
Ottobrunn, 23. Juli 2026. Deutschland will mit Norwegen und Kanada mehr Startmöglichkeiten für Trägerraketen schaffen. „Um reaktionsschnell zu sein, um selber handlungsfähig zu sein, brauchen wir einen Pool von Launch-Möglichkeiten – und nicht erst den Zugriff in fünf, sechs oder sieben Jahren“, erklärte Verteidigungsminister Boris Pistorius bei einem Besuch des Münchener Raketen-Start-ups Isar Aerospace. Um das Ausfallrisiko zu minimieren, sei eine strategische Verteilung von Startplätzen notwendig. „Deswegen denken wir aktuell auch über einen bundeswehreigenen Startplatz nach“, verkündete der Minister. In den kommenden Jahren will die Bundesregierung 35 Milliarden Euro in die Raumfahrt investieren.
Deutschlands Sicherheit dürfe nicht im Stau kommerzieller Warteschlangen stecken bleiben. Der Verteidigungsminister hatte sich im März 2026 bereits am europäischen Weltraumbahnhof auf der norwegischen Insel Andøya über die Trägerrakete SPECTRUM informiert, die Isar Aerospace fertigt. Das Unternehmen verfügt auf der Insel Andøya in Norwegen über einen eigenen Startplatz. Die erste Testrakete stieg im vergangenen Jahr etwa 30 Sekunden auf und stürzte dann ins Meer. Ein zweiter geplanter Start wurde mehrmals abgebrochen.
Der Besuch stand im Zeichen der stark wachsenden Nachfrage von Regierungen und Verteidigungsbehörden nach souveränen Startkapazitäten. In den vergangenen zwölf Monaten entfiel mehr als die Hälfte aller Anfragen auf den Verteidigungssektor, in den Vorjahren war die Nachfrage bei Isar Aerospace noch überwiegend kommerziell geprägt.
In seinem neuen Werk in Parsdorf bei München will Isar Aerospace bis zu 40 Trägerraketen pro Jahr in Serie produzieren. Das Werk ist darauf ausgelegt, die hohe Startfrequenz zu bedienen, die staatliche Auftraggeber einfordern – und will dabei hochwertige Industriearbeitsplätze schaffen und Deutschland als führenden Exporteur von Startkapazitäten etablieren.
Das europäische Raumfahrtunternehmen Isar Aerospace bietet Startdienste für den Transport kleiner bis mittelgroßer Satelliten und Satellitenkonstellationen in die Erdumlaufbahn an. Die Trägerraketen für den Transport der Satelliten hat das Unternehmen fast vollständig inhouse entwickelt, hergestellt und getestet. Isar Aerospace wurde 2018 gegründet, hat seinen Hauptsitz in der Nähe von München und beschäftigt über 400 Mitarbeiter an fünf internationalen Standorten. Die Finanzierung erfolgt über internationale Investoren.
