direkten Anschluss von Frachtschiffen an Binnenwasserstraßen in Nordeuropa prüfen. Neue Lösungen für umweltfreundliche und benachbarte Häfen in den Städten sind ein wichtiger Teil des Projekts.

Die Hauptidee von AEGIS ist die vollständige Automatisierung des Frachtumschlags beim Umladen von großen auf kleine Fahrzeuge. Dies spart Transportzeit für die großen Schiffe, erhöht die Häufigkeit und Flexibilität der kleinen Charterboote und ermöglicht die Schaffung neuer zukunftsorientierter Hafenlösungen auch in den Städten. Automatisierung und Effizienz sind unerlässlich, um die Umschlagkosten zu senken, was heute ein großes Problem für den Seeverkehr darstellt. Daher sollen die Forscher technische Lösungen für drei verschiedene Umschlagpunkte von Seeschiffen zu lokalen Verteilungssystemen analysieren und vorschlagen.

Teil A ist norwegisch und wird von der norwegischen NORTH SEA CONTAINER LINE AS  in Zusammenarbeit mit dem Hafen von Trondheim verwaltet. Kleine Schifffahrtsboote sind mit Containerschiffen verbunden, die an Offshore-Terminals umgeladen werden. Kleine Boote können Ziele sowohl in abgelegenen Gebieten als auch in städtischen Gebieten bedienen, während der Liner gleichzeitig Zeit spart, da er nicht in die Fjorde einfahren muss. 

Teil B befindet sich im BeNeLux-Bereich und wird von DFDS verwaltet. Es wird die Frachtfähren von DFDS mit ähnlichen Lösungen wie in Teil A mit dem Flussverkehr verbinden. 

Teil C wird vom Hafen von Aalborg in Dänemark in Zusammenarbeit mit dem Hafen von Vordingborg verwaltet und untersucht, wie die Automatisierung zur Rationalisierung städtischer und regionaler Häfen und damit zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit gegenüber dem Straßenverkehr eingesetzt werden kann.

Die finnischen Unternehmen Kalmar und MacGregor der Cargotec-Gruppe werden Technologien für den Frachtumschlag an Bord von Schiffen und in Häfen entwickeln. Der norwegische IT-Entwickler für Logistiklösungen Grieg Connect ist zuständig für digitale Lösungen zur Unterstützung des automatischen Güterverkehrs. Forschungspartner sind das Institut für Strukturleichtbau und Energieffiezienz in Deutschland, die Technische Universität Dänemark, die Universität Aalborg und SINTEF Ocean.

„Die Zuweisung an das AEGIS-Projekt ist eine Anerkennung und eine weitere Stärkung der führenden Position Norwegens bei der Entwicklung der autonomen Schifffahrt. Der Schwerpunkt des Projekts auf Hafenbetrieb und Frachtumschlag ergänzt andere norwegische Großprojekte wie das EU-Projekt AUTOSHIP, das sich hauptsächlich mit dem Schiff befasst”, erklärt Vegar Johansen, Geschäftsführer von SINTEF Ocean.

SINTEF Ocean betreibt Forschung und Innovation im Zusammenhang mit dem Meeresraum für die nationale und internationale Industrie. Ziel des Instituts ist es, Norwegens führende Position in der Meerestechnik und Biomarinforschung zu festigen. Das Unternehmen beschäftigt 340 Mitarbeiter und hat seinen Hauptsitz in Trondheim sowie Niederlassungen in Tromsø, Hirtshals, Oslo, Ålesund und Bergen.

Kontakt
Ørnulf Jan Rødseth, SINTEF Ocean
Tel.: +47 930 94 401
OrnulfJan.Rodseth@sintef.no

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