Storting-Aktionsplan: Mehr Geld für umweltfreundliche Schifffahrt

Das norwegische Parlament will im Nachtragshaushalt mehr Geld für eine umweltfreundliche Schifffahrt zur Verfügung stellen. Im Bild: Das norwegische Start-up Flying Foil testet im Trondheim-Fjord den Prototypen eines emissionsfreien Schnellboot-Katamerans. Die Technologie kann an alle Hochgeschwindigkeitboote angepasst werden.©Flying Foil

Oslo, 31. März 2020. Norwegen nutzt die Maßnahmen zur Unterstützung der Wirtschaft in der Corona-Krise auch zur Förderung der Branchen, die zur Erreichung der Klimaziele von großer Bedeutung sind. Das Storting befasste sich am 31. März mit dem Paket finanzieller Maßnahmen, das die Regierung am 27. März vorgelegt hat. In den vom Parlament verabschiedeten Veränderungen zum Staatshaushalt zielen einige auf die Förderung der umweltfreundlichen Schifffahrt und den Ausbau erneuerbarer Energien.  

Wie Hege Økland, Geschäftsführerin des maritimen Clusters NCE Maritime CleanTech, erklärte, habe das Cluster entsprechende Vorschläge zur Förderung der Technologien im Umweltbereich, speziell zur Entwicklung emissionsfreier Schnellboote, unterbreitet. Es sei erfreulich, so Økland, dass diese in die Entscheidung des Parlaments eingeflossen sind. 

Die Ausgaben zur Förderung von Technologien im Umweltbereich sollen um 185 Millionen NOK auf 750 Millionen NOK erhöht werden. Unter anderem fordert das Storting die Regierung auf, in dem überarbeiteten Budget (Mai 2020) Entwicklungsverträge für emissionsfreie Schnellboote zu berücksichtigen. Außerdem soll die Regierung die Investitionsentscheidung  zur Abscheidung und Speicherung von Kohlenstoff vorantreiben und die entsprechenden Ausgaben spätestens im Staatshaushalt 2021 vorlegen. Außerdem sollen Untersuchungen zur Abscheidung von Kohlenstoff für die Verbrennungsanlagen in Bergen, Trondheim und Stavanger eingeleitet werden. 

Darüber hinaus soll das Budget für einen Aktionsplan für umweltfreundliche Schifffahrt mit einhundert Millionen NOK verdoppelt und ein Finanzierungsprogramm für den Ersatz der Kurzstreckenflotte vorbereitet werden. Auch werden Finanzierungsmodelle gefordert, die die Entwicklung und Realisierung schwimmender Offshore-Windparks ermöglichen.

Das Parlament erwartet im überarbeiteten Haushaltsplan außerdem Vorschläge für weitere Klimaschutzmaßnahmen auf dem norwegischen Festlandsockel, um der norwegische Zulieferindustrie neue Betätigungsmöglichkeiten zu eröffnen. Schließlich sollen auch die finanziellen Mittel für das NCE Maritime CleanTech um 50 Millionen NOK aufgestockt werden.

In einem Beitrag des maritimen Magazins Sysla hatte Hege Økland Ende März fünf konkrete Vorschläge unterbreitet, die im Zusammenhang mit der Corona-Krise mehr Exporte ermöglichen und den grünen Wandel vorantreiben können. 

1. Unterstützung laufenden Innovationsprojekte. Wie Økland erklärte, sei das Portfolio an grünen Innovationsprojekten in der maritimen Industrie groß und habe ein großes Exportpozential. Viele der Innovationsprojekte seien bereits durch die Unterstützung von Enova, Innovation Norway oder dem Forschungsrat vom Risiko entlastet worden. Die Projekte erhalten maximal 50 Prozent öffentliche Unterstützung auf der Grundlage der budgetierten Kosten, und diese Unterstützung werde nach Projektende ausgezahlt. Nun allerdings würden mehrere Projekte Gefahr laufen, gestoppt zu werden, weil die Unternehmen nicht über ausreichende Liquidität verfügen oder weil die Projekte aufgrund der schwachen Krone oder anderer Bedingungen infolge des Corona-Virus teurer werden. Es sei wichtiger denn je, das Innovationstempo aufrechtzuerhalten. Die Basis der  Unterstützung müsse neu bewertet werden. Um eine Liquiditätskrise zu verhindern, müsse die Unterstützung vor dem Ende des Projekts gezahlt werden. 

2. Pilotprojekt für elektrische und autonome Stadtboote jetzt starten. In Zusammenarbeit mit der Gemeinde Haugesund untersucht NCE Maritime CleanTech, wie kleine elektrische und autonome Boote in den öffentlichen Stadtverkehr einbezogen werden können. Viele Städte in Norwegen suchen nach ähnlichen Lösungen, um ihr Straßennetz zu entlasten. Jetzt sei es an der Zeit, so Økland, das erste Pilotprojekt zu finanzieren, das den Weg für mehrere ähnliche Stadtbootprojekte ebnen und ein großartiges Schaufenster für viele der größten Städte der Welt sein kann.

3. Entwicklungsvertrag für ein emissionsfreies Expressboot an – vorzugsweise vor Sommer 2020. Der Vestland County Council hat entschieden, dass die Schnellboote, die in der Region eingesetzt werden, ab 2024 emissionsfrei unterwegs sein werden. Um dieses Ziel zu erreichen, müsse die Technologie entwickelt und demonstriert werden, und es müssten Vorschriften in Bezug auf Sicherheit und Betrieb vorhanden sein. So wie die weltweit erste elektrische Fähre, die MS Ampere, den Weg für elektrische Fähren insgesamt geebnet habe, müssten jetzt die Schnellboote folgen. Der Staat müssen Mittel bereitstellen, die die zusätzlichen Kosten der Bezirksgemeinden decken. Man sollte die Zeit jetzt nutzen, um den Wasserstoffantrieb auf einem Schnellboot in vollem Umfang zu testen und weiterzuentwickeln.

4. Anreize für Ideenentwicklung und Innovation im Frühstadium. Viele der wegweisenden Projekte, die aus der Cluster-Zusammenarbeit in NCE Maritime CleanTech hervorgegangen sind, seien das Ergebnis von  Innovationsprozessen, bei denen verschiedene Lösungen entwickelt wurden, die auf eine Reihe gesellschaftlicher Herausforderungen reagieren. Viele der Unternehmen hätten eine gute Methodik für die Umsetzung von Ideen entwickelt. Diese müssten jetzt verstärkt genutzt werden.

5. Neue Infrastruktur für wasserstoffbasierte Energieträger. Mit dem hervorragenden Zugang zu erneuerbaren Energien habe Norwegen sehr gute Voraussetzungen, um Wasserstoff und Ammoniak als Treibstoff für Schiffe in großem Maßstab zu produzieren und einzusetzen. Dies sei der Kraftstoff, den Norwegen zusammen mit weiteren Energielösungen für Schiffe exportieren kann. Durch gezielte Tools für solche Projekte könnten die norwegischen Behörden dazu beitragen, ein neues Exportabenteuer zu schaffen.

Finden Sie hier weitere Informationen zur Entscheidungen des Storting in der Sitzung vom 31. März 2020.

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