Erste Versuchsanlage zu CCS in Oslo in Betrieb

Das Abfallaufbereitungswerk in Klemetsrud©akersolutions
Das Abfallaufbereitungswerk in Klemetsrud©akersolutions

Oslo, 25. Januar 2016. Am 25. Januar 2016 wurde im Abfallaufbereitungswerk in Klemetsrud bei Oslo eine Testanlage zur Abscheidung von CO2 in Betrieb genommen. Es ist weltweit das erste Projekt dieser Art. Ein 2013 gestartetes CCS-Vorzeigeprojekt (CCS = carbon capture and storage) in Mongstad hat extrem hohe Kosten verursacht.

„Es ist ein wahrhaft innovatives Projekt, das Norwegen einen riesigen Schritt hin zur vollständigen Pressung und Lagerund von Kohlendioxid bringt“, sagte Fredric Hauge, Leiter der The Bellona Foundation, die das Vorhaben realisiert. Das Abfallaufbereitungswerk in Klemetsrud ist die größte Emissionsquelle in Oslo. Hier werden 20 Prozent der gesamten Emission der norwegischen Hauptstadt verursacht. 60 Prozent des Abfalls, der in Klemetsrud behandelt wird, ist biologischer Natur. Neben der Energierückgewinnung aus vorsortierten Bioabfällen will die norwegische Hauptstadt nun das aus den Abgasen entstehende Kohlendioxid (CO2) abtrennen und, da bei dem Prozess mehr Treibhausgase gebunden werden können als in die Atmosphäre gelangen, auf diese Weise neben Fernwärme auch “negative” CO2-Emissionen generieren. Es wäre die europaweit erste Anlage mit einer negativen CO2-Bilanz.

Das Projekt wird von der Waste-to-energy-Agency in Oslo betrieben und erhält Unterstützung von der Stadtadministration.

Die Anlage in Klemetsrud ist eine der größten Industrieanlagen auf dem norwegischen Festland mit einem jährlichen Klimagasausstoß von rund 300.000 t CO2-Äquivalent. Durch die CO2-Abscheidung kommt die Regierung in Oslo ihrem ehrgeizigen Ziel, die CO2-Emissionen bis zum Jahr 2030 komplett auf null zu senken, wieder ein Stück näher.

Das Ziel war zunächst in weite Ferne gerückt, nachdem das einstige Vorzeigeprojekt in Mongstad (nahe Bergen), wo aus einem vom dänischen Konzern Dong Energy betriebenen Gas- und Dampfkombikraftwerk und einer Raffinerie von Statoil CO2 abgeschieden und gespeichert werden sollte, kurz vor dem Regierungswechsel im Herbst 2013 eingestellt worden war. Die Kosten des seinerzeit von Statoil geleiteten Vorhabens hatten sich bis damals auf das rund 2,5-fache dessen aufsummiert, was die Regierung dafür im Vorfeld veranschlagt hatte.

Dem Osloer Stadtrat nach soll die Anlage in Klemetsrud zu einem nationalen, industriellen Pilotobjekt für CO2-Abscheidung werden, wo bald auch internationale Tests durchgeführt werden könnten. Die Anlage biete gute Voraussetzungen für die Entwicklung der Technologie, da sie das ganze Jahr über durchgehend in Betrieb sei und eine langfristige Betriebsperspektive habe. An dem Projekt beteiligen sich das staatseigene Unternehmen Gassnova (http://www.gassnova.no), das die Interessen der Regierung bezüglich CO2-Abscheidung und -Speicherung vertritt, sowie die internationale Umweltorganisation Bellona und verschiedene Forschungseinrichtungen. Stadtratsvertreter äußerten gegenüber der norwegischen Presse, dass es auch bereits positive Signale seitens der Regierung gegeben habe, das Vorhaben unterstützen zu wollen.

Darüber, wie das abgeschiedene CO2 gespeichert werden soll, gebe es noch keine Entscheidung. Es wird unter anderem darüber diskutiert, ob das Treibhausgas in einem Folgeschritt zu Offshore-Anlagen transportiert werden soll, um sodann in Ölquellen “injiziert” zu werden.

CO2-Abscheidung auch in der Zementproduktion angedacht

Testläufe von CCS-Verfahren gibt es auch im Zementwerk Norcem in Brevik südlich von Oslo. Norcem ist die norwegische Tochtergesellschaft von HeidelbergCement. Die European Cement Research Academy (ECRA) hat sich bei dem Projekt als Partner angeschlossen.

Dabei werden vier Verfahren erprobt. Das am weitesten fortgeschrittene ist die sogenannte Aminwäsche (Planungs- und Konstruktionsunternehmen Aker Solutions). Ferner werden eine membrangestützte Technologie (Konsortium aus der Technisch-Naturwissenschaftlichen Universität NTNU, dem Forschungsinstitut SINTEF, der Klassifikationsgesellschaft DNV GL und dem Hersteller von Industriegasen und anderen Chemikalien Air Products), der Calcium-Looping-Prozess (Energie- und Anlagenbauunternehmen Alstom) und die CO2-Abscheidung mit festen Sorbentien (US-amerikanisches Forschungsinstitut RTI International) getestet. Die Finanzierung erfolgt zu 65% aus dem nationalen Forschungs- und Entwicklungsprogramm für CCS “CLIMIT”. Die übrigen 35% steuern die Partner aus Eigenmitteln bei.

Norcem sowie die Ammoniak-Produktionsanlage von Yara in Heroya bei Porsgrunn sind neben Klemetsrud auch “heiße” Kandidaten für größere CCS-Vorhaben. Beide Standorte hat Gassnova hierfür als Teil einer Maßnahmenvoruntersuchung Anfang Mai 2015 dem Öl- und Energieministerium vorgeschlagen. Dagegen kommen – neben dem Mongstad-Komplex – das Gaskraftwerk in Karsto und die Erdgasverflüssigungsanlage Hammerfest LNG, früher einmal ebenfalls als Standorte anvisiert, nach den Gassnova-Empfehlungen derzeit nicht für CCS-Projekte in Betracht.

Quelle: Unter Verwendung eines Beitrages von Heiko Steinacher, gtai

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