Marokko setzt für Bau des Gibraltar-Tunnels auf norwegisches Know-how

Blick nach Rogfast: Direktor Jose Luis Goberna von der spanischen SECEGSA und der Rest der marokkanischen Delegation verfolgten aufmerksam, als Projektmanagerin Anne Merete Gilje von der norwegischen Straßenverwaltung über die Arbeiten am südlichen Abschnitt der E39 Rogfast informierte. Auch Marokkos Botschafterin in Norwegen, Nabila Freidji, Abdelkebir Zahoud von SNED und Abdellatif ZAGHNOUN von ANGSPE waren im Tunnel.
Eine marokkanischen Delegation unter Leitung von José Luis Goberna, Direktor der spanischen SECEGSA , informieren sich bei Projektmanagerin Anne Merete Gilje von der norwegischen Straßenverwaltung über die Arbeiten am Rogfast-Projekt. Auch Marokkos Botschafterin in Norwegen, Nabila Freidji, Abdelkebir Zahoud von SNED und Abdellatif ZAGHNOUN von ANGSPE waren im Tunnel. ©Øyvind Ellingsen/Norwegische Straßenverwaltung

Oslo, 28. Oktober 2025. Spanien und Marokko wollen einen 40 Kilometer langen Eisenbahntunnel unter der Straße von Gibraltar errichten. Bei der Planung des tiefsten Unterwassertunnels der Welt setzen sie auf das Know-how und die Erfahrung der norwegischen Straßenverwaltung Statens vegvesen beim Bau des Rogfast-Tunnels auf der Küstenstraße E39. Er soll 2030 eröffnet werden und mit 26,7 Kilometern der längste Unterwasser-Straßentunnel der Welt sein. Spitzenmanager der marokkanischen SNED und der spanischen SECEGSA informierten sich über das norwegische Bauprojekt nördlich von Stavanger. Auch die marokkanische Botschafterin in Norwegen, Nabila Freidji, war anwesend.

Wie Statens vegvesen mitteilt, hat das Rogfast-Projekt den größten Übertragungswert für den Gibraltar-Tunnel.  Der Rogfasttunnel, der den Boknafjord unterquert, ist Teil des Ausbaus der Küstenstraße E39 zur fährenfreien Straße von Kristiansund nach Trondheim.

An der engsten Stelle der Straße von Gibraltar liegen zwischen Spanien und Marokko nur 15 Kilometer. Wegen der anspruchsvollen Geologie und der Meerestiefe soll der 40 Kilometer lange Eisenbahntunnel etwas weiter westlich gebaut werden. 28 Kilometer davon verlaufen unter Wasser. An der tiefsten Stelle liegt er 400 bis 450 Meter unter dem Meeresspiegel. 

Zwei riesige Lüftungstürme auf der Insel Kvitsøy sollen beim Rogfasttunnel für eine gute Belüftung des sorgen. Zwischen Spanien und Marokko ist das nicht möglich. Deshalb wird an einem zweigleisigen Eisenbahntunnel gearbeitet. 

Von einer Verbindung zwischen Europa und Afrika in Gibraltar ist schon lange die Rede. 2023 nahmen die beiden Staaten die Tunnelkooperation nach mehreren Jahren des Stillstands wieder auf. Finanziert wird die Planung von den Verkehrsministerien Marokkos und Spaniens. Auch EU-Fördermittel sind vorhanden. 

Wie José Luis Goberna, Direktor der spanischen SECEGSA erklärte, ist die Geologie die größte Herausforderung des Projekts. „Der Fels ist von unterschiedlicher Qualität. Der Tunnel wird durch zwei geologische Platten zwischen Afrika und Europa führen. Das Problem ist lösbar. Hier in Westnorwegen ist die Arbeit einfacher, wenn auch anspruchsvoll genug“, sagt Goberna. 

Untersuchungen des Gesteins unter der Meerenge wurden sowohl mittels seismischer Untersuchungen als auch mittels Bohrungen durchgeführt. Daran beteiligte sich auch das norwegische Geotechnische Institut.

„Es ist großartig, dass die norwegische Straßenverwaltung ihr Tunnel-Know-how weitergibt“, erklärte die marokkanische Botschafterin.

Das Rogfast-Projekt löst weltweit großes Interesse aus. Zahlreiche Fachbesuchergruppen aus dem Ausland besichtigten die Baustelle, unter anderem aus Kanada, Serbien, Frankreich, Deutschland und den USA. Im November wird eine Delegation aus Japan erwartet.

„Es sind historische Dimensionen, wenn Spanien und Marokko zwei Kontinente über das Mittelmeer verbinden wollen. Wir geben unsere Expertise im Tunnelbau gerne weiter. Darin sind wir gut“, sagt Entwicklungsdirektor Kjell Inge Davik.

Bei allen drei Verträgen zur Realisierung des Rogfast-Projektes gibt es gute Fortschritte.  

  • Von Stavanger aus hat das Joint Venture von Implenia (77 %) und Stangeland Maskin (23 %) 4.600 Meter von 8.600 Metern vorangetrieben.
  • Von Norden aus hat Skanska 6.230 Meter von 9.200 Metern vorangetrieben.
  • In der Mitte hat das Joint Venture von Implenia und Stangeland Maskin das Autobahnkreuz 200 Meter unterhalb von Kvitsøy fertiggestellt. Der Auftragnehmer treibt nun den zweispurigen Tunnel in Nord-Süd-Richtung vor. 

Buchtipp

Am 15. November 2025 erscheint das Buch „Norwegens Tunnel und Kavernen. Eine Reise in ein durchlöchertes Land“ von Jutta Falkner, Herausgeberin des BusinessPortal Norwegen. Das Buch ist keine technische Abhandlung, sondern Unterhaltung, die Wissen vermittelt. Es informiert auf 130 Seiten über die Geschichte des Tunnelbaus in Norwegen, beantwortet die Frage, warum Norwegen so viele Tunnel braucht. Es stellt die Tunnel der Superlative vor, zum Beispiel den längsten Tunnel der Welt, den tiefsten Tunnel der Welt, den steilsten Tunnel der Welt, und macht Sie auf die außergewöhnlichen Tunnel in Norwegen aufmerksam: einen Tunnel für Tunnel, einen Spiralentunnel, eine arktische Militärstation als Schnäppchen im Internet und viele mehr.

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