
Oslo, 7. April 2025. Die 150 Flirt-Züge, die der Schweizer Hersteller Stadler über die vergangenen Jahre an Norwegen geliefert hat, haben auffallend hohe Schadensausfälle, die im Gegensatz zur bekannten Zuverlässigkeit dieser Fahrzeuge stehen. Die Folge davon sind gestrichene Abfahrten und dementsprechend überfüllte Pendlerzüge. Nun ist bekannt geworden, dass 16 Einheiten bei Wartungsarbeiten beschädigt wurden, weil die Dokumentationen nicht mehr aktuell oder gar nicht mehr vorhanden waren.
Es ist bisher nicht bekannt, wie viele Fahrzeuge über mehrere Jahre tatsächlich betroffen sind. Das hat insbesondere zu Schäden an den Drehgestellen und deren Komponenten geführt. Für die Unterhaltsarbeiten und aktualisierte Dokumentationen verantwortlich ist die staatliche Fahrzeugverwaltung Norske tog.
Vy, die Nachfolgerin der NSB, setzt die größte Flotte von Flirt-Züge der Reihen 74 und 75 ein und ist durch die Nachlässigkeit bei Norske tog am stärksten betroffen. Das Uternehmen fordert Schadensersatz in noch unbekannter Höhe. Einmal mehr zeigen sich an diesem Beispiel die verheerenden Folgen der norwegischen „Jernbanerevolusion“, der Aufsplitterung der ehemaligen NSB in zehn verschiedene Gesellschaften.
Jürg Streuli, Fachjournalist
juerg.streuli@hispeed.ch
