
Oslo, 13. Freitag 2024. Norwegens Statistikbehörde SSB hat am Freitag, 13. Dezember, die wichtigsten makroökonomischen Zahlen 2015–2027 veröffentlicht sowie die Prognosen für Norwegen und das Ausland bis 2027 präsentiert. „Mittlerweile zeigen die Pfeile in vielen Bereichen nach oben. Die Aktivität in der norwegischen Wirtschaft wird aufgrund des erhöhten Reallohnwachstums, der hohen Aktivität in der öffentlichen Verwaltung sowie einer Trendwende bei den Wohnungsbauinvestitionen wahrscheinlich anziehen“, sagt Thomas von Brasch, Forschungsleiter bei Statistics Norway (SSB). Die Behörde erwartet für das kommende Jahr fünf Zinssenkungen.
In den letzten Jahren sei das Aktivitätsniveau der norwegischen Wirtschaft ungewöhnlich niedrig gewesen. Mehrere Zinserhöhungen, eine hohe Inflation und eine geringe internationale Nachfrage hätten die Wirtschaftstätigkeit gedämpft, heißt es in dem Bericht. Gleichzeitig sei die Arbeitslosigkeit laut Arbeitskräfteerhebung von einem niedrigen Niveau von 3,2 Prozent im Jahr 2022 gestiegen und liegt derzeit nahe am Durchschnitt der 2010er Jahre.
Für dieses Jahr rechnet die Behörde mit dem höchsten Reallohnwachstum seit über zehn Jahren. Den Prognosen zufolge wird das Reallohnwachstum in diesem Jahr 1,9 Prozent betragen und in den Jahren bis 2027 bei rund 1,5 Prozent verharren.
Die jüngste Abschwächung der Krone trage dazu bei, dass die Inflation über dem Inflationsziel von zwei Prozent bleibt. SSB geht davon aus, dass die Inflation weiter sinken wird, allerdings langsamer als im letzten Jahr. Den Prognosen zufolge geht das Preiswachstum gemessen am Verbraucherpreisindex von 5,5 Prozent im Jahr 2023 auf 3,4 Prozent im Jahr 2024 und weiter auf 2,5 Prozent im Jahr 2027 weiter zurück. Die jüngste Abschwächung der Krone habe führe dazu, dass der Leitzins erst ab Anfang nächsten Jahres gesenkt werde.
Eine gute Rentabilität in der Industrie führe zu einem höheren Lohn- und Einkommenswachstum, was den Konsum der privaten Haushalte ankurbelt. Der Konsum werde auch dadurch angekurbelt, dass die Inflation zurückgeht und die Zinsen nach Anfang 2025 gesenkt werden. Der Rückgang der Wohnungsbauinvestitionen dürfte bald in einen Anstieg umschlagen. Der Wert des Ölfonds und der fiskalpolitische Handlungsspielraum seien gestiegen und trügen zu einem deutlichen Anstieg des öffentlichen Konsums und der Investitionen in den kommenden Jahren bei.
„Wir gehen davon aus, dass das BIP auf dem norwegischen Festland ab 2026 eine unserer Meinung nach konjunkturneutrale Situation erreichen wird“, sagt Thomas von Brasch.
Im 4. Quartal 2023 waren die Wohnungsbauinvestitionen um 21 Prozent niedriger als im Vorjahresquartal. Der Rückgang setzte sich im ersten Halbjahr dieses Jahres mit fast zehn Prozent fort. Einen ähnlich starken Rückgang der Investitionen habe es in der Immobilienkrise der 1990er Jahre gegeben, heißt es in dem Bericht. Die neuesten Zahlen zu Neubauverkäufen und ein deutlicher Anstieg der Immobilienpreise würden aber darauf hindeuten, dass Norwegen jetzt an einem Wendepunkt bei den Wohnungsinvestitionen angekommen ist.
Laut Boligproduserenes forening wurden im Juni dieses Jahres 30 Prozent mehr Häuser verkauft als im gleichen Monat des Vorjahres. Die Prognosen von Statistics Norway zeigen, dass sich die jährlichen Wohnungsbauinvestitionen von einem Rückgang um etwas mehr als 15 Prozent in diesem Jahr auf ein Wachstum von rund fünf Prozent im Jahr 2025 auswirken werden.
Bezüglich der Weltwirtschaft gehen die Forscher davon aus, dass die wirtschaftliche Entwicklung der norwegischen Handelspartner in den kommenden Jahren voraussichtlich weiterhin schwach sein werde. Das BIP-Wachstum der Handelspartner Norwegens, das seit 2005 durchschnittlich um knapp zwei Prozent pro Jahr gewachsen ist, werde in diesem Jahr voraussichtlich 1,3 Prozent betragen und dann schrittweise auf knapp über zwei Prozent im Jahr 2027 ansteigen.
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