Notwendige Modernisierungen beeinträchtigen Pünktlichkeit im norwegischen Zugverkehr

Bane NOR nutzt die Sommerwochen, um hier am Bahnhof Kolbotn an der Østfold-Linie Tag und Nacht an Modernisierungs- und Instandhaltungsarbeiten zu arbeiten.
Bane NOR nutzt die Sommerwochen, um hier am Bahnhof Kolbotn der Østfold-Linie Tag und Nacht Modernisierungs- und Instandhaltungsarbeiten durchzuführen. ©Sikker jernbane AS / Bane NOR

Oslo, 20. August 2026. Rund 22.000 Personenzüge wurden in diesem Jahr in Norwegen bisher ganz oder teilweise gestrichen. Wie Bane Nor mitteilte, ging die Pünktlichkeit der Eisenbahn im Juli leicht zurück, teils aufgrund der Hitze, teils aufgrund umfangreicher, geplanter Wartungsarbeiten. Der Zugverkehr blieb jedoch weitgehend stabil. Die Gesamtpünktlichkeitsrate lag im Juli bei 83,1 Prozent. Im bisherigen Jahresverlauf beträgt die Pünktlichkeitsrate landesweit 87,1 Prozent. Das ist ein Rückgang gegenüber den 87,6 Prozent im Jahr 2025 und liegt unter dem Regierungsziel von 90 Prozent. Die Pünktlichkeit der Personenzüge liegt in diesem Jahr bisher bei rund 87,1 Prozent.

Etwa ein Drittel des unregelmäßigen Bahnverkehrs ist auf den Erdrutsch in Nesvatnet in Levanger zurückzuführen. Wegen dieses Ereignisses war die Nordlandsbanen zwischen August 2025 und Juni dieses Jahres gesperrt.

Der August verlief im Raum Oslo besonders schwach. Bis zum 16. August lag die Pünktlichkeit der Züge im Osloer Berufsverkehr bei lediglich 69,2 Prozent. Am Montag, dem 17. August, fuhren in Oslo zur Hauptverkehrszeit nur 48,1 Prozent der Züge planmäßig. Dies zählt zu den schlechtesten Tagen des Jahres 2026.

Bei den drei Vorfällen Mitte August, die den Zugverkehr beeinträchtigten, handelte es sich um separate Vorfälle auf verschiedenen Abschnitten der Bahnstrecken in Ostnorwegen.  Zunächst kam es auf der Romeriksporten-Strecke zu einer Erosion, die dadurch verursacht wurde, dass sich das Schotterbett unter den Gleisen an einer Stelle abgesetzt hatte, sodass die Gleise nicht mehr wie vorgesehen gestützt wurden.  

Das Signalsystem registrierte daraufhin ein Hindernis auf der Strecke zwischen Oslo S und Lillestrøm und konnte daher die Sicherheit des Zugverkehrs nicht bestätigen. Das System tat daraufhin, wofür es entwickelt worden war: Es stellte den Zugverkehr ein, bis die Situation untersucht war. Solche Fälle, die gelegentlich vorkommen und als „Geisterzüge“ bezeichnet werden, sind nicht auf einen technischen Defekt zurückzuführen. 

Der dritte Fehler war ein elektrischer Defekt zwischen Skøyen und Lysaker, der zu einem Ausfall der Stromversorgung des Zuges führte. 

Als Hauptgrund für Zugverspätungen im Juli gibt Bane Nor umfassende geplante Wartungsarbeiten, an. Unter anderem wurde die 30 Jahre alte Romeriksporten-Strecke zwischen Oslo S und Lillestrøm wegen notwendiger Wartungsarbeiten gesperrt. Dies bedeutete, dass die beiden schnellsten Gleise der schnellsten Strecke nicht befahrbar waren. Viele Züge verkehrten auf der abgenutzteren Hauptstrecke, was zu Verspätungen und Störungen mit größeren Auswirkungen als üblich führte. 

Rund 90 Prozent des norwegischen Eisenbahnnetzes bestehen aus eingleisigen Strecken. Von den insgesamt 3.962 Kilometern Eisenbahnstrecke in Norwegen sind 3.645 Kilometer eingleisig. Verspätet sich ein Zug, kann dies Auswirkungen auf nachfolgende Züge haben und die Verspätung weiter ausdehnen.

Aufgrund der angespannten Situation im Zugverkehr in den vergangenen Tagen lud Verkehrsminister Jon-Ivar Nygård alle Vertreter des öffentlichen Verkehrs von Bane Nor und Jernbanedirektoratet (die norwegische Eisenbahnaufsicht) am 19. August zu einer Krisensitzung. Der öffentliche Nahverkehr stehe vor großen Herausforderungen, darunter steigende Kosten, der demografische Wandel und die rasante technologische Entwicklung, erklärte Verkehrsminister Jon-Ivar Nygård. „Durch längere Streckensperrungen können wir umfangreiche Instandhaltungs- und Erneuerungsarbeiten sicher und effizient durchführen. Die Modernisierung des Romeriksporten und weitere Arbeiten in diesem Sommer sind notwendig, um das Fehlerrisiko zu minimieren und die Betriebsstabilität einer Bahnstrecke zu stärken, die über lange Zeit hohen Belastungen ausgesetzt war“, erklärte Henning Bråtebæk, Executive Vice President für Betrieb und Instandhaltung bei Bane NOR. „Obwohl die Arbeiten den Zugverkehr während ihrer Dauer beeinträchtigen, sind sie wichtig, um den Reisenden in den kommenden Jahren eine robustere und zuverlässigere Bahnstrecke bieten zu können.“

Der Norwegische Bauunternehmerverband (EBA) äußert sich in einer Pressemitteilung zu den Verspütungen und gleichzeitigen Entlassungen bei der Bahn: „Während Zugreisende immer häufiger Verspätungen erleben und der Wartungsstau im Schienennetz wächst, entlassen Bahnunternehmen Mitarbeiter. In diesem Jahr wurden bereits über 10 Prozent der Belegschaft entlassen. Sollte das Arbeitsaufkommen im Herbst nicht anziehen, befürchtet die Branche, dass die Entlassungen durch dauerhafte Stellenstreichungen ersetzt werden.“ Laut EBA ist das Auftragsvolumen von Bane NOR in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen. Der Wert der im ersten Halbjahr 2026 auf dem Markt befindlichen Verträge betrug etwa 4 Milliarden NOK, verglichen mit rund 6 Milliarden NOK im gleichen Zeitraum im Jahr 2024.



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