Exportbericht 2024: Noch immer große Abhängigkeit norwegischer Exporte von Öl- und Gas

Oslo, 12. März 2024. Norwegens Waren- und Dienstleistungsexporte sind im Laufe des vergangenen Jahres gegenüber 2022 gestiegen. Sie betrugen ohne Öl und Gas im Jahr 2023 1.225 Milliarden NOK – der höchste Wert aller Zeiten. Allerdings ist die Hälfte des Anstiegs auf gestiegene Preise und einen schwachen Wechselkurs der norwegischen Krone zurückzuführen, heißt es im Exportbericht 2024 des Beratungsunternehmens Menon Economics AS, der bereits zum vierten Mal erschien. Die verbleibende Hälfte des Wachstums basiert auf gestiegene Absatzmengen im Ausland. „Generell sehen wir das gleiche Bild wie seit 2020, wo Norwegen schlechter abschneidet als die meisten vergleichbaren Länder. Gemessen an der gesamten Wertschöpfung exportiert beispielsweise Norwegen im Vergleich zu mehreren anderen europäischen Ländern wenig. Der Anteil der norwegischen Waren- und Dienstleistungsexporte am BIP lag im Jahr 2023 bei 47 Prozent“, heißt es in dem Bericht. Der Export ist die Grundlage für 640.000 Arbeitsplätze – jeder fünfte Arbeitsplatz hängt in Norwegen vom Export ab.

Der Exportwert von Öl und Gas sank 2023 im Vergleich zum Rekordjahr 2022, war aber immer noch der zweithöchste Wert überhaupt. 

Maritime Industrie mit wertmäßigem Wachstum und Rückgang beim Warenvolumen

Neben Öl und Gas war die maritime Industrie im Jahr 2023 mit einem Wachstum von zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr die größte Exportbranche. Das Wachstum wurde vor allem durch hohe Frachtraten und eine erhöhte Aktivität der Reedereien getragen. Der prozentuale Anstieg der Exporte aus der Meeresfrüchteindustrie betrug 2023 gegenüber dem Vorjahr rund 13 Prozent, von 146 auf 165 Milliarden NOK. Dies ist der höchste Stand aller Zeiten und ist ebenfalls auf eine schwache Währung und gestiegene Preise für Meeresfrüchte zurückzuführen. Gemessen am Volumen gab es ab 2022 einen leichten Rückgang.

Niedrigerer Exportanteil als im EU-Durchschnitt

„Obwohl 2023 im norwegischen Kontext ein gutes Jahr war, liegt der Anteil der Exporte am BIP immer noch unter dem EU-Durchschnitt von 53 Prozent und ist niedriger als in Schweden
(54 Prozent) und Dänemark (68 Prozent). Betrachtet man die norwegischen Exporte ohne Öl und Gas, sinkt der Exportanteil auf 32 Prozent und liegt damit auf einem niedrigeren Niveau als bei den anderen Vergleichsländern. Dies zeigt sowohl, wie gering die Exporte außerhalb von Öl und Gas im Verhältnis zum BIP sind, als auch wie abhängig die norwegischen Exporte von der Öl- und Gasindustrie sind.
Die geringen relativen Exporte sind auf das geringe Wachstum in den letzten 20 Jahren zurückzuführen, wobei wir sehen, dass das Exportwachstum, gemessen in konstanten Preisen, im Vergleich zu anderen Ländern eher schwach war“, heißt es im Bericht.

Jährliches Exportwachstum in den letzten O 10 und O 20 Jahren, gemessen in konstanten Preisen. Norwegen mit Zahlen für 2023 aktualisiert, andere Länder mit Zahlen für 2022.©IWF/Menon Economics

Die meisten Exporte kommen aus Westnorwegen

Im Jahr 2023 exportierten Unternehmen in Westnorwegen Waren und Dienstleistungen im Wert von 232 Milliarden NOK. Die drei exportintensivsten Landkreise im Jahr 2023, gemessen an den Exporten pro Erwerbstätigem, waren Møre und Romsdal, Vestland und Nordland. Møre og Romsdal hatte einen Export pro Mitarbeiter von fast 750.000 NOK und ist seit der ersten Veröffentlichung des Exportberichts im Jahr 2021 der exportintensivste Landkreis.

Anlagen für Offshore-Windenergie trugen zwei Drittel zu den Exporten der Branche der erneuerbaren Energien bei

Im Zeitraum 2018 bis 2022 haben sich die norwegischen Exporte erneuerbarer Energien verdoppelt, von 9,1 auf 18,6 Milliarden NOK – ohne Stromexporte aus Wasserkraft. Lieferanten für Offshore-Windenergie exportierten im Jahr 2022 Anlagen im Wert von etwa zwölf Milliarden NOK und machten damit etwa zwei Drittel der Exporte in der Branche der erneuerbaren Energien aus. Das ist allerdings weniger als Schweden und Dänemark mit dem Export erneuerbarer Technologien einnehmen.

Die Diskussion um norwegische Exporte sei oft von Missverständnissen geprägt, schreibt die Unternehmensberatung Menon Economics.  Hier gehe es darum, wie viel Norwegen exportiert, an wen Norwegen exportieren und nicht zuletzt darum, warum Exporte für Norwegen so wichtig sind. Ziel des Exportberichts sei es, eine sachliche, objektive und analytische Grundlage zu schaffen, um zu einer faktenbasierten norwegischen Exportdebatte beizutragen. 

Im diesjährigen Bericht wurden drei Sonderthemen aufgenommen. Das erste betrifft Norwegens heutige grüne Exporte und die verfügbaren Exportmöglichkeiten. Der zweite hebt die Bedeutung norwegischer Dienstleistungsexporte hervor und der dritte konzentriert sich auf die Bedeutung wichtiger Unternehmen. Darüber hinaus wurden im diesjährigen Bericht die Schlüsselindikatoren (KPIs) aktualisiert, die die Autoren im letztjährigen Bericht erstellt haben, um die Wirkung der nationalen Exportinvestitionen weiter zu bewerten.

Die norwegische Regierung hat sich das Ziel gesetzt, die Export außerhalb der Öl- und Gasindustrie bis 2030 um 50 Prozent zu steigern. Dafür startete sie 2022 eine Exportreform und rief die Initiative „Ganz Norwegen exportiert“ ins Leben.

Der Exportbericht wurde am 12. März auf der nationalen Exportkonferenz im Munch-Museum vorgestellt. Diese Analyse der Exportätigkeit norwegischer Unternehmen wurde vom Arbeitgeberverband NHO, der Dachgewerkschaft LO, Innovation Norway, Export Financing Norway und dem National Export Council in Auftrag gegeben.

Bisher hat die Regierung vier Exportinitiativen gestartet, die die Wettbewerbsfähigkeit der Geschäftswelt im Ausland stärken sollen: Gesundheitsbranche, Offshore-Windenergie, maritimer Sektor sowie Produktproduktion und -design. Noch vor dem Sommer wird der Tourismus als fünfte Branche ins Leben gerufen, die besonders gefördert werden soll.

Lesen Sie hier den den ganzen Bericht.

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