Norwegischer Großauftrag für die Schienenfahrzeugindustrie

Wegen Rissen in den Aluminium-Wagenkästen sollen die komfortablen Reisezugwagen des Typs 7 ausrangiert und durch neue Triebzüge ersetzt werden. Damit reduziert sich gleichzeitig das Einsatzgebiet der „Lokomotive 2000“ aus der Schweiz. Im Bild: Der Schnellzug 80062 Bergen – Oslo der Vy tog geführt von der El 18 2254 am 29. März 2021 bei Harestua.©Erland Rasten

Oslo, 23. Juni 2021. Norske tog, die staatliche norwegische Fahrzeugverwaltung, hat die größte Rollmaterialbestellung in der norwegischen Eisenbahngeschichte mit einem Investitionswert von zwei Milliarden Euro beschlossen. Den Kauf umfasst bis zu einhundert neuen Züge für den Fernverkehr auf der Sørlandsbanen (Oslo – Stavanger), Bergensbanen (Oslo – Bergen), Dovrebanen (Oslo – Trondheim) und Nordlandsbanen (Trondheim – Bodø). Somit muss ein Teil der neuen Fahrzeuge auch für die nicht elektrifizierte Nordlandsbanen geeignet sein. Die Auslieferungen über mehrere Jahre sollen ab 2026 beginnen. Norske tog hat die Hersteller eingeladen, ihre Offerten bis Ende Juli einzureichen. Die norwegische Projektgruppe ist mit den möglichen Lieferanten bereits seit letztem Jahr im Gespräch. Die Unterzeichnung des Vertrags ist für 2022 geplant. 

Die neuen Züge müssen zuerst die Reisezugwagen des Typs 7 ersetzen. Bei deren Aluminiumkästen bilden sich Risse, deren Reparatur sehr aufwendig ist. Die von Strømmens Værksted in den 1980er Jahren gefertigten komfortablen Fahrzeuge besitzen geschlossene SIG-Wagenübergänge (SIG-Schweizerische Industrie-Gesellschaft )wie die Einheitswagen III der SBB. Auf der Nordlandsbanen sollen die bewährten Diesellokomotiven der Reihe Di 4 von BBC und Henschel aus den 1980er Jahren durch neue Züge ersetzt werden. Für den als Trønderbanen bezeichneten südlichen Abschnitt bis Steinkjer sind bereits Mehrkraft-Flirt von Stadler Rail in der Auslieferung.

Weniger dringlich ist der Ersatz der Triebzüge des Typs 73 von Adtranz aus den 1990er Jahren. Interessant wird die künftige Lösung für die Bergensbanen sein, wo wegen der harten Winterbedingungen und Entgleisungsgefahr heute keine Triebzüge mehr eingesetzt werden. Im April haben die dänischen DSB die Beschaffung von 100 neuen Triebzügen des Typs Corodia Stream von Alstom bekannt gegeben. Der Einspruch der schweizerischen Stadler Rail wurde gerichtlich abgewiesen.

Jürg Streuli, Fachjournalist
juerg.streuli@swissonline.ch

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