
Oslo, 5. Juni 2026. Aufgrund ihrer lebensbedrohlichen chronischen Lungenerkrankung und nach eingehenden Gesundheitsuntersuchungen wurde die norwegische Kronprinzessin Mette-Marit am 5. Juni auf die Warteliste für eine Lungentransplantation gesetzt. Das teilte das norwegische Königshaus mit. „Der Zustand der Lungenerkrankung der Kronprinzessin ist ernst. Nach einer umfassenden medizinischen Untersuchung wurde sie nun auf die Liste derjenigen gesetzt, die so schnell wie möglich eine Lungentransplantation erhalten werden“, sagt der beratende Lungenspezialist Are Holm vom Rikshospitalet.
Kurz vor Weihnachten 2025 erreichte die Öffentlichkeit die Nachricht, dass Kronprinzessin Mette-Marit aufgrund einer Lungenfibrose eine neue Lunge benötigt. Über ihre Krankheit wurde schon zuvor viel in den Medien berichtet. Dies führte zu einem stark gestiegenen Interesse der Norweger an dem Thema Organspende und Organtransplantation. Die Zahl ausgefüllter Organspendeausweise verzehnfachte sich innerhalb kurzer Zeit. Die Zahl der Organspenden war 2025 sehr hoch. Insgesamt spendeten 119 Verstorbene ihre Organe. In den ersten drei Monaten dieses Jahres erhielten in Norwegen 107 Patienten ein neues Organ. 77 dieser Patienten erhielten eine neue Niere – 47 davon von einem verstorbenen Spender und 30 von einem Lebendspender. Gleichzeitig warten so viele Menschen wie nie zuvor auf eine Niere, während die Zahl derer, die eine neue Lunge benötigen, stark gesunken ist. Insgesamt wurden 429 Organe gespendet einschließlich Nierenspenden von Lebenden.
Transplantationen in Norwegen jeweils im ersten Quartal von 2017 bis 2026

Anders als bei den meisten anderen Organen, bei denen die Wartelisten immer länger werden, ist die Zahl der Patienten, die auf eine neue Lunge warten, im letzten Jahr drastisch gesunken. Anfang dieses Jahres standen nur noch fünf auf der Warteliste. Vor zehn Jahren war diese Zahl zehnmal so hoch, und Ende 2023 warteten bereits 15 Patienten. „Das ist sehr niedrig“, sagt Professor Åre Martin Holm, Facharzt für Lungenheilkunde und Leiter der Lungenabteilung am OUS Rikshospitalet. Holm ist der Lungenfacharzt der Kronprinzessin und hat maßgeblich dazu beigetragen, die Öffentlichkeit über ihre Erkrankung und die geplante Lungentransplantation zu informieren.
Anzahl der Patienten auf der Warteliste jeweils im ersten Quartal von 2017 bis 2026)

