Konjunkturumfrage der AHK Norwegen: Attraktivität Norwegens schwindet

Oslo, 26. Juni 2025. Mitglieder der Deutsch-Norwegischen Handelskammer (AHK Norwegen) blicken positiv auf die aktuelle Wirtschaftslage des Landes, auf die künftige Geschäftsentwicklung sowie die in den kommenden zwölf Monaten erwarteten lokalen Investitionen. Das geht aus der aktuellen Konjunkturumfrage der AHK Norwegen hervor. 80 Unternehmen mit Deutschlandbezug, die in Norwegen aktiv sind, haben sich an der Umfrage beteiligt. Das Ergebnis: Unternehmen blicken entgegen dem weltweiten Trend, der im World Business Outlook des DIHK erfasst ist, positiv in die Zukunft. Allerdings verliert der Wirtschaftsstandort Norwegen nach Meinung der beteiligten Mitglieder der AHK Norwegen stetig an Attraktivität.

60 Prozent der befragten Unternehmen schätzen ihre eigene Geschäftslage als „gut“ ein. 2024 waren es 51 Prozent. Knapp acht Prozent halten ihre Situation für „schlecht“, verglichen mit elf Prozent im Vorjahr. Mehr als die Hälfte der Unternehmen erwartet eine Verbesserung der Geschäftsentwicklung in den nächsten 12 Monaten; 31 Prozent rechnen mit steigenden Investitionen.

Trotz dieser positiven Prognosen sehen die Unternehmen eindeutige Risiken und die Attraktivität des Wirtschaftsstandortes Norwegen schwinden. 44 Prozent geben an, dass sich die Attraktivität in den letzten drei Jahren verschlechtert hat (2024 41 Prozent). Immerhin hat sich für 16 Prozent der Standort verbessert bzw. für 35 Prozent ist er unverändert geblieben.

60 Prozent der befragten Unternehmen in Norwegen schätzen ihre eigene Geschäftslage als „gut“ ein. Im Bild: Eingang zum Industriepark Raufoss, eine der größten Industrieansiedlungen Norwegens©BPN

Die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen sehen 48 Prozent als größtes Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung. Dieser Wert ist von 33 Prozent im Jahr 2024 deutlich gestiegen.

Die Risikofaktoren Nachfrage (46 Prozent) und Fachkräftemangel (34 Prozent) liegen wie im vergangenen Jahr ebenfalls vorn. Durch die globale wirtschaftspolitische Lage neu hinzu kommt dagegen die Regulierung von Handelshemmnissen (29 Prozent) als eines der größten Risiken. Im Jahr 2024 gaben dies gerade sieben Prozent an.

„Unsere Mitglieder spiegeln uns, dass die Unsicherheit der derzeitigen Handelspolitik die Planung erheblich erschwert,“ erläutert Michael Kern. „Gleichzeitig kann die politische Volatilität in den USA eine Chance sein, Europas und auch Norwegens Attraktivität wieder zu steigern – vorausgesetzt, wir bleiben bei stabilen und verlässlichen Rahmenbedingungen.“

Bei der Frage nach Potenzialen für engere Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Norwegen stehen Energie, maritime Wirtschaft, die Verteidigungsindustrie sowie die Raumfahrt im Fokus. „Die Ergebnisse sind wenig überraschend. Wir sehen eine kontinuierliche Dynamik in den deutsch-norwegischen Wirtschaftsbeziehungen, die uns natürlich freut“, so Kern. „Gerade bei strategischen Zukunftsthemen wie der Energiewende oder grüner Industrieproduktion ist Norwegen ein verlässlicher und starker Partner.“

Über die Umfrage:

Die „World Business Outlook“-Umfrage ist eine globale Erhebung der deutschen Auslandshandelskammern, an der im Frühjahr 2025 weltweit über 4.600 Unternehmen in über 90 Ländern teilnahmen. Der Erhebungszeitraum zwischen dem 17. März und 14. April 2025 fiel in eine Phase erheblicher geopolitischer Umbrüche – darunter Donald Trumps sogenannter „Liberation Day“ und dessen unmittelbare Folgen für die Handelspolitik.

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