EU und Norwegen suchen nach gemeinsamen Lösungen bei US-Zöllen

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Norwegens Ministerpräsident Jonas Gahr Støre in Brüssel©Screenshot/ EU-Kommission

Brüssel, 7. April 2025. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Norwegens Ministerpräsident Jonas Gahr Støre trafen sich in Brüssel zu Gesprächen über die weitere Zusammenarbeit zwischen Norwegen und der EU. Konkret ging es um das weitere Vorgehen bei den US-Zöllen, um das Thema Verteidigung, um die Unterstützung der Ukraine und um Fortschritte bei der Grünen Allianz, die Norwegen und die EU im April 2023 unterzeichnet haben. In einem Pressestatement betonte von der Leyen: „Norwegen ist ein Mitglied der europäischen Familie. Wir sind durch gemeinsame Werte vereint und durch unseren Binnenmarkt integriert. Angesichts gemeinsamer Herausforderungen suchen wir nach gemeinsamen Lösungen. Genau das haben wir heute getan. Unsere Diskussion hat gezeigt, wie viel uns verbindet: von der Unterstützung für die Ukraine und der Verteidigung bis hin zum weiteren Vorgehen bei den US-Zöllen. Unsere Zusammenarbeit macht uns stärker.“

„Dies war ein wichtiges Treffen zu einem entscheidenden Zeitpunkt. Kein Land profitiert von Handelskriegen und erhöhten Zöllen. Ich freue mich über den engen Kontakt mit Ursula von der Leyen und der EU und darüber, dass wir uns über die Bedeutung der Erhaltung des Binnenmarktes einig sind. Ich erlebe großes Verständnis für die Rolle und den Beitrag Norwegens zu unserem gemeinsamen Markt“, sagt Premierminister Jonas Gahr Støre. 

Premierminister Jonas Gahr Støre, LO-Vorsitzende Peggy Hessen Følsvik, NHO-Chef Ole Erik Almlid und die Präsidentin der Europäischen Kommission Ursula von der Leyen am 7. April 2025 in Brüssel. ©Die norwegische EU-Delegation

In Brüssel gab Støre bekannt, dass Norwegen fünf Milliarden Kronen für Artilleriemunition für die Ukraine bereitstellt , vier Milliarden Kronen als Subventionen für die Initiative der Tschechischen Republik zum Kauf von Artilleriemunition für die Ukraine im Jahr 2025 und eine Milliarde Kronen für den Finanzierungsmechanismus Europäische Friedensfazilität (EPF).

Am Montagmorgen hatte Støre zu einem Dialogtreffen zum Thema Handel und Zoll mit der Dachgewekschaft LO, dem Unternehmerverband NHO und norwegischen Wirtschaftsführern eingeladen. Darüber hinaus gab es eine Wirtschaftsveranstaltung über die Zusammenarbeit zwischen Norwegen und der EU für europäische Sicherheit und Wettbewerbsfähigkeit ein. Daran nahmen die Vizepräsidentin der Europäischen Kommission, Teresa Ribera, norwegische Unternehmen und Organisationen sowie Vertreter der EU und der europäischen Geschäftswelt teil. Dazu gehörten unter anderem LO, NHO, Equinor, Statkraft, Hydro, DnB, Kongsberggruppen, der norwegische Reederverband, DNV und das Forschungszentrum Sintef.

„Etwa 70 Prozent unserer Exporte gehen in die EU. Norwegische Unternehmen sind tief in die mitteleuropäischen Wertschöpfungsketten integriert. Im Kontakt mit der EU und unseren europäischen Partnern diskutierten wir, wie wir die Zusammenarbeit stärken können, um Sicherheit, Widerstandsfähigkeit, Wettbewerbsfähigkeit und Umstrukturierung zu fördern“, sagt Støre.

In ihrem Pressestatement bezüglich der Auswirkungen der US-Zölle unterstrich von der Leyen die Bereitschaft der EU, mit den USA zu verhandeln. „Wir haben bereits Null-für-Null-Zölle für Industriegüter angeboten, wie wir es bereits mit vielen anderen Handelspartnern erfolgreich getan haben. Denn Europa ist immer zu einem guten Deal bereit. Deshalb halten wir das Thema auf dem Tisch. Wir sind aber auch bereit, mit Gegenmaßnahmen zu reagieren und unsere Interessen zu verteidigen. Darüber hinaus werden wir uns vor indirekten Auswirkungen durch Handelsumlenkungen schützen. Zu diesem Zweck werden wir eine ‚Import Surveillance Task Force‘ einrichten. Wir werden mit der Industrie zusammenarbeiten, um sicherzustellen, dass wir über die notwendige Faktengrundlage für unsere politischen Maßnahmen verfügen. Wir werden in engem Kontakt bleiben, um die gegenseitigen Auswirkungen unserer Maßnahmen zu minimieren.“

Von der Leyen erklärte, dass die EU ihre intensive Zusammenarbeit mit den Industrievertretern in der Europäischen Union fortsetzen werde. Treffen fanden und finden mit Vertretern der Stahl- und Aluminiumindustrie sowie mit Vertretern von BusinessEurope und SME United, der Automobilindustrie und der Pharmaindustrie statt, bei den die Reaktion auf die USA, aber auch die beiden anderen Säulen der EU-Strategie besprochen wurden: Die eine sei die Stärkung des Binnenmarktes, also die Beseitigung verbleibender Handelshemmnisse. Die andere Säule sei die Diversifizierung der Handelsbeziehungen der EU.

Die EU werde sich daher wie ein Laserstrahl auf die 83 Prozent des Welthandels konzentrieren, die außerhalb der USA stattfinden – hier würden sich enorme Chancen bieten. Damit möchte die EU ganz klar zum Ausdruck bringen: „Europa steht gemeinsam für unsere Unternehmen und mit unseren Unternehmen für alle Europäer in der Europäischen Union und darüber hinaus“, sagte die Kommissionspräsidentin.

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