
Oslo, 24. September 2025. Der Ausschuss für Geldpolitik und Finanzstabilität der Norges Bank hat in seiner Sitzung am 23. September den Leitzins von 4,25 Prozent auf 4,50 Prozent angehoben. Nach Auffassung des Ausschusses ist eine etwas restriktivere Geldpolitik erforderlich, um die Inflation innerhalb eines angemessenen Zeitraums wieder auf das Zielniveau zu bringen. „Die Inflation liegt seit mehreren Jahren über dem Zielwert. Durch die Anhebung des Leitzinses tragen wir zur Senkung der Inflation bei. Es wird voraussichtlich notwendig sein, den Leitzins noch eine Zeit lang hoch zu halten, und der Ausshuss ist bereit, ihn gegebenenfalls weiter anzuheben, um die Inflation innerhalb eines angemessenen Zeitraums auf das Zwei-Prozent-Ziel zu senken“ erklärte Gouverneurin Ida Wolden Bache.
Die Inflation liegt in Norwegen seit mehreren Jahren über dem Zielwert. Die Kapazitätsauslastung der norwegischen Wirtschaft sei rückläufig und liege nun offenbar leicht unter dem Normalniveau, teilt Norges Bank mit. Seit Juni hat der Ausschuss Folgendes festgestellt:
- Die Verbraucherpreisinflation (VPI) fiel höher aus als prognostiziert, während sich die Kerninflation, gemessen am um Steueränderungen und Energiepreisen bereinigten VPI (VPI-ATE), verlangsamte und unter den Erwartungen lag. Der Konflikt im Nahen Osten sorgt weiterhin für Unsicherheit hinsichtlich der Inflationsaussichten, und seit Juni sind die Preise für Öl und Gas sowie diverse andere Rohstoffe gestiegen. Gleichzeitig trägt eine stärkere Krone dazu bei, die Inflation bei Importwaren zu dämpfen. Die Marktzinsen sind sowohl international als auch in Norwegen gestiegen. Das Lohnwachstum dürfte in diesem Jahr niedriger ausfallen als 2025 und im Großen und Ganzen den Prognosen vom Juni entsprechen.
- Die Wirtschaftstätigkeit auf dem Festland hat sich wie erwartet weitgehend erholt. Die Beschäftigung ist weiter gestiegen, während sich die Arbeitslosigkeit in den letzten Monaten kaum veränderte. Andererseits ist der Anteil der Kontakte im Regionalnetzwerk, der über Kapazitätsengpässe und Arbeitskräftemangel berichtet, gesunken. Die Kapazitätsauslastung der norwegischen Wirtschaft scheint etwas weniger stark zurückzugehen als im Juni prognostiziert.
Der Ausschuss legte besonderes Augenmerk auf die Tatsache, dass die Inflation weiterhin deutlich über dem Zielwert liegt. Die Kerninflation sei zwar niedriger als prognostiziert, doch die Inflationsaussichten für die kommenden Jahre hätten sich nicht wesentlich verändert. Der rasante Anstieg der Betriebskosten in den letzten Jahren werde voraussichtlich dazu beitragen, dass die Inflation auch künftig hoch bleibt. Eine anhaltend hohe Inflation könne Haushalte und Unternehmen dazu veranlassen, mit einer dauerhaft hohen Inflation zu planen. Die Inflation könnte sich dann verfestigen und schwerer zu senken sein. Der Ausschuss möchte die Wirtschaft nicht unnötig stark einschränken, ist aber der Ansicht, dass eine etwas restriktivere Geldpolitik erforderlich ist, um die Inflation innerhalb eines angemessenen Zeitraums wieder auf den Zielwert zu bringen.
Sollten sich die wirtschaftlichen Aussichten ändern, wird sich auch der geldpolitische Ausblick ändern, heißt es in einer Pressemitteilung. Der Ausschuss wird besonders auf Anzeichen achten, die darauf hindeuten, dass die Inflation länger als prognostiziert hoch bleibt. Sollten sich beispielsweise die externen Preisimpulse als stärker erweisen als derzeit angenommen, könnte ein höherer Leitzins erforderlich sein, um die Inflation innerhalb eines angemessenen Zeitraums wieder auf das Zielniveau zu bringen. Sollten sich die Inflationszahlen der letzten Monate als Beginn einer schnelleren Disinflation erweisen oder der Arbeitsmarkt schwächer als prognostiziert ausfallen, könnte der Leitzins niedriger ausfallen als derzeit vorgesehen.
Den Prognosen zufolge bleibt der Leitzins für eine gewisse Zeit nahe dem aktuellen Niveau, bevor er leicht sinkt. Die neue Leitzinsprognose deutet darauf hin, dass der Leitzins etwas länger hoch bleiben wird als in der Juni-Prognose angegeben. Bei diesem Leitzinspfad wird sich die Inflation voraussichtlich ab dem nächsten Jahr verlangsamen und bis 2029 auf zwei Prozent sinken. Es wird erwartet, dass sich die Wirtschaft etwas weiter abkühlt und die Arbeitslosenquote leicht über das Niveau vor der Pandemie ansteigt.
Die nächste geldpolitische Entscheidung wird am 5. November veröffentlicht.
Finden Sie hier den geldpolitischen Bericht vom Septembver 2026.
