
Oslo, 1. August 2025. Im Juli dieses Jahres erlebte Norwegen einen Hitzerekord. Bis Mitte Juli verzeichnete das Meteorologische Institut an 26 Messstationen neue Rekorde. 18 dieser Stationsrekorde lagen über 30 Grad. Frosta in Trøndelag erreichte am 17. Juli 34,9 Grad. Norwegen erlebt jetzt mehr Hitzewellen als zuvor.
In den letzten dreißig Jahren hat die Zahl der Hitzewellen in Norwegen aufgrund des Klimawandels deutlich zugenommen. In Norwegen wird eine Hitzewelle als fünf oder mehr aufeinanderfolgende Tage mit einer Höchsttemperatur von 27 Grad oder mehr definiert.
Aufgrund des vom Menschen verursachten Klimawandels sei die Wahrscheinlichkeit von Hitzewellen in Norwegen mittlerweile viel höher als noch vor einigen Jahren, teilt das Meteorologische Institut mit. An mehreren Orten in Buskerud, Østfold und Akershus gibt es heute doppelt so viele Hitzewellen wie vor dreißig Jahren.
„Wenn wir ganz Europa betrachten, zeigen Analysen, dass alle Hitzewellen der letzten 20 Jahre aufgrund des Klimawandels wahrscheinlicher und intensiver waren“, sagt die Klimaforscherin Karianne Ødemark.
Die letzte Hitzewelle in Norwegen gab es 2024 in Pasvikdalen in der Finnmark und 2023 an mehreren Orten in Südnorwegen. „Wir beobachten, dass es an manchen Orten in Südnorwegen etwa jedes zweite Jahr zu Hitzewellen kommt“, so Ødemark.
Im Zeitraum von 1991 bis 2020 kam es in weiten Teilen der Küste von Süden bis Norden zu Hitzewellen an Orten, an denen dies zuvor nicht der Fall war.
Der Vergleich der Periode 1991-2020 mit der vorherigen Periode 1961-1990 zeigt, dass größere Gebiete von Hitzewellen betroffen sind. Sie erstrecken sich weiter ins Landesinnere und kommen häufiger vor als zuvor.
In Europa ist die Zahl der hitzebedingten Todesfälle in den letzten 20 Jahren um rund 30 Prozent gestiegen, wie aus einem Bericht des Klimaüberwachungsdienstes der EU (C3S) und der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) aus dem Jahr 2023 hervorgeht.
Norwegen habe bisher keine Todesfälle durch Hitzewellen erlebt. Für die Landwirtschaft hätten die hohen Temperaturen jedoch schwerwiegende Folgen, heißt es in einer Pressemitteilung. Die Täler in Ostnorwegen seien besonders anfällig für Hitzewellen. Diese Gebiete können im Sommer sehr heiß werden, wenn wenig Wind weht und die Luft stillsteht. Auch in Oslo gibt es derzeit mehr Hitzewellen als früher.
Das Meteorologische Institut überwacht die Tages- und Nachttemperaturen, um vor Hitzewellen zu warnen. „Wir versenden noch keine Hitzewellenwarnungen, arbeiten aber daran, die Folgen bei unterschiedlichen Temperaturniveaus abzubilden, damit wir die Anforderungen an Temperatur und Dauer möglicherweise feinabstimmen können“, sagt der Meteorologe John Smits.
Ein warmer und niederschlagsarmer Sommer hat auch dazu geführt, dass in den Osloer Wasserreservoirs weniger Wasser als normal vorhanden ist. Wie die Kommune Anfang Juli mitteilte, sei die Wasserversorgung gefährdet – das Risiko für Oslo sei real.
Am Ende der 30. Woche (27. Juli) lag die Füllrate der norwegischen Stauseen bei 72,0 Prozent. Im Laufe der Woche sank die Füllrate um 0,1 Prozentpunkte.
In Südnorwegen wirkt sich der Wassermangel in den Kraftwerksreservoirs auf die Strompreise aus. Wie das norwegische Wasser- und Energiedirektorat NVE mitteilt, gibt es derzeit große Preisunterschiede zwischen Nord- und Südnorwegen. In der 30. Kalenderwoche hatte Nordnorwegen (NO4) den niedrigsten Strompreis in Europa, während der Preis in Südwestnorwegen (NO2) näher an den Preisen auf dem Kontinent lag. Die Preisunterschiede sind unter anderem auf Engpässe im Netz zwischen Nord und Süd sowie Unterschiede in der hydrologischen Situation zurückzuführen. Darüber hinaus haben Netzbeschränkungen im Sommer zu internen Preisunterschieden in Südnorwegen (NO1, NO2 und NO5) beigetragen. Durchschnittspreise in KW 30:
- Südostnorwegen (NO1): 50 øre/kWh
- Südwestnorwegen (NO2): 93 øre/kWh
- Mittelnorwegen (NO3): 11 øre/kWh
- Nordnorwegen (NO4): 2 øre/kWh
- Westnorwegen (NO5): 15 øre/kWh
In Südnorwegen liegen die Strompreise deutlich über dem für diese Jahreszeit üblichen Niveau.