„Früher betrug die durchschnittliche Wartezeit fünf bis sechs Monate, manche mussten sogar noch länger warten. Jetzt geht es viel schneller“, sagt Holm. Dafür gebe es neben dem Mette-Marit-Effekt mehrere Gründe. Früher stellten diese Patienten mit Mukoviszidose einen größeren Anteil der Lungenempfänger dar. Im vergangenen Jahr wurde kein Patient mit Mukoviszidose transplantiert. Mit der Einführung eines neuen, wirksamen Medikaments ist der Bedarf an Lungentransplantationen in dieser Patientengruppe nahezu vollständig verschwunden.
Obwohl es sich derzeit um eine Ausnahmesituation handelt, geht Holm davon aus, dass die Zahl der Wartenden auf Spenderlungen mit der Zeit wieder auf ein normales Niveau ansteigen wird. Insgesamt haben seit 1990 fast 800 Patienten in Norwegen eine neue Lunge erhalten.
Norwegen ist an die Organvermittlungsorganisation das Scandiatransplant angeschlossen, zu der für Dänemark, Finnland, Island, Norwegen, Schweden und Estland gehören. Dieses Netzwerk deckt eine Bevölkerung von rund 29,8 Millionen Einwohnern ab und gehört den Mitgliedskrankenhäusern, die in diesen Ländern Organtransplantationen durchführen. Jährlich werden im Rahmen des Scandiatransplant-Verbandes etwa 2.000 Patienten transplantiert.
Am Sonntag. 7. Juni, findet in der Norwegischen Kirche eine Fürbitte für Kronprinzessin Mette-Marit statt. Die Bischöfe der Norwegischen Kirche rufen die Gläubigen dazu auf, am Sonntag während des Gottesdienstes für die Kronprinzessin zu beten.
Am 6. und 7. Juni feiert Leipzig unter dem Motto „Zeit, Zeichen zu setzen“ den 44. Tag der Organspende. Im Rahmen des Stadtfestes bieten die beteiligten Organisationen, Verbänden und Institutionen umfangreiche Informationen zum Thema Organspende. Ziel ist es, dass sich Besucher mit der Frage „Organspende – ja oder nein?“ auseinandersetzen.

Koordinator von Organspenden in Deutschland ist die Deutsche Stiftung Organtransplantation. Deutschland ist an das Netz Eurotransplant International Foundation angeschlossen, das die grenzüberschreitende Vermittlung und Zuteilung von Spenderorganen in acht europäischen Ländern zentral organisiert. Patienten in Deutschland profitieren von diesem Verbund, da mehr Organe aus den anderen Ländern in Deutschland transplantiert werden als Deutschland Organe für andere Länder zur Verfügung stellt. Die Medizinische Hochschule Hannover MHH ist die führende Transplantationsklinik im Eurotransplant-Netzwerk. Seit 1968 wurden an der MHH bis 2025 mehr als 16.000 Organe transplantiert, darunter mehr als 3.000 Lungen. Im Jahr 2025 erhielten Patienten an der MHH 24 Herzen, 148 Nieren, 80 Lebern, 110 Lungen und drei Bauchspeicheldrüsen. Die Empfänger kommen aus allen Altersgruppen – vom Säugling bis zum Senior.
„Wir sind das einzige Zentrum im Eurotransplant-Raum, das regelmäßig bei Kindern unter zwölf Jahren Lungentransplantationen durchführt“, sagt Prof. Dr. Fabio Lus, Leiter des Lungentransplantationsprogramms der Klinik für Herz-, Thorax-, Transplantations- und Gefäßchirurgie (HTTG) der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). „2025 konnten wir bereits 100 Patientinnen und Patienten mit einer neuen Lunge eine bessere Lebensqualität ermöglichen, darunter waren elf Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren.“

In Norwegen gilt bei Organspenden die Widerspruchslösung. Alle Einwohner gelten automatisch als Spender, wenn sie sich nicht dagegen aussprechen. Allerdings streben Verbände eine Registrierung als Spender an, um im Ernstfall Klarheit über den Willen des Verstorbenen zu haben. In Deutschland ist eine Organspende nur dann zulässig, wenn der Verstorbene zu Lebzeiten eingewilligt hat oder, falls keine derartige Zustimmung vorliegt, wenn die gesetzlich bestimmten Angehörigen nach dem mutmaßlichen Willen des Verstorbenen entscheiden.
Mitte Mai stellte eine fraktionsübergreifende Gruppe von Bundestagsabgeordneten einen Gesetzentwurf zur Einführung der Widerspruchslösung bei der Organspende vor. Danach soll wie in Norwegen grundsätzlich jeder Bürger als Spender gelten, wenn kein Widerspruch vorliegt. Allerdings gibt es schon jetzt Initiativen gegen die Widersprungslögung.
Finden Sie hier aktuelle Zahlen zu Organspenden und Transplanationen in Norwegen im ersten Quartal 2026.
Finden Sie hier aktuelle Statistiken zur Organspende in Deutschland.
