
Oslo, 14. April 2026. Das Unternehmen Norkart hat im Auftrag des norwegischen Tourismusvereins DNT einen Bericht über die geplante Landnutzung in Norwegen erstellt. Ziel der Untersuchung ist es, die geografische Verteilung der Landnutzung darzustellen und die Konsequenzen für Natur und Lebensraum zu verdeutlichen, die sich aus den geplanten Bauvorhaben ergeben.
Über 5.500 Quadratkilometer der norwegischen Landesfläche sind für verschiedene Entwicklungszwecke und andere Änderungen der Landnutzung vorgesehen. Das entspricht etwa 1,7 Prozent der norwegischen Festlandfläche und annähernd der gesamten bebauten Fläche Norwegens (5.665 Quadratkilomter) oder fast der Fläche des Landkreises Akershus (5.895 Quadratkilomter). Flächen, die der gesamten heutigen bebauten Fläche Norwegens entsprechen, wurden für zukünftige Entwicklungen reserviert. Über 40 Prozent dieser Flächen liegen in kartierten Naherholungsgebieten, die meisten davon in Gebieten, die als wichtige oder sehr wichtige Naherholungsgebiete ausgewiesen sind. Dies entspricht einer Fläche, die fünfmal so groß ist wie die Stadt Oslo. Allerdings haben rund 60 Gemeinden ihre Naherholungsgebiete nicht kartiert, sodass die tatsächliche Zahl möglicherweise noch höher sein könnte als im Bericht angegeben, teilt der Tourismusverband mit.
„Das ist alarmierend. Wir befinden uns mitten in einer Naturkrise. Und dennoch planen die Kommunen und der Staat, riesige Natur- und Freiflächen zu opfern, und große Teile dieser Pläne betreffen einige unserer wertvollsten Naturgebiete. Das ist völlig falsch“, sagt Inger Lise Blyverket, Generalsekretärin des Norwegischen Tourismusverbandes (DNT).
Der Bericht zeigt:
- 20 Prozent der Bebauungspläne, eine Fläche so groß wie die Gemeinde Ål, liegen in unberührter Natur. Davon sind 6 Prozent Wildnisgebiete.
- 14 Prozent der Bebauungspläne überschneiden sich mit Naturwald oder älterem Wald, der nicht abgeholzt wurde. Dies entspricht einer Fläche, die doppelt so groß ist wie der Mjøsa-See.
- Etwa 6 Prozent der geplanten Bauvorhaben befinden sich in Lebensräumen wilder Rentiere. Das ist eine größere Fläche als ganz Malta.
- Etwa 2 Prozent der Bebauungspläne befinden sich in der Küstenzone. Dies entspricht einer Fläche von fast 20.000 Fußballfeldern.
Nach und nach würden Hunderte von Quadratkilometern Wald durch Gewerbebauten ersetzt, Berglandschaften durch Kraftwerke und Strandabschnitte durch private Hütten. „Hierzulande sind wir es gewohnt, Naturerlebnisse in kurzer Entfernung zu genießen, doch das wird in Zukunft nicht mehr selbstverständlich sein. Jetzt, wo es noch Natur zu retten gibt, ist es an der Zeit zu handeln“, so Blyverket weiter.
Die norwegische Umweltschutzbehörde hält die aktuelle Politik zum Schutz von Natur und Erholungsgebieten für viel zu schwach. Sie fordert strengere nationale Auflagen für die Bebauung wichtiger Natur- und Erholungsgebiete.
„Die Regierung hat sich zum Ziel gesetzt, wertvolle Natur vor Bebauung zu schützen, doch dieser Bericht zeigt, dass die aktuelle Politik das Gegenteil bewirkt. Wir brauchen nun die Instrumente, die diesen Ambitionen gerecht werden“, so die norwegische Umweltschutzbehörde.
Rund 85 Prozent der im Bericht aufgeführten Pläne stammen aus kommunalen Flächennutzungsplänen. Die übrigen Bebauungspläne basieren auf Entscheidungen im Rahmen branchenspezifischer Gesetze wie dem Energiegesetz. Ferienhäuser machen etwa 25 Prozent aller Pläne aus und stellen damit den größten geplanten Bauzweck dar.
„Die Naturkrise ist die Folge unzähliger Entscheidungen von Staat und Kommunen, in unberührter Natur zu bauen. Die Verantwortung für den Schutz von Natur und Erholungsgebieten ist so stark verteilt, dass sie in der Praxis völlig zersplittert ist. Die Regierung muss die Gesamtverantwortung übernehmen und die Kommunen darin unterstützen, sich für Natur und Outdoor-Aktivitäten einzusetzen“, so die Behörde weiter.
Sie ist der Ansicht, dass Klima- und Umweltminister Andreas Bjelland Eriksen ein nationales Ziel für Flächenneutralität festlegen muss, also bis 2030 einen Netto-Naturverlust von null erreichen soll.
Darüber hinaus fordert Blyverket, dass der Minister alle Kommunen zu einer sogenannten Flächennutzungsplanung verpflichten muss. Das bedeutet, dass die Kommunen alte Flächennutzungspläne überprüfen und Bauvorhaben in gefährdeten Natur- und Naherholungsgebieten stornieren müssen.

Der Bericht „Geplante Landnutzung und mögliche Konflikte mit Natur und Erholung im Freien“ bietet einen umfassenden und aktuellen nationalen Überblick über die geplante Landnutzung in verschiedenen Rechtsbereichen und Sektoren. Die Ergebnisse basieren auf Daten aus kommunalen Flächennutzungsplänen gemäß dem Planungs- und Baugesetz sowie auf Maßnahmen aus sektoralen Gesetzen, wie beispielsweise dem Energiegesetz. Der Bericht baut auf zwei früheren Arbeiten auf: „Analyse geplanter Entwicklungsgebiete in Norwegen“ (N-4020/2025) und „Flächenprognose – geplante Umverteilung von Naturflächen im Rahmen sektoraler Gesetze“ (M-2755/2024).
