
Oslo, 10. Dezember 2024 (aktualisiert am 12. Dezember). In Südnorwegen werden die Strompreise am Mittwoch, 11. Dezember, einen Höchststand von über 5 NOK pro Kilowattstunde (KWh) erreichen. Für Donnerstag soll der Strompreis in Südwestnorwegen ohne Mehrwertsteuer und andere Abgaben zwischen 17.00 und 18.00 Uhr sogar mehr als 10 NOK/KWh betragen – ein Rekordhoch. In Nordnorwegen dagegen betragen die Strompreise fast Null. Für Mittwoch wird für den Norden ein Strompreis von nur rund zehn Öre vorausgesagt. In Teilen des Landes liegt der Preis am Mittwoch von morgens bis abends bei über zwei Kronen pro Kilowattstunde. Letztmalig hat Norwegen so hohe Preise im Jahr 2022 erlebt. Schuld an der Situation ist in erster Linie die Dunkelflaute in Deutschland.
Die hohen Preise seien auf eine Infektion vom Kontinent zurückzuführen: das Wetterphänomen Dunkelflaute. Drei Tage lang werde es in Deutschland nahezu windstill sein. Dann herrsche in Teilen Europas ein wenig Panik. Und dann würden die Preise in Südnorwegen nachziehen, sie werden nach oben gezogen, erklärte Tor Reier Lilleholt, Stromanalyst bei Volue Insight, gegenüber e24.no. In Deutschland führte der Stillstand der Windräder zu Rekordpreisen im Großhandel. Kohle- und Gaskraftwerke arbeiteten auf Hochtouren, andere Länder – so Norwegen – mussten mit Strom aushelfen.

In der vergangenen Woche trug das wärmere Wetter dazu bei, dass der Stromverbrauch in Norwegen und dem Rest der nordischen Region sank. In ganz Norwegen ging die Produktion etwa im gleichen Ausmaß wie der Verbrauch zurück, sodass die Nettoexporte auf dem Niveau der Vorwoche blieben, obwohl es auf dem Überlandkabel nach Deutschland und Großbritannien aufgrund von Wartungsarbeiten und Störungen zu Kapazitätsengpässen kam, teilt das Norwegische Direktorat für Energie- und Wasserressourcen NVE mit. Die norwegischen Strompreise lagen nach Angaben der Behörde die meiste Zeit über auf einem stabilen Niveau. Eine Ausnahme bildete ein Zeitraum zur Wochenmitte, als eine geringere Windstromproduktion in der nordischen Region und im Norden des Kontinents zu einem Anstieg der norwegischen Strompreise beitrug. In Südnorwegen (NO1, NO2 und NO5) sind die durchschnittlichen Strompreise im Vergleich zur Vorwoche gesunken und liegen immer noch bei 54-60 øre/kWh. In Mittel- und Nordnorwegen (NO3 und NO4) stiegen die Strompreise auf 14 bzw. 29 Öre/kWh.
Seit der vergangenen Periode hoher Strompreise 2021 bekommen Haushalte in Norwegen einen Stromzuschuss. Sie zahlen den vollen Preis bis zu 73 Øre/kWh (ohne Mehrwertsteuer). Für den darüber hinausgehenden Preis erhalten sie einen Nachlass von 90 Prozent. Die Stromförderung gilt bis 2025. Unternehmen können Festpreise vereinbaren.
Norwegen ist Teil des Strommarktes, der mit Kabel mit Schweden, Dänemark, Großbritannien, Deutschland, Polen, Russland, den Niederlanden und dem Baltikum verbunden ist. Ziel dieses Marktes ist es, Preisunterschiede auszugleichen und die Energiesicherheit der Länder zu stärken. Das Kabel NordLink zwischen Norwegen und Deutschland ist seit 2020 in Betrieb.
Die hohen Strompreise im Süden Norwegens haben die Diskussion um Stromkabel ins Ausland erneut angekurbelt. Vertreter der regierenden Arbeiterpartei und anderer Parteien lehnen die 2026 anstehende Erneuerung der beiden Stromkabel nach Dänemark ab. Insgesamt soll die Zahl der Stromkabel reduziert werden. Im vergangenen Jahr wurde ein geplantes Stromkabel nach Schottland nicht genehmigt und die geplanten Offshore-Windparks vor der norwegischen Küste sollten auch keinen Anschluss für den Stromexport erhalten.
Wie norwegische Medien berichten, könnten die Strompreise in Südnorwegen nach einer Analyse von Volue Insight tatsächlich etwas sinken, wenn zwei Kabel nach Dänemark nicht mehr in Betrieb sind – allerdings nur um fünf Prozent. Die beiden Kabel machten rund zehn Prozent des gesamten Stromaustauschs aus Norwegen aus. In fünf Jahren würde die Preissenkung deutlich geringer ausfallen und nur etwa ein Prozent betragen, wenn die beiden Kabel nicht erneuert werden, so der Energieanalyst Tor Reier Lilleholt gegenüber e24.no.
Steffen Syvertsen, Vorsitzender des Verbandes Erneuerbare Energien, weist auch auf die sicherheitspolitischen Aspekte der internationalen Stromkabel hin. „Beim Stromaustausch mit anderen Ländern geht es nicht mehr nur um die Versorgungssicherheit in kalten und trockenen Jahren. In einer unsichereren Welt hängt die Versorgungssicherheit mehr und nicht weniger vom Stromaustausch ab“, schreibt er in einem Artikel auf Summorsposten.“ „Bei den extremen Strompreisen, die wir in den letzten Jahren gelegentlich erlebt haben, geht es in erster Linie um das Putin-Problem, nicht um Stromkabel und schon gar nicht um zwei alte Stromkabel nach Dänemark.“
Finden Sie hier Daten des NVE zur aktuellen Stromlage in Norwegen.
Finden Sie hier mehr Informationen zur Stromproduktion und zum norwegischen Strom-Im- und Export.
