Güterbahn Onrail soll 2,4 Millionen Euro an Bane Nor bezahlen

Der Containerzug von Onrail überfuhr im März 2024 in Arna auf der Bergensbanen das Ausfahrtsignal und entgleiste durch eine Schutzweiche. Der Kreuzungszug kam im einspurigen Tunnel infolge einer Stromunterbruchs gerade noch rechtzeitig zum Stillstand.©Bane Nor

Oslo, 1. Dezember 2025. Am 22. März 2024 fuhr ein Containerzug der Güterbahn Onrail von Bergen nach Oslo in den Bahnhof Arna auf der Bergensbanen ein. Das Ausfahrtsignal stand wegen des Herannahens des Schnellzugs von Oslo nach Bergen auf Halt. Doch der von der Traxx-Lokomotive 187 406 geführte Güterzug hielt nicht an und überfuhr das geschlossene Ausfahrtsignal. Es handelte sich um die erste Bremsung nach der Abfahrt in Bergen. Vor der Einfahrt in den folgenden Arnanipa-Tunnel brachte die dortige Schutzweiche den Güterzug am Tunnnelportal zur Entgleisung. Gleichzeitig war im einspurigen, zwei Kilometer langen Tunnel nach Arna in der Gegenrichtung der Schnellzug von Oslo nach Bergen unterwegs. Wegen des Stromunterbrechung kam der Reisezug noch rechtzeitig zum Stillstand. Die Folgen wären anderenfalls nicht auszudenken. Der Bericht der Untersuchungsbehörde kommt zu dem Schluss, dass der Lokomotivführer von Onrail und ein Terminalmitarbeiter grob fahrlässig gehandelt haben. Der Infrastrukturbetreiber Bane Nor fordert nun von Onrail 28,3 Millionen Kronen (2,4 Millionen Euro) Entschädigung für die Aufräumarbeiten und Reparaturen.

Der Lokomotivführer hat es nach der Abfahrt zudem unterlassen, eine Bremsprobe auf Wirkung vorzunehmen. Zwischen den Wagen im vorderen Zugsteil und dem großen Rest des Güterzuges waren zwei Bremshähne geschlossen. Die meisten Güterwagen bremsten somit nicht. Der Lokomotivführer hat es nach der Abfahrt zudem unterlassen, eine Bremsprobe vorzunehmen. 

Die auf der Schutzweiche entgleiste Lokomotive des Containerzuges erreichte noch den Eingang des Arnanipa-Tunnel. Der Lokführer wurde leicht verletzt.©Bane Nor 

Der Lokomotivführer, der nicht mehr bei Onrail angestellt ist, muss sich der Justiz stellen. Nach Angaben von Henning Aandal, dem CEO von Onrail, besitzt Onrail eine Haftpflichtversicherung in Höhe von einer halben Milliarde Kronen. Aandal kritisiert die Forderung des Infrastrukturbetreibers. Wenn Verspätungen infolge Störungen an der Infrastruktur und Streckensperrungen aufträten, so bezahle Bane Nor den Bahngesellschaften nichts. Die Versicherungsfrage muss sich noch weisen. 

Onrail ist bei den Kunden wegen seiner große Flexibilität sehr beliebt und fährt Güterzüge über die Raumabanen auch nach Åndalsnes – eine Destination, die die staatliche Cargonet eingestellt hat, die aber für die Gegend sehr wichtig ist.    

Jürg Streuli, Fachjournalist
juerg.streuli@hispeed.ch

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