Wildlachsbestände in Norwegen auf besorgniserregend niedrigem Niveau

Lachsläuse und der Klimawandel sind die größte Bedrohung für Wildlachse in Norwegen.©Sebastian Bergland Rossvoll NJFF

Oslo, 28. Mai 2025. Noch nie sind so wenige Lachse aus dem Meer nach Norwegen zurückgekehrt wie im vergangenen Jahr. 2024 war ein weiteres historisch schlechtes Jahr für norwegischen Wildlachs. Der diesjährige Bericht des Wissenschaftlichen Rates für Lachsmanagement (VRL) zum aktuellen Status der Wildlachse in Norwegen, der am 28. Mai veröffentlicht wurde, zeichnet ein dramatisches Bild. Die Wildlachsbestände befänden sich seit vielen Jahren auf einem besorgniserregend niedrigen Niveau, und in den letzten vier Jahren sei es zu einem weiteren Rückgang gekommen. 

Während Mitte der 1980er Jahre über eine Million Lachse aus dem Meer zurückkehrten, waren es im vergangenen Jahr nur 323.000. Insbesondere gab es wenige große Lachse, die für einen ausreichenden Laichbestand in den Flüssen wichtig sind.

Auch der fischbare Fangüberschuss im Jahr 2024 lag auf einem Rekordtief. Über ein Drittel der Flüsse wies keinen fischbaren Fangüberschuss auf. Viele Flüsse, darunter bekannte Lachsflüsse wie Orkla und Gaula, wurden im Jahr 2024 für den Fischfang gesperrt. Der Seelachsfang verzeichnet einen neuen Tiefstand. 

„Wenn der erntebare Überschuss in den kommenden Jahren so niedrig bleibt, wird es sehr schwierig sein, den normalen Lachsfang aufrechtzuerhalten“, sagt Torbjørn Forseth, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Rates für Lachsmanagement.

Der Grund für den schlechten Zustand der Wildlachse in Norwegen liegt nach Ansicht des Wissenschaftlichen Rates in einer Kombination aus vom Menschen verursachten Bedrohungen und einer geringen Überlebenschance im Meer. 

Die größten Bedrohungen bleiben die Lachszucht und der Klimawandel. „Seeläuse sind die größte Bedrohung. Es wird nicht genug getan und wir riskieren eine weitere Verschlechterung“, so Forseth.  Keine der vom Menschen verursachten Bedrohungen für den Lachs habe seit dem letzten Statusbericht abgenommen.

Der norwegische Forschungsrat geht inzwischen davon aus, dass der Klimawandel aufgrund erheblicher Umweltveränderungen sowohl im Meer als auch in den Flüssen noch größere Auswirkungen hat als zuvor.

Am schlimmsten sei die Situation in West- und Mittelnorwegen, wo die Auswirkungen der Fischzucht maßgeblich dazu beitragen, dass fast die Hälfte der Flüsse keinen Fischüberschuss mehr aufweist, stellt der Bericht fest. Im Tana-Flussbecken sei der Lachsbestand stark gefährdet. Grund ist ein seit Jahren spürbarer Rückgang der Population.

Im Jahr 2024 wurden 50.000 Lachse gefangen und getötet. Dies ist der niedrigste Fang seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1980. Darüber hinaus wurden 15.000 gefangene und wieder freigelassene Lachse gemeldet. 
Zum Vergleich: In den 1980er Jahren wurden jährlich über 400.000 Lachse gefangen.

Aufgrund des geringen Lachsbestands und der geringen Zahl großer Lachse wurde der Fischfang im vergangenen Jahr in 32 Flüssen eingestellt. Die Hälfte davon wurde für sehr eingeschränkten Fischfang wieder geöffnet. Mit wenigen Ausnahmen war der Seelachsfang im Trondheimsfjord und weiter südlich nicht gestattet und in vielen Gewässern wurden neue Beschränkungen für den Fischfang eingeführt.

„Es besteht kein Zweifel, dass die während der Fischereisaison eingeführten Maßnahmen notwendig waren, um die Lachsbestände für die Zukunft zu sichern“, sagt Eva B. Thorstad vom norwegischen Forschungsrat.

Norwegische Verbände schlagen Alarm bezüglich des Bestandes der Wildlachse. Der norwegische Jäger- und Fischerverband (NJFF) fordert vom Storting mehr Verantwortung. „Der Aquakulturbericht liegt mit Vorschlägen für notwendige Veränderungen in der Aquakulturindustrie auf Ihrem Tisch. Ohne den politischen Willen, dies umzusetzen, steuern wir auf den Verlust des Wildlachses zu“, warnt der Verband.

NJFF ist der Ansicht, dass die Vorschläge im Aquakulturbericht unbedingt angenommen werden müssen. Dies gelte beispielsweise für den Vorschlag, Quoten für Seeläuse festzulegen, die verhindern, dass die Sterblichkeitsrate wildlebender anadromer Salmoniden allein durch Seeläuse zehn Prozent übersteigt. Eine solche Sterberate entspricht im heutigen Ampelsystem einer grünen Ampel. Die Verantwortung liege beim Storting.

Fakten zum Zustand des Wildlachses (Quelle VRL):

Große regionale Unterschiede

  • West- und Mittelnorwegen: Starker Rückgang, insbesondere aufgrund der Auswirkungen der Lachszucht.
  • Südnorwegen: Besserer Zustand, teilweise aufgrund von Kalkung und Verbesserung der Wasserqualität.
  • Nordnorwegen (ohne Tana): Zuvor stabil, jetzt jedoch rückläufig aufgrund der schlechten Überlebenschancen im Meer.
  • Tana-Flussbecken: Der Lachs gilt als stark gefährdet, da es in der Vergangenheit einen extrem geringen Zufluss und eine erhebliche Überfischung gab.

Hauptbedrohungen für Wildlachs

  • Lachsläuse aus der Zucht: Die größte Bedrohung.
  • Entkommene Zuchtlachse und Infektionen: Immer noch erhebliche Probleme.
  • Klimawandel: Der Klimawandel gewinnt zunehmend an Bedeutung und bedroht sowohl Meeres- als auch Flusslebensräume.
  • Physikalische Eingriffe und Regulierung der Wasserkraft: Erhebliche negative Auswirkungen, aber es gibt Maßnahmen.
  • Buckellachs: Zunehmende Herausforderung, aber die Auswirkungen sind kaum bekannt.

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