NHH-Studie: Stromkabel NordLink mit mehr Vorteilen für deutsche als für norwegische Verbraucher

Das Stromkabel wurde im September 2020 für den Probebetrieb und im März 2021 für den kommerziellen Betrieb freigegeben.
Das Stromkabel NordLink nahm im März 2021den Betrieb auf.©Tennet

Oslo, 21. Mai 2026. Das Stromkabel NordLink, das seit März 2021 Strom auf kommerzieller Basis Strom aus Wasserkraft nach Deutschland und aus Windkraft nach Norwegen liefert, hat nur geringe Auswirkungen auf die Strompreise im Stromgebiet Südwestnorwegen (NO2) verursacht. Wie Forscher der Norwegian School of Economics in einer Studie veröffentlichten, hat NordLink lediglich einen geringfügigen Anstieg des Durchschnittspreises um 0,516 Euro/ MWh verursacht. Dies entspreche einem geringen Wachstum von nur zwei Prozent im Vergleich zum Zeitraum vor der Kabelverlegung. Der Spotpreis in Deutschland sank um 1,634 EUR/MWh. Vor Verlegung des Stromkabels gab es Befürchtungen, dass die Strompreise im Stromgebiet NO2 stark steigen könnten.

Die Preisdifferenz zwischen den beiden Regionen verringerte sich, seit Strom über NordLink fließt. Die Strompreise im Stromgebiet NO2 in Norwegen reagierten sensibler auf Gaspreisänderungen.
Verbraucher in Norwegen spürten die Auswirkungen durch niedrigere Preise in Stunden mit geringer Nachfrage, aber höhere Preise in Spitzenlastzeiten. Strom wird zu entscheidenden Zeiten teurer. Außerdem stieg die Preisvolatilität. Für Verbraucher wird es schwieriger, die Kosten vorherzusagen.

Als Schlussfolgerung der Untersuchen schreiben die Autoren der Studie: „NordLink hatte einen moderaten direkten Einfluss auf die Durchschnittspreise, jedoch signifikante Auswirkungen auf die Preisverteilung und die Volatilität. Bei der Marktintegration müssen Volatilität, Verteilungseffekte und das Verbraucherwohl berücksichtigt werden – und nicht lediglich die Durchschnittspreise. Stromerzeuger können Chancen erkennen und ihre Strategien auf der Grundlage der durch NordLink bedingten Marktveränderungen gestalten.“

Die Autoren der Studie, Endre Bjørndal, Mette Bjørndal, Isabel Hovdahl und Kyriaki Tselika, weisen auf ein grundlegendes Problem hin, das mit der zunehmenden Preisabhängigkeit von NO2 einhergeht:Die Konsumgewohnheiten der Haushalte in NO2 seien typischerweise unflexibel und konzentrieren sich auf die Morgen- und Abendstunden, wenn die Preise am höchsten sind. Mit anderen Worten: Es sind die privaten Haushalte, die die Zeche zahlen müssen, während energieintensive Industrien ihre Produktion in der Regel an die Stunden mit niedrigeren Strompreisen anpassen können.

Die Autoren nennen die Verwendung von Gebühren aus Netzengpässen zur Senkung der Netzmieten als wichtigen Mechanismus zur Abmilderung der Preisauswirkungen auf Verbraucher. Die Europäische Kommission hat vorgeschlagen, 25 Prozent dieser Gebühren in neue Verbindungen zwischen den Tarifzonen zu investieren. Dieser Vorschlag stieß in Norwegen und Schweden auf heftigen Widerstand.

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