
8. Juni 2026. Die englische Verkehrsgesellschaft Go-Ahead hat mitgeteilt, sich nach 2027 aus Norwegen zurückzuziehen. Go-Ahead betreibt seit 2019 die Sørlandsbanen, die Arendalsbanen und die Jærbanen, nachdem die Regierung Solberg diese Strecken im Zuge der Eisenbahnreform von 2017 öffentlich ausgeschrieben hat. Im Herbst 2024 beschloss die Regierung notgedrungen, Go-Ahead nach Vertragsablauf den Betrieb zu entziehen. Stattdessen wurde Vy das Verkehrspaket 1 der „Jernbanerevolusjon“ ohne Ausschreibung direkt zugesprochen. Dies widerspricht den Bestimmungen der Eisenbahnreform, die – weil gescheitert – immer mehr aufgeweicht wird.
Go-Ahead hinterlässt in Norwegen einen Scherbenhaufen. Im Zeitraum von September vergangenen Jahres bis Februar 2026 fielen über tausend Fahrten aufgrund von Störungen an den Fahrzeugen aus. Im November2025 wurden bei einer Wartungsinspektion der Züge von Go-Ahead über 2.000 Mängel festgestellt. Davon wurden 83 als schwerwiegend bis betriebsgefährlich eingestuft. Die Bezeichnung als „Go-Ahead“ (Vorwärts) erweist sich als bittere Ironie.
Go-Ahead hat nach Betriebsaufnahme bald realisiert, dass die übernommenen Strecken trotz der staatlichen Unterstützung von 500 Millionen Kronen nicht rentieren und verzeichnet einen bisherigen Verlust von 530 Millionen Kronen. Als Folge begann Go-Ahead, den Unterhalt der Züge zu vernachlässigen. Während sich die Triebzüge des Typs 73 von SJ Nord und Flytoget in tadellosem Zustand befinden, weist dieselbe Baureihe bei Go-Ahead häufige Störungen infolge mangelhafter Wartung auf.
Jürg Streuli, Fachjournalist
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