
Oslo, 16. Oktober 2025. Viele Klimamaßnahmen in Norwegen beinhalten den Ersatz fossiler Energiequellen durch Strom. Dies erhöht die Stromnachfrage und kann sich auf die Energiebilanz und die Strompreise auswirken. Die Norwegische Wasserressourcen- und Energiedirektion NVE hat erstmals untersucht, wie sich die geplante Klimapolitik der Regierung auf das Stromsystem auswirken wird. Danach steigt der Gesamtstromverbrauch bis 2035 um 23 TWh. In dieser Voraussage ist die beschlossene Klimapolitik bereits berücksichtigt. Mit dem von der Regierung am 15. Oktober vorgelegten Klimaplan kann der Gesamtstromverbrauch um weitere vier TWh wachsen.
„Unsere Analysen zeigen, dass Norwegen in den kommenden Jahren im Durchschnitt weiterhin niedrigere Strompreise haben wird als die meisten europäischen Länder. Der gute Zugang zu flexibler Wasserkraft bedeutet auch, dass Norwegen weiterhin stabilere Strompreise mit weniger hohen und niedrigen Preisspitzen haben wird als die meisten europäischen Länder“, sagt Inga Nordberg, Leiterin der Abteilung Energie und Lizenzierung bei NVE.
Unter der Annahme eines Verbrauchsanstiegs, der die Maßnahmen aus dem Klimaplan der Regierung einschließt, schätzt NVE, dass der Strompreis im Jahr 2035 bei etwa 55 bis 65 Öre/kWh liegen wird. Unter sonst gleichen Bedingungen geht NVE davon aus, dass die im Klimaplan der Regierung vorgeschlagenen Maßnahmen im Jahr 2035 zu einem Preisanstieg von ca. 4 bis 5 Öre/kWh führen werden.
Der Preis wird als Durchschnittspreis eines normalen Jahres angegeben. Die Berechnungen basieren auf einem Durchschnitt von 30 Wetterjahren. Darüber hinaus schwanken die Strompreise sowohl im Jahresverlauf als auch von Jahr zu Jahr. Auch andere Faktoren, wie beispielsweise der Gaspreis, beeinflussen die Preise.
NVE hat außerdem die Auswirkungen auf das Stromsystem untersucht, wenn alle Maßnahmen der Klimaschutzanalyse der norwegischen Umweltbehörde ab 2025 umgesetzt würden. Dies bedeutet mehr Klimaschutzmaßnahmen als im Klimaplan der Regierung vorgesehen. Dies könne als Spielraum betrachtet werden, der den Stromverbrauch insgesamt um 17 TWh erhöhen würde, zusätzlich zu dem, was in der langfristigen Strommarktanalyse von NVE bis 2025 vorgesehen ist, heißt es in einer Pressemitteilung. NVE schätzt, dass dies, wenn sonst alles unverändert bleibt, den Strompreis in einem normalen Jahr um weitere ca. 20 Öre/kWh erhöhen würde.
„Sowohl beim Blick auf den Klimaplan der Regierung als auch auf die Klimamaßnahmen der norwegischen Umweltbehörde stellen wir fest, dass die Durchschnittspreise in den norwegischen Preisgebieten niedriger bleiben als in den meisten europäischen Ländern“, sagt Nordberg.
Bereits bis 2035 wird ein deutliches Wachstum sowohl des Stromverbrauchs als auch der Stromproduktion erwartet. Verschiedene Politik- und Industriebereiche gehen von einem künftigen Anstieg des Strombedarfs aus. Verschlechtert sich die Strombilanz durch den gestiegenen Verbrauch, führt dies zu einem Anstieg der Strompreise. Zudem wird die Netzkapazität in den kommenden Jahren vielerorts eine begrenzte Ressource sein.

Der Bericht Szenarien für den Strommarkt 2025 ist eine der regelmäßigen Analysen von NVE, die verschiedene Entwicklungspfade des Stromsystems untersucht. Die Szenarioanalyse liefert Erkenntnisse über die Auswirkungen einer umstrukturierungsbedingten Entwicklung des Stromverbrauchs auf den Strommarkt. Im diesjährigen Bericht geht NVE näher darauf ein und untersuchen dort auch ein Szenario für eine umfassendere umstrukturierungsbedingte Entwicklung in der gesamten nordischen Region.
Die im Bericht vorgestellten Szenarien basieren auf dem Basisszenario der Langfristigen Strommarktanalyse 2025. Die Basislinie beschreibt die von NVE erwartete Entwicklung des Stromsystems angesichts der aktuellen Nutzung politischer Instrumente und Trends.
